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Doppel der Extraklasse ohne Happy End

Für Oliver Marach hat sich am Samstag der Traum vom ersten Grand-Slam-Titel nicht erfüllt. Der Steirer musste sich einen Tag vor seinem 37. Geburtstag mit seinem kroatischen Partner Mate Pavic in einem dramatischen Doppel-Finale in Wimbledon knapp geschlagen geben. Die als Nummer 16 gesetzte Paarung unterlag dem polnisch-brasilianischen Duo Lukasz Kubot/Marcelo Melo nach 4:39 Stunden Spielzeit mit 7:5 5:7 6:7 (2/7) 6:3 11:13.

Das taktisch und spielerisch auf extrem hohen Niveau stehende Endspiel wurde damit zum zweitlängsten Doppel-Finale der Wimbledon-Geschichte. 1992 gewannen Michael Stich und John McEnroe nach fünf Stunden mit 19:17 im fünften Satz. Durch Marachs bittere Niederlage blieb es für Österreich bei drei Major-Titeln im Doppel. Jürgen Melzer triumphierte 2010 in Wimbledon und 2011 bei den US Open, Julian Knowle bei den US Open 2007.

Lukasz Kubot und Marcelo Melo

AP/Kirsty Wigglesworth

Für Lukasz Kubot und Marcelo Melo ist es der jeweils zweite Grand-Slam-Titel

„Enttäuschend ist das falsche Wort. Ich bin traurig, dass das jetzt so zu Ende geht nach so einer großen Schlacht. Es ist sehr bitter“, sagte Marach nach dem Finalkrimi. „Das ist schade, du kannst nicht wirklich sagen, wer heute der Bessere auf dem Platz war. Sie haben zum Schluss sehr gut retourniert, aber wir haben unsere Chancen auch gehabt. Leider haben sie in den großen Momenten unglaublich serviert.“ Der Finaleinzug sei sensationell gewesen, denn wegen seines verletzten Handgelenkes habe er bis kurz vor dem Turnier nicht gewusst, ob er spielen könne.

„Aber natürlich ist das jetzt tough zu schlucken, wenn man 11:13 im fünften Satz verliert. Aber ich hoffe, dass wir uns morgen wieder fangen.“ Es sei wirklich ein sensationelles Finale gewesen, man habe gesehen, wie es den Leuten getaugt habe. „Es war epic, muss man sagen.“ Das Champions Dinner am Sonntag werde er vermutlich ausfallen lassen und stattdessen seinen 37. Geburtstag mit der anwesenden Familie und den Freunden feiern.

Marach sichert ersten Satz

Der erste Satz war ohne Breakchance bis zum 5:5 gegangen, ehe Marach zur Höchstform auflief. Nach zwei Punkten des Steirers ergab sich die Möglichkeit, Kubot/Melo das Service abzunehmen. Ein sensationeller Marach-Return, der die Seitenlinie ankratzte, sorgte für das erste Break und die Chance, den ersten Satz bei Aufschlag Marach zu gewinnen. Der Österreicher behielt die Nerven und brachte sein Servicegame mit zwei Assen zu null durch.

Auch im zweiten Satz waren Marach/Pavic bei ihrem Service lange unantastbar, ließen aber bei 2:2 eine Breakchance aus. Richtig brenzlig wurde es für das kroatisch-österreichische Duo bei 5:6. Die ersten Breakchancen für Melo/Kubot bedeuteten gleichzeitig drei Satzbälle. Marach zog sich mit seinem Service aus der Affäre und hatte sogar einen Spielball. Die vierte Breakchance nutzte Kubot aber mit einem perfekten Lob über Pavic zum Satzausgleich.

Spielszene Wimbledon Doppel Finale

AP/Kirsty Wigglesworth

Oliver Marach setzte mit sehenswerten Schlägen einige Glanzpunkte im Finale

Das Finale spitzt sich zu

Das Finale blieb weiter ein Duell auf Augenhöhe, kein Duo konnte sich einen Vorteil verschaffen. Am Netz agierten Melo/Kubot jedoch gnadenlos und untermauerten das mit je einem Körpertreffer gegen Marach und Pavic. Breakchancen gab es für kein Duo, womit Satz drei auf die Spitze getrieben wurde. Im Tiebreak verlor Marach beide Punkte bei seinem Service, Melo/Kubot zogen auf 5/2 davon, ließen sich den Vorsprung nicht mehr nehmen und holten sich den Satz.

Satz vier verlief im Vergleich zu den knapp zweieinhalb Stunden zuvor kurios - es hagelte nämlich Breaks. Marach/Pavic gingen 3:1 in Führung, mussten aber postwendend ihren Aufschlag abgeben. In dieser Phase spielte vor allem der Kroate mit der Wut im Bauch und lieferte starke Schläge. Der Lohn war nach einem Doppelfehler von Kubot ein weiteres Break zum 4:2. Marach machte schließlich mit seinem Service den Sack zu. Es ging in den fünften Satz.

Entscheidung als Nervenschlacht

Spätestens jetzt wurde das Finale nicht nur eine Sache der Nerven, sondern auch der Physis. Marach/Pavic waren bereits im Semifinale 4:34 Stunden auf dem Platz gestanden. Verschleißerscheinungen gab es aber keine, das Finale gewann sogar noch an Klasse. Pavic und Marach überstanden bei 3:4 und 4:5 Nervenproben. Vor allem der Österreicher musste bei seinem Aufschlaggame gegen den Matchverlust dreimal über Einstand gehen, löste aber die Situation.

Spielszene Wimbledon Doppel Finale

AP/Kirsty Wigglesworth

Marcelo Melo und Lukasz Kubot hatten das glücklichere Ende für sich

Marach/Pavic hatten den Nachteil stets einem Rückstand nachlaufen zu müssen - eine Herausforderung der besonderen Art, die kurz vor dem Scheitern stand. Kubot/Melo erspielten sich zwei Matchbälle. Den ersten wehrte Marach mit einem Volley ab, den zweiten Pavic mit einem Ass. Schließlich wurde der Ausgleich zum 6:6 geschafft. Bei 8:8 ließen wiederum Marach/Pavic vier Breakbälle ungenützt.

Bei 11:11 und einer Spielzeit von über viereinhalb Stunden wurde die Partie unterbrochen, da das Dach geschlossen wurde. Nach knapp zehn Minuten ging das Finale mit Aufschlag Melo weiter, aber leider aus österreichischer Sicht nicht mehr lange. Während der Brasilianer sein Service durchbrachte, geriet Pavic in die Bredouille. Ein Volley von Melo, ein perfekter Return von Kubot und ein glücklicher Punkt dank der Netzkante führten zum 0:40. Ein Volley von Pavic ins Netz beendete schließlich das Finaldrama.

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