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Hamilton genießt Machtdemonstration

Sebastian Vettel ist mit 20 Punkten Vorsprung von Spielberg nach Silverstone gereist. Den Grand Prix von Großbritannien und einen Reifenplatzer später ist der Vorsprung des Deutschen auf Lewis Hamilton am Sonntag auf einen Zähler geschmolzen. Obwohl der Brite Vettel nach einem überzeugenden Sieg in der WM im Nacken sitzt, sieht dieser noch keinen Grund zur Panik.

Während Hamilton nach seinem vierten Heimsieg in Silverstone in Folge das Bad in der Menge genoss, musste Vettel am Rande der britischen Siegesfeiern seinen Frust runterschlucken. Nach dem Reifenplatzer in der Schlussphase war der Ferrari-Star von einem möglichen Podestplatz noch auf Rang sieben zurückgefallen und büßte damit fast den gesamten Vorsprung in der WM-Wertung ein.

Hamilton gewinnt Heimrennen in Silverstone

Hamilton feiert in Silverstone einen überlegenen Heimsieg. In einer turbulenten Schlussphase wirbelten Reifenschäden das Ergebnis hinter dem Briten allerdings gehörig durcheinander.

Doch anstatt sich über die Pirelli-Pneus auszulassen, blieb der vierfache Weltmeister unerwartet zahm. „Es gibt keinen Grund zur Panik oder Sorge“, sagte Vettel. In der WM liegt der Deutsche vor dem Grand Prix von Ungarn in zwei Wochen - dem letzten vor der Sommerpause - mit 177 Punkten einen Zähler vor Hamilton. Dessen finnischer Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas verkürzte den Rückstand auf den Spitzenreiter mit Platz zwei auf 22 Punkte.

„Wie aus dem Nichts“

Eine Erklärung für den plötzlichen Kollaps der Reifen hatte der Deutsche keine. „Es kam wie aus dem Nichts. Wir haben darüber gesprochen, und ich hatte das Gefühl, es sei in Ordnung. Dass dann der Reifen in die Luft fliegt, kann man nicht wissen“, meinte Vettel, dem die Sache aber dennoch seltsam vorkam. „Das ganze Wochenende hat der Reifen lang gehalten. Die Vorhersage war, dass er noch viel länger hält. Es ist das zweite Rennen, das wir Probleme hatten“, so der 30-Jährige.

Sebastian Vettel (Ferrari) vor Valtteri Bottas (Mercedes)

AP/Frank Augstein

Bis zu seinem Reifenplatzer hatte Vettel zumindest Bottas im Griff

Schon vor dem Start hatte das Bremssystem des Ferraris nicht programmgemäß funktioniert. „Ich weiß nicht, warum die Bremsen Feuer gefangen haben. Dann waren die Reifen so heiß, dass ich keinen Grip hatte. Der Start war gar nichts. Ich hing dann hinter Max (Verstappen, Anm.) fest“, sagte der vierfache Weltmeister nach dem für ihn enttäuschenden siebenten Platz.

Auf und Ab seit Monaco

Unter dem Strich stand für Vettel somit ein verpatztes Rennen für das gesamte Team, da auch der drittplatzierte Kimi Räikkönen durch einen Reifenplatzer seinen fast sicheren zweiten Platz noch verlor. „In einem idealen Rennen wären wir Zweiter geworden. So haben wir Glück gehabt, dass wir überhaupt ins Ziel gekommen sind. Es ist enttäuschend. Wir haben zu viele kleine Fehler gehabt.“

Die an sich für Ferrari und Vettel so positive Saisonhälfte ist speziell am Ende durch ein Auf und Ab gekennzeichnet. Seit seinem Sieg in Monaco schaffte Vettel in Spielberg noch Rang zwei, ansonsten kam er auch in Kanada und Aserbaidschan jeweils als Vierter nicht aufs Podest. „Es ist schon okay, auch wenn die letzten Rennen nicht ganz so gut waren. Ich glaube, das Glück war noch nicht ganz auf unserer Seite“, sagte Vettel. „Wir müssen weiter hart an uns arbeiten.“

Perfektes Wochenende für Hamilton

Hamilton verließ Silverstone mit der Gewissheit, ein perfektes Wochenende absolviert zu haben. Am Samstag rückte der Engländer mit seiner 67. Poleposition Rekordmann Michael Schumacher bis auf eine nahe, und auch im Rennen ließ Hamilton auf dem Weg zu seinem insgesamt 57. Sieg nichts anbrennen. Dementsprechend ließ sich Hamilton von den Fans feiern - nur wenige Tage nachdem er aufgrund seines Fernbleibens von einem Showevent auf dem Londoner Trafalgar Square Pfiffe geerntet hatte.

Siegerpodest von Silverstone mit Valtteri Bottas, Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen

APA/AFP/Ben Stansall

Hamilton schwebte nach seinem neuerlichen Heimsieg auf Wolke sieben

„Ich kann das Gefühl gar nicht beschreiben. Ich bin sehr stolz, dass ich das für euch alle geschafft habe“, schrie Hamilton ins Publikum. Berauscht von seiner tadellosen Fahrt ließ sich der dreifache Weltmeister von den begeisterten Fans auf Händen tragen. Sein Teamkollege Bottas, der mit einer nicht viel weniger beeindruckenden Vorstellung im zweiten Mercedes von Startrang neun auf Platz zwei raste, und Räikkönen begannen die obligatorische Pressekonferenz daher auch ohne den Sieger.

Für Mercedes wurde das Heimspiel nur wenige Kilometer von den Werken in Brackley und Brixworth entfernt zu einer Demonstration alter Stärke. „Es geht nicht besser. Wir sind außer uns vor Freude“, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Er war es auch, der Hamilton gegen die Kritik nach dessen Partyausflug nach Mykonos statt PS-Show mit allen Formel-1-Kollegen in London vor dem Grand Prix in Hamiltons Heimat vehement verteidigte. Dessen Vorbereitung infrage zu stellen sei eine Beleidigung, meinte Wolff. Das Ergebnis am Sonntag gab dem Wiener recht.

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