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Euphorie trotz Fehlstarts in der Liga

Peter Stöger hat den 1. FC Köln nach 25 Jahren wieder in den Europacup geführt, am Donnerstag (21.05 Uhr) gibt der deutsche Traditionsclub unter der Regie des Wiener Trainers sein Comeback. Die Euphorie vor dem Auftaktspiel in der Europa League beim FC Arsenal ist trotz des Fehlstarts in der Liga groß.

Köln reist als klarer Außenseiter nach London. Die Deutschen hatten ihren letzten Europaauftritt im UEFA-Cup: Im September 1992 schied man nach einem 2:0-Sieg im Hinspiel mit einer 0:3-Niederlage gegen Celtic Glasgow im Rückspiel aus.

Arsenal stärkste Mannschaft

Arsenal hat indes erstmals seit 20 Jahren die Qualifikation für die Champions League verpasst, ist aber laut Koeffizient der stärkste Club der Europa League. Die Mannschaft von Langzeitcoach Arsene Wenger startete zwar mit zwei Niederlagen in vier Spielen mäßig in die Premier League, aber immer noch besser als die Kölner.

Köln legte mit drei Niederlagen und ein Torbilanz von 1:7 als Tabellenletzter den schlechtesten Saisonstart der Vereinsgeschichte hin. Die Stimmung in den vergangenen Wochen war entsprechend gedrückt, doch vor dem ersten Europacup-Spiel nach 9.115 Tagen kehren Euphorie und Entschlossenheit langsam zurück. „Wir können in Selbstmitleid verfallen oder jede Aufgabe als Chance sehen“, sagte Stöger.

„Wollen dort gewinnen“

Stöger, der in Anlehnung an Jose Mourinho (der selbst ernannte „The Special One“) und Jürgen Klopp („I am the Normal One“) vom Verein dieser Tage scherzhaft als „The Austrian One“ tituliert wurde, sieht sein Team trotz der aktuellen Ligakrise als keineswegs chancenlos.

„Wir wollen dort gewinnen, sonst bräuchten wir gar nicht hinzufliegen“, betonte er. „Es wird schwer, aber ich habe ein ganz gutes Gefühl. Das ist eine richtig lässige Aufgabe. Jeder hat sich das Los gewünscht, es ist eine große Chance, uns zu präsentieren.“ Auch Kapitän Matthias Lehmann verspürt große Vorfreude: „An so einem Tag kribbelt es schon, wenn Du morgens aufstehst. Wir freuen uns alle extremst drauf. Das wird ein absolutes Highlight.“

Vorfreude ist enorm

Die Vorfreude der Fans ist jedenfalls enorm. 20.465 Kartenwünsche gingen beim Club ein, obwohl der Verein nur 2.900 Tickets erhielt, reisen mehr als 10.000 Köln-Fans nach London. „Die Glücklichen sind im Stadion, die anderen werden abseits des Stadions in der Stadt und den Pubs ihren Spaß haben“, so Stöger. „Und wenn es dann noch den Hauch einer Überraschung gäbe, wäre das schön.“

Wenger schont Stars

Nach 19 Jahren durchgehender Teilnahme an der Champions League ist der kleine Europacup offenbar nur ein Trostpreis für Arsenal-Trainer Wenger. Der Franzose schont zahlreiche seiner Stars wie Özil und den walisische Nationalspieler Aaron Ramsey. Auch Granit Xhaka sowie Petr Cech, Alexandre Lacazette und Danny Welbeck sollen eine Verschnaufpause bekommen. Abwehrspieler Laurent Koscielny ist gesperrt, Francis Coquelin und Santi Cazorla fehlen verletzt.

Arsenal-Training

Reuters/Action Images/John Sibley

Arsene Wenger (r.) hat seine Spieler beim Training genau unter Beobachtung

Die Europa League sei sicher nicht der logischste Weg in die Königsklasse, „das ist der über die Premier League“, stellte Wenger klar: „Wir wollen jeden Wettbewerb gewinnen, an dem wir teilnehmen. Und wir haben seit 20 Jahren die Champions League erreicht, das haben wir immer über die Premier League geschafft.“ Und da wartet am Sonntag niemand Geringerer als Meister und Stadtrivale FC Chelsea.

Premiere für Hoffenheim

Überhaupt zum ersten Mal ist die TSG Hoffenheim, der Verein der Österreicher Florian Grillitsch, Robert Zulj und Stefan Posch, in der Europa League dabei. Nach dem 2:0-Sieg gegen Bayern München empfangen die Kraichgauer mit viel Selbstvertrauen die Portugiesen von Sporting Braga. Für Irritationen sorgte zuletzt nur Trainer Julian Nagelsmann, der in einem Interview für die Zukunft Interesse am Trainerposten der Bayern bekundet hat.

In der Gruppe C empfangen die Young Boys Bern mit Trainer Adi Hütter und Thorsten Schick Partizan Belgrad. Hertha BSC bekommt es in Gruppe J mit Athletic Bilbao zu tun, Valentino Lazaro trainierte in der Vorbereitung auf das Heimspiel erstmals seit seiner Verpflichtung Anfang August mit der Mannschaft. Der Steirer war mit einer Knöchelblessur von Red Bull Salzburg nach Berlin gewechselt.

Adi Hütter

APA/AP/Keystone/Peter Schneider

In der Schweiz Tabellenführer, jetzt sollen auch in der Europa League Erfolge gefeiert werden: Young-Boys-Bern-Trainer Adi Hütter denkt darüber nach

Mit dabei in der Gruppenphase sind drei weitere österreichische Legionäre: Alexander Gorgon ist mit HNK Rijeka Gruppengegner von Austria Wien und startet mit einem Heimspiel gegen AEK Athen. Martin Pusic hat mit dem dänischen Meister FC Kopenhagen Lok Moskau zu Gast. Viktoria Pilsen, der Club von Andreas Ivanschitz, beginnt auswärts bei FC Steaua Bukarest, der ehemalige ÖFB-Teamkapitän ist in dieser Saison bei den Tschechen aber noch nicht zum Einsatz gekommen.

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