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Entwicklung der letzten Jahre „ähnlich“

Die Schweiz, Österreichs erster Gegner bei der EM 2017, hat sich in den letzten Jahren ähnlich wie die Auswahl des Österreichischen Fußballbundes (ÖFB) im Frauen-Fußball nach vorne gearbeitet. „Ich sehe die Entwicklung sehr ähnlich mit vielen Spielerinnen, die nach Deutschland wechseln konnten und dadurch das Nationalteam einfach auch besser gemacht haben“, sagte Schweiz-Teamchefin Martina Voss-Tecklenburg der APA.

Die beiden Teams treffen am Dienstag (18.00 Uhr, live in ORF eins) in Deventer im ersten Gruppe-C-Spiel bei der EM in den Niederlanden aufeinander. Die Schweizerinnen sind die Nummer 17 der Welt, waren bereits 16. Die Österreicherinnen befinden sich seit 2016 auf Platz 24. Die Eidgenossinnen sind dem Rivalen also noch etwas voraus, es gibt aber viele Parallelen.

Die Schweizer Teamchefin Martina Voss-Tecklenburg

AP/Andy Clayton-King

Schweizer Teamchefin Voss-Tecklenburg ist seit mehr als fünf Jahren am Ruder

Der Grundstein für heutige Erfolge wurde mit der Installierung der Credit Suisse Football Academy, einem Ausbildungszentrum für Mädchen gelegt, das 2004 seinen Betrieb in Huttwil aufnahm und seit 2013 in Biel ist. Der Ablauf ist ähnlich wie beim 2011 eröffneten Frauenzentrum in St. Pölten, die Spielerinnen trainieren unter der Woche dort und spielen am Wochenende bei ihren Clubs. „Die Spielerinnen kommen schon mit zwölf Jahren. Wir versuchen jedes Talent top auszubilden“, so Voss-Tecklenburg.

Das Konzept passt

Betreut werden maximal 22 Spielerinnen. „Ich glaube nicht, dass die Schweiz Österreich noch voraus ist, sie haben auch viel mehr Spielerinnen (50, Anm.) als wir“, meinte die Schweizer Frauen-Fußball-Chefin. Dass das Konzept passt, zeigen Erfolge auf Nachwuchsebene. 2015 gelang der Sprung ins U17-EM-Finale, auf U19-Ebene war 2016 (wie 2009 und 2011) erst im Halbfinale Endstation für den dreifachen U20-WM-Teilnehmer. „Ich sehe im Moment sehr viele Talente“, sagte Voss-Tecklenburg.

Viel ist in der Schweiz auch noch zu tun, um die Liga zu stärken. Die wird auf acht Teams verkleinert. „Wir hoffen, dass sich Topspielerinnen in der Schweiz etwas mehr und besser auf die Clubs verteilen und die Intensität höher wird“, sagte Voss-Tecklenburg. Ihren Spielerinnen rät sie, der „Ausbildungsliga“ den Rücken zu kehren. „Wenn man es egoistischerweise vom Nationalteam sieht, muss man sagen, dass man ins Ausland wechseln muss, um sich zu entwickeln“, so Voss-Tecklenburg.

Die Infrastruktur und die Qualität der Liga sei eben etwa in Deutschland, England oder Frankreich eine ganz andere. „Wir sehen immer wieder beim Nationalteam, dass Spielerinnen, die in der Schweiz spielen, eine längere Anpassung brauchen, um sich an das Tempo, die Härte, das Niveau zu gewöhnen“, so die 49-Jährige. Das habe man auch im EM-Vorfeld gegen England (0:4) gesehen. „Da hatten wir teilweise eine richtige Überforderung.“

Viertelfinale wie EM-Titel für Deutschland

Man habe natürlich Grenzen. „Wenn die Schweiz oder auch Österreich in ein Viertel- oder Halbfinale kommt, ist das gleichzusetzen mit einem EM-Titel von Deutschland, Frankreich oder Schweden“, meinte die seit fünfeinhalb Jahren tätige und vertraglich bis 2018 gebundene Voss-Tecklenburg. Selbst die Teilnahme an einem großen Turnier dürfe man nicht als Selbstverständlichkeit sehen. „Wenn wir das schaffen, ist es etwas Großartiges“, betonte Voss-Tecklenburg.

Am 24. April 1970 wurde in Bern die Schweizerische Damen-Fußballliga gegründet. Die wurde 1993 aufgelöst und der Frauen-Fußball in den nationalen Verband integriert. 2004 wurde dort ein eigenes Ressort für Mädchen- und Frauen-Fußball eingeführt. Mittlerweile beträgt der weibliche Anteil an lizenzierten Spielern in der Schweiz rund acht Prozent. Laut dem Entwicklungsplan von 2016 bis 2020 ist das Ziel das Erreichen der 30.000er-Spielerinnen-Marke.

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