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Achter Triumph in Wimbledon

Roger Federer hat sich 14 Jahre nach seiner Titelpremiere erneut zum Wimbledon-Champion gekrönt und sich mit seinem achten Triumph auf dem „Heiligen Rasen“ als alleiniger Rekordhalter in der Tennisgeschichte verewigt. Mit 6:3 6:1 6:4 gewann der 35-jährige Schweizer am Sonntag das Endspiel gegen den von Blasen am linken Fuß gehandicapten Kroaten Marin Cilic.

Mit seinem ungefährdeten Erfolg in nur 1:41 Stunden schrieb Federer ein weiteres Kapitel in seiner Karriere der Superlative. Er überflügelte den siebenmaligen Wimbledon-Sieger Pete Sampras, sicherte sich ohne Satzverlust im gesamten Turnier seinen Grand-Slam-Titel Nummer 19 und ist jetzt der älteste Wimbledon-Gewinner in der Historie des Profitennis.

Roger Federer mit dem Siegerpokal von Wimbledon

Reuters/Toby Melville

Roger Federer ist der König von Wimbledon

Tränen bei Cilic

Nur bis zum 2:2 im ersten Satz sahen die Zuschauer ein ausgeglichenes Match. Der Weltranglistensechste Cilic gab seinen Aufschlag zum 2:3 ab, ehe sich Federer gegen den 1,98 Meter großen Kroaten nach 36 Minuten den ersten Satz holte. Zu Beginn des zweiten Satzes verdunkelte sich aber plötzlich die Stimmung bei Cilic. Er verlor sein Service zum 0:2 und musste sich beim Stand von 0:3 behandeln lassen. Der 28-Jährige vergrub sein Gesicht im Handtuch und kämpfte erfolglos gegen die Tränen an.

Als die Zuschauer schon eine Aufgabe befürchteten, kam Cilic wieder auf den Platz zurück und versuchte, sich zu wehren. Doch der US-Open-Sieger von 2014 wirkte merklich geschwächt und angeschlagen. Nur 25 Minuten dauerte Satz zwei. Wieder kam medizinisches Fachpersonal auf den Platz und verband mehrere Blasen am linken Fuß. War Federer ohne Satzverlust durch seine 19. Wimbledon-Teilnahme gerauscht, hatte Cilic im Viertelfinale gegen Gilles Muller fünf Sätze lang kämpfen müssen - im Halbfinale gegen Sam Querrey dann auch noch vier Sätze.

Marin Cilic in medizinischer Behandlung

Reuters/Andrew Couldridge

Ausgerechnet im Wimbledon-Finale plagte sich Cilic mit Blasen am Fuß

Federer lässt nicht locker

Ohne die Blessuren hätte Cilic vielleicht Federer wie im Viertelfinale des vergangenen Jahres heftigere Gegenwehr leisten können. 2016 siegte Federer erst nach einem 0:2-Satzrückstand und der Abwehr dreier Matchbälle. Diesmal aber ließ Federer keinen Zweifel aufkommen, dass er diesen achten Titel so sehr wollte wie kaum einen anderen zuvor. Erst als zweiter Spieler nach dem großen Schweden Björn Borg 1976 gewann er ohne Satzverlust Wimbledon.

Nach seinem Coup vor einem halben Jahr bei den Australian Open und den Erfolgen in Indian Wells und Miami hatte Federer eine freiwillige zehnwöchige Auszeit genommen und auf die komplette Sandplatzsaison mit den French Open als Höhepunkt verzichtet. Für Wimbledon wollte er unbedingt auf dem Zenit seines Könnens sein. Und das war er vom ersten Match an - bis hin zu seinem elften Endspiel an der Church Road. Von der Behandlungspause ließ sich Federer nicht beeinflussen oder gar irritieren.

2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2009, 2012, 2017

„King Roger“ spielte hochkonzentriert und fokussiert weiter. Im dritten Satz glückte ihm die Vorentscheidung mit einem Break zum 4:3 und er verwandelte seinen zweiten Matchball - zu seinem ersten Wimbledon-Titel seit 2012 - dem historischen achten nach 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2009 und 2012.

„Wenn es so läuft, komme ich natürlich noch gerne viel öfter hierher. Hier so zu gewinnen, keinen Satz abzugeben, ist fast schon zu viel für mich. Ich kann es fast nicht fassen“, sagte Federer in der Stunde des Triumphes. „Aber man muss immer daran glauben, dass man seine Ziele erreichen kann. Es ist ein langer Weg“, fügte er hinzu und dachte auch an seinen unglücklichen Kontrahenten Cilic: „Es ist manchmal grausam, Marin ist ein Held. Glückwunsch für ein tolles Turnier, er kann wirklich stolz auf sich sein. Wenn dir so etwas im Endspiel passiert, ist es natürlich bitter“, so Federer.

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