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Wie der Vater so die Kinder

Gewichtheben ist in Österreich trotz langer Tradition ein Fall für Idealisten. Eine ganze Familie davon ist in Rohrendorf bei Krems zu Hause. Ewald Fischer und seine Kinder Sarah und David arbeiten daran, dass es wieder gebürtige Österreicher gibt, über die man in der Gewichtheberwelt spricht. Bei den Fischers gehört der Sport genauso zum Alltag wie das gemeinsame Abendessen.

Auch Athletenclub Krems ist untrennbar mit dem Namen Fischer verbunden. Seit 1972 ist Johann Fischer, der Großvater von U17-Weltmeisterin Sarah, Obmann des Vereins. Dessen Sohn Ewald wurde so vom Gewichthebersport infiziert und gab seine Leidenschaft an seine Kinder Sarah und David weiter.

„So wie ich meine Kinder hat auch mein Papa mich überall hin mitgenommen. Irgendwann ist es meine große Liebe geworden“, so Ewald Fischer im Gespräch mit ORF.at. Fischer holte neben mehreren Staatsmeistertiteln 2006 sogar den WM-Titel in der Klasse Masters der Athleten über 35 Jahren.

Eigener Trainer für die Kinder

Als die Sprösslinge des hauptberuflichen Lokführers mit Spitznamen „Ewi“ ebenfalls ihre Liebe zu den Gewichten entdeckten, setzte Fischer senior alles daran, ihnen auf dem Weg zur Weltspitze unter die Arme zu greifen. „Der Sport krempelt dein Leben um, und für meine Kinder habe ich es noch einmal umgekrempelt“, so Fischer, der bei seinem Heimatverein nicht nur stellvertretender Obmann, sondern auch sportlicher Leiter und Schriftführer ist.

Gewichtheberin Sarah Fischer

ORF.at/Lukas Krummholz

Sarah Fischer führt gemeinsam mit ihrem zwei Jahre älteren Bruder die Familientradition erfolgreich fort

Wenn schon, dann g’scheit, war die Devise von Familie Fischer. „Wie David gesagt hat, er möchte es auch machen, haben meine Frau und ich gesagt: Wenn, dann ordentlich. Nicht wie ich zehn Jahre dahin trainieren und dann vielleicht fünf Jahre in die falsche Richtung. Das ist unnötige Energie, die man da verschwendet“, so Fischer. Von 2008 bis 2014 engagierte die Familie den Bulgaren Boshidar Boschilow als Trainer für ihre Kinder. Damals sei er noch belächelt worden, so Fischer: „Man hat gesagt, der Fischer ist ein Trottel. Weil aus seinen Kindern wird sowieso nichts, und reich werden kann man damit auch nicht.“

Hartnäckigkeit wird belohnt

Familie Fischer zog jedoch ihr Ding durch und wurde dafür mit Erfolgen belohnt. Sohn David ist mittlerweile mehrfacher Staatsmeister in der allgemeinen Klasse, Tochter Sarah sorgte bei der U15-EM 2013 bereits als Zwölfjährige für Aufsehen. „Sie ist nur drei Kilo unter dem Europarekord geblieben – und das gegen 15-Jährige. Damals habe ich mir gedacht, es geht in die richtige Richtung, das könnte was werden“, so Fischer senior. Die bisherige Krönung war Gold im Reißen bei der U17-WM in Bangkok im April, wo Vater und Mutter ihre Tochter an Ort und Stelle zum Sieg schrien. Mittlerweile erhält man auch Unterstützung vom Verband.

Dem Erfolg der Kinder ordnet die Familie alles unter, vor allem weil Gewichtheben für Ewald Fischer nicht nur ein Sport, sondern eine Leidenschaft ist. „Für mich ist es das Leben. Ich habe nach den Terminen vom Gewichtheben geheiratet, und wir sind rund um die Gewichthebertermine auf Urlaub gefahren. Jetzt planen wir Urlaube sowieso rund um die Wettkämpfe der Kinder.“ Dank Fischers Hartnäckigkeit wurde nach zwei Jahre Verhandeln im Sportleistungszentrum St. Pölten Gewichtheben als eigene Abteilung aufgenommen. Sohn David ist heuer der erste Absolvent des vom Vater ins Leben gerufenen Programms.

Gewichtheberin Sarah Fischer

ORF.at/Lukas Krummholz

Die Wand im Trainingszentrum ist nicht nur mit Bildern der Fischers voll, auch die Erfolge sind penibel aufgelistet

Ein schwieriger Spagat

Fischer senior sieht sich in einer Linie mit erfolgreichen Sportlerfamilien wie Hirscher, Jukic und Girardelli. So wie die Väter aus dem Ski- und Schwimmerlager, die Marcel, Mirna und Dinko sowie Marc zu Höchstleistungen führten, eckt Ewald Fischer auch gerne einmal an, um seinen Kindern optimale Bedingungen zu schaffen. „Ich bin nicht streitsüchtig, aber wenn jemand meine Kinder attackieren will, muss er zuerst an mir vorbei“, so Fischer senior. Vor allem, wenn Gewichtheberinnen und damit seine Tochter ins Lächerliche gezogen werden, wird der Niederösterreicher unrund: „Wenn ich so was höre, dann zucke ich fast aus.“

Dabei sei gerade der Spagat zwischen Vater und Betreuer nicht immer leicht. „Es ist das Schwierigste überhaupt. Früher habe ich ja alles noch mit nach Hause genommen, und man hat dort weitergeredet. Mittlerweile habe ich das gelernt, dass ich hier der Trainer und dort der Papa bin“, so Fischer. „Es war auch schwierig, weil meine Kinder charakterlich total unterschiedlich sind. Sarah ist wie ich, mit dem Kopf durch die Wand. David ist eher ruhig und feinfühlig, aber sehr auf Ziele fixiert.“ Für 2020 ist ein „Urlaubstermin“ von Familie Fischer schon eingeplant: die Olympischen Sommerspiele in Tokio.

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