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Leithammel sehen gute Zukunft

Die österreichischen Nationalspieler haben Marcel Koller am Montag in Chisinau ein würdiges Abschiedsgeschenk bereitet. Mit dem 1:0 gegen Moldawien zum WM-Qualifikationsabschluss gelang der zweite Sieg im zweiten Spiel, seit die Trennung vom Schweizer feststeht. Danach schien die Trauer über den Weggang Kollers ebenso groß zu sein wie die Freude über die jüngsten Siege und den erfolgreich eingeleiteten Umbruch im Team.

So meinte etwa Marko Arnautovic, der Abschied sei bitter für Koller und die Spieler. „Nach dem Match hat sich jeder noch einmal bei ihm bedankt.“ Ein Präsent wurde dem 56-Jährigen jedoch nicht überreicht. „Als Abschiedsgeschenk hat er sich sechs Punkte gewünscht, und das haben wir geschafft“, meinte der West-Ham-Legionär nach den Siegen über Moldau und davor Serbien.

Spielszene zwischen Österreich und Moldau

GEPA/Christian Ort

Arnautovic trauert Koller nach und glaubt an das Potenzial der Mannschaft

Über Kollers Nachfolger machte sich Arnautovic noch nicht viele Gedanken. „Ich lasse mich überraschen und weiß nicht, wer kommt. Ich weiß auch nicht, ob mich der Neue überhaupt einberufen wird“, sagte er, Letzteres eher im Scherz. Wie auch immer der nächste Teamchef heißen werde, er könne auf eine Mannschaft mit Qualität zurückgreifen, betonte Arnautovic, der künftig der Leithammel eines jungen Teams sein wird. „Ich bin mir sicher, dass wir wieder auf ein Niveau kommen, wo wir schon waren.“

Auch Baumgartlinger bleibt Schlüsselfigur

Mit seinen 28 Jahren zählt der Offensivspieler im aktuellen Kader zu den ältesten ÖFB-Kickern. Deswegen und aufgrund des möglichen Abschieds von Spielern wie Marc Janko werde er künftig noch mehr als Führungsspieler gefragt sein und wolle diese Rolle auch übernehmen, erzählte Arnautovic. Eine Schlüsselfigur bleibt auch der 29-jährige Julian Baumgartlinger. Nach dessen Angaben war Koller in den vergangenen Tagen trotz des bevorstehenden Abgangs „mit Vollgas und voller Leidenschaft“ bei der Sache.

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„Als ob sich nichts geändert hätte. Er war so, wie man ihn kennt, sehr akribisch. Er ist sehr sachlich, das zeichnet ihn als Trainer aus“, so Baumgartlinger über Koller. Die Motivation sei sehr hoch gewesen, sich von Koller mit einem Erfolg zu verabschieden. „Es gab aber auch noch andere Gründe, die dafür gesprochen haben, aus diesen Spielen sechs Punkte zu holen“, sagte der Kapitän und nannte in diesem Zusammenhang den freigestellten Sportdirektor Willi Ruttensteiner, ältere Spieler, deren Teamkarriere zu Ende geht, und auch die jungen Spieler.

Junge Wilde im Vormarsch

„Ich bin sehr stolz auf die Jungs. Sie haben gezeigt, welches Potenzial sie haben“, so Baumgartlinger etwa über Maximilian Wöber (19), Kevin Danso (19), Louis Schaub (22) und Debütant Philipp Lienhart (21). Schaub traf im dritten WM-Qualimatch in Folge und hält bei drei Toren in fünf Länderspielen. Der Mittelfeldmann ist ein Spezialist für internationale Partien - im Europacup scorte er für Rapid in 30 Spielen 16-mal, während seine Ligabilanz bei 22 Toren in 140 Matches steht. „Manchmal passieren Sachen, die kann man nicht erklären“, sagte Schaub mit Blick auf diese Statistik.

Während Schaub die Entscheidung gelang, half Philipp Lienhart dabei mit, dass die ÖFB-Auswahl erstmals nach fünf Partien wieder ohne Gegentreffer blieb - und das bei seinem Debüt. „Das war ein Riesengefühl, ein Tag, den ich nie vergessen werde“, schwärmte der Freiburg-Verteidiger. Lienhart zählt zu jener jungen Garde, die aufgrund der vielen Absagen eine Chance erhielt und sich für weitere Aufgaben empfahl. „Wir Jungen haben uns alle gut präsentiert. Jetzt müssen wir hart arbeiten, dass wir weitere Chancen bekommen“, meinte der 21-Jährige.

Philipp Lienhart

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Gelungenes Debüt von Philipp Lienhart in Moldawien

Baumgartlinger über NÖFV-Präsident erbost

Die jüngsten Aussagen des niederösterreichischen Verbandspräsidenten Johann Gartner sorgten indes bei Baumgartlinger für Empörung. Der ÖFB-Teamkapitän wehrte sich vehement gegen die Behauptungen des Niederösterreichers in der „Kronen Zeitung“, wonach es innerhalb der Mannschaft eine Gruppenbildung gebe und sich David Alaba nicht an die Vorgaben von Coach Koller halte. „Das sind Anschuldigungen, die dem Team schaden und Spieler direkt betreffen. Das können wir nicht akzeptieren und weisen wir auch zurück“, sagte der gebürtige Salzburger.

„Wenn man sich so öffentlich äußert, geht das fast in Richtung Verleumdung. Ich glaube, er war sich der Probleme, die dadurch entstehen, nicht bewusst“, so Baumgartlinger über Gartner. In den vergangenen Wochen sorgten öffentliche Wortmeldungen von ÖFB-Funktionären ständig für Unruhe. „Ich hoffe, dass das in den Griff gekriegt wird und die Leute, die verantwortlich sind, das alles einfangen. So lange dieser Prozess nicht abgeschlossen ist, wird das Team in kein ruhigeres Fahrwasser kommen“, so Baumgartlinger.

Spielszene zwischen Österreich und Moldau

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Julian Baumgartlinger ist wie Arnautovic ein Führungsspieler im ÖFB-Team

Allerdings hatte sich Gartner bei seinen Aussagen auf die Analyse des mittlerweile freigestellten Sportdirektors Willi Ruttensteiner berufen. „Ich weiß nicht, ob das Teil der Analyse war. Doch die Quintessenz ist, dass am Spieltag so ein Interview komplette Unruhe reinbringt und Probleme schaffen kann. Es werden die Harmonie und der Erfolg der Nationalmannschaft in Gefahr gebracht“, meinte Baumgartlinger. „Von Gruppenbildung oder einer Weigerung von David habe ich nichts mitgekriegt.“ Auch Gartners Satz, man wolle „weg von der Wissenschaft zurück zum Fußball“, stieß dem Kapitän sauer auf. „So eine Plattitüde spricht nicht für Kompetenz.“

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