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Konstanz als Schlüssel zum Erfolg

Mit drei Worten hat Roger Federer zusammengefasst, was sich die meisten Beobachter nach dessen achtem Triumph beim Grand Slam in Wimbledon wohl gedacht haben. „Das ist magisch“, sagte der 35-jährige Schweizer, nachdem er sich nicht nur zum Rekord-, sondern auch zum ältesten Sieger auf dem „heiligen Rasen“ gekrönt hatte. Geht es nach Federer, war es nicht sein letzter Triumph in Wimbledon.

Nach dem Titel bei den Australian Open war der Sieg in Wimbledon Federers zweiter Grand-Slam-Erfolg in ebenso vielen Antritten in diesem Jahr. Paris hatte der Schweizer ausgelassen, um seine Batterien aufzuladen. Mit Rafael Nadal gewann aber auch in Roland Garros ein Spieler, der nach einer langen Auszeit im Vorjahr von vielen schon abgeschrieben worden war. Jetzt stehen Federer, der am 8. August 36 Jahre alt wird, und Nadal als erste Teilnehmer des ATP-Saisonfinales in London fest.

Roger Federer und Marin Cilic

APA/AP/Daniel Leal-Olivas

Cilic (l.) war der erste Gratulant bei Rekordsieger Federer

Kein Wunder, dass sich die internationalen Medien nach dem lockeren Sieg über den im Finale mit einer Blase am linken Fuß kämpfenden Kroaten Marin Cilic mit Lobeshymnen überschlugen. „Man hat schon alle Superlative verbraucht, um das Genie Federers zu beschreiben“, meinte etwa die französische Zeitung „Le Parisien“. Für die italienische „La Stampa“ öffnete der achte Wimbledon-Sieg Federer „die Tür zur Legende. Er ist der perfekte Champion.“ Einig war man sich auch, dass der 35-Jährige „in einem Atemzug mit den größten Sportlern der Geschichte genannt werden kann“, wie es der Schweizer „Tages-Anzeiger“ beschrieb.

„Wird immer mein Lieblingsturnier sein“

„Ich habe fest daran geglaubt. Aber es war auch wichtig, dass mein Team und mein Umfeld immer daran geglaubt haben. Wenn du zweifelst, beruhigen diese Leute dich, wenn du dich zu gut fühlst, holen sie dich wieder auf den Boden zurück“, sagte Federer am Sonntagabend nach seinem „magischen“ Moment an der Church Road. All seine Teammitglieder hätten ihm auf seine diesbezügliche Frage ehrlich geantwortet: „Wenn du 100 Prozent fit, gut vorbereitet und motiviert zum Spielen bist, dann ist alles möglich.“

Und diese Vorbereitung war bei dem vierfachen Familienvater, dessen Kinder ihren Vater in der ersten Reihe fußfrei beim nächsten Triumph beobachten durften, perfekt. Das Auslassen der Sandplatzsaison, um sich ganz auf sein Lieblingsturnier zu konzentrieren, war die richtige Entscheidung. Dass er auf dem „heiligen Rasen“ nun auch den siebenfachen Champion Pete Sampras überholt hat, war gar nicht sein vorrangiger Gedanke, so Federer.

„Wimbledon war und wird immer mein Lieblingsturnier sein. Meine Vorbilder haben sich auf dieser Anlage bewegt und auf diesen Plätzen gespielt. Aufgrund dieser Spieler bin ich auch zu einem besseren Spieler geworden.“ Während des Tages oder auch während der Siegerehrung habe er aber nicht viel daran gedacht, dass es der achte Titel ist. „Ich war einfach nur glücklich, dass ich den Wimbledon-Titel gewinnen konnte, weil es ein langer und aufregender Weg gewesen ist, mit zwischenzeitlich auch schwierigen Momenten.“

Gesundheit steht an erster Stelle

Ob er 2018 auch auf den neunten Triumph losgehen wird, ließ er offen. Nicht, weil er nicht möchte. „Ich hoffe, das war nicht mein letztes Mal, und ich hoffe, nächstes Jahr meinen Titel verteidigen zu können“, sagte Federer, „aber da gibt es nie eine Garantie, besonders nicht mit 35.“ Sein Lauf in diesem Jahr mit bereits fünf Turniersiegen, zwei davon bei Majors, überrascht Federer selbst. „Es ist unglaublich. Ich weiß nicht, wie lange es noch so weitergeht. Aber ich muss mich immer daran erinnern, dass die Gesundheit zuerst kommt.“

Roger Federer vor Fotografen

APA/AFP/John Walton

Zum achten Mal durfte sich Federer mit der Trophäe ablichten lassen

Auf die Frage, was ihn besonders auszeichne, fand der Schweizer eine simple Begründung. „In dieser Phase der Karriere ist es sicherlich die Konstanz. Ich war zudem immer ein ‚Big-Stage-Player‘, auf den großen Bühnen fühle ich mich wohl. Mein bestes Tennis habe ich immer auf den großen Plätzen gespielt“, sagte Federer. Er habe als Kind große Träume gehabt. „Dann habe ich über die Jahre hart, sehr gut und clever trainiert, und ich hatte immer die richtigen Leute um mich herum: meine Frau und meine Eltern, die mich immer auf dem Boden gehalten haben.“ Neben all dem Talent habe er hart gearbeitet: „Nur Talent allein reicht nicht.“

Der Vergleich mit seinem jungen Ich fällt Federer schwer. „Ich habe pro Saison fast 100 Matches gespielt und fast 90 davon gewonnen. Da hatte ich ein wahnsinnig großes Selbstvertrauen“, so der 35-Jährige. „Ich würde schon sagen, dass ich heute eventuell der bessere Spieler wäre, einfach, weil ich mich weiterentwickeln konnte. Vielleicht serviere ich noch ein Stück besser, mit mehr Power, auch beim zweiten Aufschlag.“ Ob er wirklich heute besser wäre, sei aber schwierig zu beantworten. Federer: „Es waren einfach andere Zeiten.“

Weitere Turnierplanung offen

Die weitere Turnierplanung lässt Federer offen. „Wir werden uns zusammensetzen und entscheiden, was wir mit Kanada machen“, sagte er. Das Masters-Series-Turnier in Montreal beginnt am 7. August. Durchaus möglich, dass Federer erst in Cincinnati wieder zurückkehrt, ehe die US Open ein Fixpunkt sind. Danach stehen der neu geschaffene Laver Cup in Prag sowie Schanghai und Basel auf dem Programm. Und nun auch London im November. Auf Platz drei im „Race“ 2017 steht übrigens immer noch Österreichs aktuell größte Hoffnung auf einen Major-Sieg: Dominic Thiem.

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