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Kraftakt auf dem Schlussanstieg

Stefan Denifl hat am Mittwoch aus österreichischer Sicht für einen sensationellen Ausgang der 17. Etappe der Vuelta gesorgt. Der 29-jährige Tiroler setzte sich nach 180,5 km bei der Bergankunft am Alto de Los Machucos vor dem Spanier Alberto Contador durch. Insgesamt war es der zehnte Sieg des Österreichischen Radsport-Verbands (ÖRV) bei einer der drei großen Rundfahrten Tour de France, Giro d’Italia und Vuelta.

Denifl, der in dieser Saison bereits die Österreich-Rundfahrt für sich entscheiden konnte, mobilisierte auf dem Schlussanstieg über 7,2 Kilometer mit Steigungen von bis zu 28 Prozent die meisten Kräfte. Etwa drei Kilometer vor dem Ziel schüttelte der Profi vom Team Aqua Blue seinen letzten Begleiter ab und gewann schließlich mit einem Vorsprung von 28 Sekunden vor Lokalmatador Contador, der am Sonntag seine Karriere beenden wird.

Denifl klettert zur Sensation

Stefan Denifl gewinnt bei der Vuelta die Bergankunft der 17. Etappe auf dem Alto de Los Machucos und holt sich als erster Österreicher seit 82 Jahren einen Etappensieg beim spanischen Klassiker.

Der 29-jährige Denifl, der in der Gesamtwertung als 59. mit über zwei Stunden Rückstand keine Rolle spielt, befand sich lange Zeit in einer sechsköpfigen Ausreißergruppe, die sich bis zu neun Minuten Vorsprung erarbeitete. Im Finish sicherte sich der Aqua-Blue-Profi zunächst die vorletzte Bergwertung des Tages - ein Anstieg der ersten Kategorie rund 17 Kilometer vor Schluss -, ehe er den entscheidenden Angriff gegen seinen Fluchtgefährten Daniel Moreno (Movistar) lancierte.

„Ich kann es nicht glauben“

Der Tiroler widmete den „größten Sieg meiner Karriere“ seiner Familie - kurz nach der Österreich-Rundfahrt war er Vater eines Sohnes geworden. „Ich kann es nicht glauben. Ich hatte super Beine, das habe ich schnell gemerkt. Ich habe die ganze Vuelta auf diesen Tag gewartet. Es ist unglaublich, auch für das Team, das bei der ersten großen Tour gleich einen Sieg feiert. Der Anstieg kam mir perfekt entgegen“, sagte Denifl.

Denifl sorgte damit für den ersten rot-weiß-roten Sieg bei der Vuelta seit dem Jahr 1935. Damals feierte Max Bulla sogar zwei Siege. Dem 1990 verstorbenen Bulla gelangen überdies drei Erfolge bei der Tour de France. Weitere Einzelsiege bei einer großen Rundfahrt feierten Georg Totschnig 2005 bei der Tour de France und in diesem Jahr Lukas Pöstlberger beim Giro d’Italia. Denifls Erfolg war zudem der erste bei einer der drei großen Rundfahrten für das irische Team Aqua Blue (2. Division).

Froome verliert 42 Sekunden auf Nibali

An der Spitze büßte Christopher Froome einen Tag nach seinem Zeitfahrsieg in den Bergen 42 Sekunden seines Vorsprungs in der Gesamtwertung ein. Der Brite konnte am Schlussanstieg nicht wie gewohnt überzeugen und belegte Rang 14 (+1:46). Sein nächster Verfolger Vincenzo Nibali beendete die Etappe als Vierter und rangiert nun 1:16 Minuten hinter Froome. Dritter ist weiter der Niederländer Wilco Kelderman mit 2:13 Minuten Rückstand.

Ob Froomes angestrebtes Double aus Tour- und Giro-Sieg nun doch noch einmal in Gefahr gerät, sorgt für Spannung auf den letzten Etappen. Nach dem vierten Erfolg bei der Tour de France strebt der 32-jährige Brite bei seiner sechsten Vuelta-Teilnahme nach insgesamt drei zweiten Plätzen erstmals den Gesamterfolg in Spanien an.

Am Samstag gibt es hinauf zum Alto de l’Angliru wohl die letzte realistische Chancen auf nennenswerte Verbesserungen im Gesamtklassement. Der 1.557 Meter hohe Angliru zählt zu einem der schwierigsten Anstiege Europas. Die 12,2 Kilometer lange Steigung ist gespickt mit bis zu 23,5 Prozent steilen Passagen.

17. Etappe (Villadiego - Los Machucos 180,5 km BAK):
1. Stefan Denifl AUT 4:58:52
2. Alberto Contador ESP + 0:28
3. Miguel Angel Lopez COL 1:04
4. Vincenzo Nibali ITA -"-
5. Ilnur Sakarin RUS -"-
6. Rafal Majka POL -"-
7. Michael Woods CAN 1:13
8. Daniel Moreno ESP 1:17
9. Wilco Kelderman NED 1:19
10. David de la Cruz ESP 1:42
14. Christopher Froome GBR 1:46
96. Marco Haller AUT 17:06
104. Patrick Konrad AUT 18:20

Gesamtwertung

Stand nach 17 von 21 Etappen:
1. Christopher Froome GBR 67:44:03
2. Vincenzo Nibali ITA + 1:16
3. Wilco Kelderman NED 2:13
4. Ilnur Sakarin RUS 2:25
5. Alberto Contador ESP 3:34
6. Miguel Angel Lopez COL 4:39
7. Michael Woods CAN 6:33
8. Wout Poels NED 6:40
9. Fabio Aru ITA 6:45
10. David de la Cruz ESP 10:10
59. Stefan Denifl AUT 2:11:17
116. Patrick Konrad AUT 3:21:33
117. Marco Haller AUT 3:21:50

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