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Abschiedsvorstellung gegen Freiburg

Am Samstag wird dem FC Bayern München nach dem Spiel gegen den SC Freiburg zum fünften Mal in Folge nach einer Saison die deutsche Meisterschale überreicht. Zum letzten Mal wird Philipp Lahm die Trophäe als Erster in die Höhe stemmen. Für den 33-jährigen Kapitän ist es der Abschied vom Profifußball. Der nur 1,70 Meter große Lahm verlässt als einer der erfolgreichsten Kicker Deutschlands die Bühne.

„Dieser Verein hat Legenden wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Uli Hoeneß, Kalle Rummenigge. Philipp Lahm ist auf diesem Niveau“, sagte einst der ehemalige Bayern-Coach Pep Guardiola über den Verteidiger. Auch für den ehemaligen Nachwuchstrainer und aktuellen Assistenten von Carlo Ancelotti, Hermann Gerland, gehört Lahm in die „Jahrhundertelf des FC Bayern“.

Erfolge pflastern seinen Weg

Am 13. November 2002 gab der langjährige Bayern-Kapitän als 19-Jähriger im bedeutungslosen Champions-League-Spiel gegen den RC Lens unter Trainer Ottmar Hitzfeld sein Debüt bei den Bayern. Auch aufgrund seiner Körpergröße war es für Lahm aber danach schwierig im mit Stars gespickten Kader der Bayern Fuß zu fassen. Nach Lehrjahren beim VfB Stuttgart kam Lahm 2005 gereifter zu den Bayern zurück und stieg sukzessive zu einem Leitwolf auf.

Philipp Lahm, 2005

GEPA/Thomas Bachun

Der Anfang: Bereits mit 19 debütierte Lahm in der Kampfmannschaft

Der oft unscheinbar wirkende Lahm wurde bei den Münchnern und später auch im deutschen Nationalteam zur unverzichtbaren Größe. Der Verteidiger absolvierte insgesamt 516 Pflichtspiele für die Bayern und erzielte dabei 16 Tore. Am 18. Oktober 2014 gelang Lahm beim 6:0 über Werder Bremen sogar ein Doppelpack. Mit den Münchnern gewann der 33-Jährige alles, was der Clubfußball zu bieten hat: Achtmal deutscher Meister, sechsmal Pokalsieger und als Höhepunkt 2013 Gewinner der Champions League - so lautet die beeindruckende Bilanz.

Philipp Lahm, 2014

APA/AFP/Michael Robert

Der Höhepunkt: Lahm führt Deutschland als Kapitän zum WM-Titel

Auch die jüngsten Erfolge der deutschen Nationalmannschaft sind untrennbar mit dem Namen Philipp Lahm verbunden. 2014 führte er die Deutschen zum WM-Titel in Brasilien, dem vierten in der Geschichte des Deutschen Fußballbundes (DFB). Am Tag danach - das WM-Finale war sein 113. Länderspiel - teilte er Bundestrainer Joachim Löw seine Entscheidung mit, die DFB-Laufbahn zu beenden. Nur eines blieb Lahm verwehrt: Europameister wurde er nie - und das lag auch daran, dass der Verteidiger im Finale 2008 in Wien den entscheidenden Zweikampf mit Siegestorschützen Fernando Torres verlor.

Vielseitigkeit als Markenzeichen

Lahms größte Stärke war seine Flexibilität. Anfangs als Linksverteidiger aufgeboten, wechselte der Allrounder später auf die rechte Seite, nur um in der Schlussphase seiner Karriere im Mittelfeld aufzulaufen. „Philipp Lahm kann zehn Positionen spielen - nur nicht die von (Torhüter, Anm.) Manuel Neuer“, lobte wiederum der ehemalige Bayern- und nun ManCity-Coach Guardiola einst seinen Schützling.

Fernando Torres (ESP), Jens Lehmann und Philipp Lahm (GER)

APA/AFP/Michael Robert

Der Makel: Lahm (r.) kommt im EM-Finale 2008 gegen Torres zu spät

Dazu gilt Lahm, der passenderweise im Münchner Stadtteil Gern zwischen Schloss Nymphenburg und Olympiastadion aufwuchs, als Paradebeispiel des fairen Fußballers und Sportsmanns. In rund 44.400 Einsatzminuten sah er nur 20 Gelbe Karten, nie mehr als drei pro Saison. Eine Sperre musste Lahm nie absitzen. Zwischen September 2014 und Oktober 2015 blieb er in der Bundesliga sogar ohne Foul. Nur einmal fiel Lahm aus Sicht der Bayern-Chefs ungut auf: 2009 kritisierte er öffentlich Transferpolitik und Spielphilosophie und musste dafür 50.000 Euro Strafe zahlen.

„Man weiß nie, was kommt“

Gegen Freiburg wird Lahm noch einmal die Atmosphäre in Bayerns Allianz Arena genießen. „Ich hoffe, dass mich die Fans als einen guten Fußballspieler in Erinnerung behalten“, sagte der scheidende Kapitän, der laut eigener Aussage noch immer Gänsehaut bekommt, wenn die Anhänger seinen Namen rufen. Seinen wirklich letzten Auftritt als offizielles Teammitglied der Münchner wird Lahm dann wohl bei der traditionellen Feier auf dem Rathausbalkon in München geben.

Wie es danach weitergeht, ist noch völlig offen. „Ich werde mir einen Tag setzen und den für mich als Startschuss in mein neues Leben definieren“, so Lahm. Eine Funktion bei Bayern wird er jedenfalls vorerst nicht übernehmen. Das Angebot des Sportdirektors schlug er aus. „Ich möchte andere Sachen, andere Leute und andere Bereich kennenlernen. Man wird sehen, was in Zukunft passiert“, sagte Lahm, „erst einmal mache ich mit meiner Familie Urlaub und lebe frei in den Tag hinein.“ Fadesse wird nicht einkehren, denn Familie Lahm erwartet heuer ihr zweites Kind.

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