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Packender Marathon bei Kälte und Wind

Albert Korir hat am Sonntag mit einem Zielsprint vor dem Burgtheater den 34. Vienna City Marathon (VCM) gewonnen. Der 23-jährige Kenianer siegte nach 42,195 Kilometern mit einer Zeit von 2:08:40 Stunden zwei Sekunden vor seinem Landsmann Ishmael Bushendich. Dritter wurde mit Ezekiel Omullo (2:09:10) ebenfalls ein Läufer aus Kenia.

Es war der 14. Männer-Sieg für Kenia in der VCM-Geschichte, der Streckenrekord des Äthiopiers Getu Feleke aus dem Jahr 2014 von 2:05:41 war wegen der teilweise sehr windigen Bedingungen nicht in Gefahr. Die Siegerzeit war die 17.-beste je in Wien gelaufene Marke.

Korir

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Auf den letzten Metern lief Korir zu seinem ersten Sieg in einem großen Stadtmarathon

37-jährige Mutter gewinnt mit Spitzenzeit

Bei den Damen gewann die 37-jährige Nancy Kiprop mit neuer persönlicher Bestzeit von 2:24:20 Stunden. Die Siegerzeit ist die zweitschnellste jemals in Wien gelaufene Frauen-Zeit hinter den 2:23:47 der Italienerin Maura Viceconte im Jahr 2000.

Nancy Kiprop gewinnt den Frauen-Bewerb

Mit der zweitbesten je in Wien gelaufenen Zeit einer Frau siegte die 37-jährige Nancy Kiprop aus Kenia.

Die Kenianerin kann auf eine bereits 23-jährige Karriere zurückblicken. Die Topmarke der siebenfachen Mutter (zwei leibliche und fünf adoptierte Kinder) stand bisher bei 2:25:13. Beste Österreicherin wurde nicht wie erwartet Karin Freitag (15.), die einen Sturz wegstecken musste, sondern als Elfte Katharina Zipser (2:47:23). „Die Freude ist riesengroß, als erste Österreicherin ins Ziel zu laufen, ist ein großartiges Gefühl“, so die Tirolerin.

Pfeil steigert sich und läuft zur WM

Der beste Österreicher Valentin Pfeil kam in seinem erst zweiten Marathon als bester Europäer als Elfter ins Ziel und unterbot mit einer Zeit von 2:14:50 Stunden das Limit für die WM in London um zehn Sekunden. Der 28-jährige Oberösterreicher konnte seine Bestzeit damit gegenüber dem Vorjahr um 1:47 Minuten steigern.

„Es war durch den Wind ein hartes Stück Arbeit und am Schluss ein Kampf um jede Sekunde“, sagte ein erleichterter Pfeil im ORF-Interview. „Heute hat vieles zusammengepasst, um diese Zeit zu erreichen. Vielen Dank an alle da draußen, die mich unterstützt haben.“ Zu seiner Steigerung gegenüber dem Vorjahr meinte er: „Es ist im Marathon kein Fehler, ein Jahr älter zu sein. Damit musste ich mich auch etwas später so richtig anstrengen.“

Prognose nicht freundlich

Neben den zu erwartenden schwierigen Wetterbedingungen hatte sich auch die Strecke gegenüber den letzten Jahren leicht geändert. Statt über die wellige Schüttelstraße wurde von Kilometer 35 bis 38 von der Lusthausstraße über die Rustenschacherallee, Sportklubstraße und Vivariumstraße auf die Franzensbrücke gelaufen. Das Ziel war wie 2016 auf der Ringstraße zwischen Burgtheater und Rathaus.

Marathon

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Wie immer beeindruckend: Das große Feld der Marathon-Läufer auf der Reichsbrücke

Um 8.58 Uhr ging die Elite auf der Reichsbrücke ins Rennen, und die Wetterprognosen verhießen weiterhin nicht wirklich ein angenehmes Laufen. Sieben Grad am Start bis dann zehn Grad zum möglichen Zieleinlauf kurz nach 11.00 Uhr wurden vorausgesagt. Die optimale Lauftemperatur liegt zwischen zehn und 15 Grad. Wesentlich hinderlicher als die Temperatur war jedoch der Wind, der sich von 40 bis hinauf auf 70 km/h steigern sollte.

