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DTM-Erfolge als möglicher Türöffner

Selten war es so schwer wie heute, in der Formel 1 einen Fuß in die Tür zu bekommen. Für die kommende Saison sind nahezu alle Cockpits vergeben, auch Österreichs Motorsporthoffnung Lucas Auer wird daher in der Warteschleife bleiben. Der Tiroler verschwendet derzeit aber ohnehin „keine Gedanken daran, ob ich mal Formel 1 fahre“.

Auer bekräftigte am Rande der Läufe zur deutschen Tourenwagen-Rennserie DTM in Spielberg am kommenden Wochenende erneut, dass ein möglicher Einstieg in die Königsklasse für ihn nicht aktuell ist. Zumindest für die kommende Saison sei die Formel 1 für ihn „kein Thema“ Er konzentriere sich derzeit ausschließlich auf die vier übrigen Rennen im Kampf um den Gesamtsieg in der DTM. Der bisher letzte Österreicher in der Formel 1 war Christian Klien, der 2010 drei Rennen für HRT bestritt.

Lucas Auer im Cockpit eines Force India im Rahmen der Formel 1 Young Driver Tests am Hungaroring in Budapest

APA/Herbert Neubauer

Auf dem Hungaroring durfte Auer einen F1-Boliden erstmals testen

Für Auer ist mit den Testfahrten für Force India Anfang August auf dem Hungaroring „ein Traum in Erfüllung gegangen“, wie er sagte. Seine Konzentration gilt aber bis auf Weiteres der DTM. „Wenn ich hier abliefere, stehen mir die Türen offen“, erläuterte der Tiroler. Auch die Sommertestfahrten hätten sich nur dank seines Erfolgs in der Tourenwagen-Rennserie ergeben: „Da habe ich meinen Hype ausnutzen können.“ Für die Zukunft darf Auer auf einen Platz als fixer Testfahrer bei Force India hoffen.

Entscheidende Personalrochaden

Durch die Personalien Carlos Sainz und Sergio Perez fielen in der Formel 1 Entscheidungen, deren Auswirkungen die Optionen all jener, die noch auf einen Sitz im nächsten Jahr hoffen, massiv beschneiden. Sainz wechselt demnächst von Toro Rosso zum Renault-Werksteam, Perez verlängerte bei Force India. Dadurch gehen Mercedes, Ferrari, Red Bull und Force India mit unveränderten Paarungen ins neue Jahr, während bei McLaren Fernando Alonso vor einer Vertragsverlängerung steht.

Allgemein wird erwartet, dass Toro Rosso Sainz mit dem 21-jährigen Red-Bull-Junior Pierre Gasly ersetzt, dem GP2-Champion 2016. Ob das bereits beim nächsten Rennen in Malaysia passiert oder tatsächlich erst im neuen Jahr, ist offen. Bei Sauber steht Pascal Wehrlein vor dem Abschied. Der Schweizer Rennstall will die Verbindungen mit Ferrari intensivieren und entweder für Antonio Giovinazzi oder Charles Leclerc einen Sitz räumen. Beide sind Teil des Ferrari-Förderprogramms.

Williams-Cockpit begehrt

Bei Haas wären Veränderungen eine Überraschung. Der Däne Kevin Magnussen hat einen fixen Vertrag, bei Romain Grosjean gib es die Option auf Verlängerung. Fast alles deutet somit darauf hin, dass es nur ein Team gibt, bei dem demnächst ein Platz zu besetzen sein könnte: Williams. Der bereits vor einem Jahr zurückgetretene Felipe Massa ist noch unentschlossen, ob er noch eine „Ehrenrunde“ in der Formel 1 dreht. Der Run auf das potenzielle Cockpit hat schon begonnen.

Felipe Massa für Williams beim Grand Prix von Italien im September 2017

Reuters/Max Rossi

Bei Williams könnte für die kommende Saison ein Platz frei werden

Kandidaten sind neben anderen Jolyon Palmer, Wehrlein und Robert Kubica. Spezielle Jobanforderung: Getränkehersteller Martini, der Hauptsponsor von Williams, besteht angeblich auf einem Fahrer über 25 Jahre, da man Lance Stroll nicht für Werbung einsetzen kann. Der 18-jährige Kanadier darf in vielen Ländern noch keinen Alkohol konsumieren.

Comeback von Kubica?

Palmer hat einen gewichtigen Fürsprecher: Vater Jonathan, selbst ehemaliger Formel-1-Fahrer, ist mit seiner Firma MotorSport Vision als Rennstreckenbesitzer und -betreiber in Großbritannien groß im Geschäft. Zu Williams soll Palmer senior besonders enge Verbindungen haben. Jolyon Palmer, der zuletzt mit Platz sechs in Singapur überraschte, ist 26 Jahre alt. Wehrlein feiert im Oktober seinen 22. Geburtstag.

Kubica wäre eine Comeback-Geschichte, die viel Aufsehen generieren würde. Der Pole hatte eine Vereinbarung mit Renault, bei den Franzosen war er in der Formel 1 vor seinem Crash 2011 unter Vertrag. Nach dem Sainz-Transfer muss sich der 32-Jährige, der sich mit Nico Rosberg einen bestens vernetzten Berater geangelt hat, allerdings umorientieren. Laut den jüngsten Meldungen soll Kubica, nachdem er bereits am Williams-Simulator zugange war, demnächst einen echten Test für das Team aus Grove absolvieren.

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