Elite trotzt dem Wind

„Das ist natürlich extrem leistungsmindernd“, meinte ORF-Experte Michael Buchleitner in seiner Vorschau. Doch die besten Läufer ließen sich davon nicht beeindrucken. Nach rund 33 Minuten bog die Spitze zügig auf die Wienzeile ein, dort war der stärkste Gegenwind zu erwarten. Pfeil hatte nach 31:40 Minuten die 10-km-Marke passiert und lag damit auf Kurs für das WM-Limit von 2:15 Stunden.

Wien-Marathon

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Die VCM-Strecke wurde leicht verändert, die Länge bleibt natürlich gleich

Ex-Biathlon-Weltklasseläufer Christoph Sumann, der den Lauf für den ORF begleitete, meinte in der Livesendung, die Bedingungen seien jedoch besser als erwartet. Wetterextreme begleiten den Wien-Marathon immer wieder. So wurde 1996 bei Schneeregen und vier Grad gelaufen, 2003 schwitzten die Läufer hingegen schon beim Start bei 29 Grad.

Kein Streckenrekord, aber spannendes Finish

Nach 25 Kilometern war die Spitzengruppe immer noch kompakt, 15 Läufer lagen innerhalb von drei Sekunden und waren mit einer prognostizierten Zielzeit von 2:09 Stunden unterwegs. Doch Meter für Meter wurde das Tempo angezogen, und die Gruppe der schnellsten Läufer hatte sich bis Kilometer 33 auf sieben Mann reduziert. Es kündigte sich kein Rekordrennen, aber ein spannendes Finish an.

Zielsprint nach 42 Kilometern

Albert Korir aus Kenia gewann den Vienna City Marathon im Zielsprint nach 2:08:40 Stunden.

Bei Kilometer 36 fiel dann die Vorentscheidung. Korir und Bushendich konnten sich von der Konkurrenz lösen und liefen gemeinsam dem Sieg entgegen. Die endgültige Entscheidung fiel dann auf den letzten 200 Metern, auf denen Korir sich mit ein, zwei schnellen Schritten erfolgreich absetzen konnte.

„Das Rennen war eine Herausforderung, aber es ist sehr gut für mich gelaufen. Es war ein starkes Feld, ich hatte Respekt, aber ich war auch stark“, sagte der als Außenseiter gehandelte Korir, der mit den Bedingungen in der Früh ein wenig haderte. „Es war sehr kalt und windig am Start, aber dann wurde es wärmer, und der Wind ließ auch nach.“

„Alles durchgemacht, was man sich vorstellen kann“

Pfeil war zu diesem Zeitpunkt ebenfalls ausgezeichnet unterwegs und war weiter auf dem Weg zu einer Endzeit von 2:14. Bis Kilometer 34 teilte er sich mit dem Brasilianer Paulo Paula die Arbeit im Wind. Auf den letzten sieben Kilometern war es dann ein einsamer Kampf um die entscheidenden Sekunden. Am Ende musste der Österreicher ein wenig dem Tempo und dem Wetter Tribut zollen, „rettete“ aber zehn Sekunden Vorsprung auf das Limit über die Ziellinie.

Valentin Pfeil

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Im Ziel war Valentin Pfeil mit seinem Kräften am Ende

„Ich habe heute alles durchgemacht, was man sich nur vorstellen kann. Am Anfang hat es etwas gedauert, bis ich reingekommen bin, dann ist es aber ganz gut gelaufen. Ich habe versucht, mir etwas für den Schluss aufzuheben, aber viel war dann nicht mehr da, die Kombination Regen und Wind laugt einen sehr aus und ist nicht lustig. Auf neue Bestleistung und WM-Norm zu laufen war natürlich ein kalkuliertes Risiko, aber es hat geklappt.“

Mit genannten 42.766 Menschen aus 125 Nationen für alle Bewerbe an den zwei Tagen, darunter fast 9.000 für die längste Distanz, gab es einen neuen Melderekord in Wien.

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