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Randsportart mit Leidenschaft

In Nordamerika ist der Kampf um die Plätze in der 113. Ausgabe der World Series in vollem Gange. Wer auf die Endspielserie der Major League Baseball (MLB) nicht warten will, der kann ab Samstag beim österreichischen Finale zwischen den Athletics aus Attnang-Puchheim und den Vienna Wanderers mitfiebern. Was vielen nicht bewusst ist: Bereits zum 33. Mal wird der rot-weiß-rote Meister ermittelt.

Sowohl Athletics als auch Wanderers waren 1983, als 107 Jahre nach der ersten professionellen Baseball-Liga in den USA auch in Österreich Vereine gegründet wurden, noch nicht einmal eine Idee. Denn wenig überraschend fasste der ureigenste US-Sport in Wien am schnellsten Fuß. Der erste österreichische Meister hieß 1984 auch Vienna Lions. 33 Jahre später ist Baseball auch in den Bundesländern mehr als nur etabliert. Rund 750 aktive Spieler gibt es in der Allgemeinen Herren-Klasse - aufgeteilt auf Baseball League Austria (BLA), Regional- und Landesligen.

Felix Wilhelm (Athletics) und Jose Luis Ruiz Alvarez (Diving Ducks)

GEPA/Mario Kneisl

Auch wenn die Mittel bescheiden sind, wird in den heimischen Ballparks jede Menge Action geboten

Aber auch wenn dank der globalisierten Medienwelt Spiele aus Nordamerika auch hierzulande über die Bildschirme flimmern, ist Baseball im heimischen Sport noch immer ein sprichwörtliches „Stiefkind“. Die im Vergleich zu Teamsportarten wie Fußball komplizierten Regeln, manche noch immer existierenden Ressentiments gegen alles Amerikanische und das ewige Vorurteil „Die stehen ja nur rum“ bremsen den ganz großen Fanansturm auf die Ballparks, die mittlerweile von Feldkirch bis in den Wiener Prater zu finden sind.

Amateure aus Leidenschaft

In Ermangelung potenter Sponsoren backen die heimischen Vereine und Spieler im Vergleich mit Übersee deutlich kleinere Brötchen. Wie in vergleichbaren „fremden“ Sportarten wie American Football und Rugby lässt sich hierzulande mit Baseball kein Leben finanzieren. Die Spieler sind Amateure aus Leidenschaft und halten vielmehr mit ihren Mitgliedsbeiträgen den Spielbetrieb am Leben. Ausnahme sind die meist ausländischen Trainer und Legionäre, die für ihre „Entwicklungshilfe“ in Österreich auch - im kleinen Rahmen - entlohnt werden.

„Ein großer Teil der Kosten sind Fahrt- und Übernachtungskosten. Je nach Team werden diese vom Verein oder von den Spielern übernommen“, so Johannes Godler, Generalsekretär des österreichischen Verbandes. Glück haben die Clubs aus Feldkirch, Dornbirn und Hard: Dort erstattet das Land Vorarlberg die Fahrtkosten. Um den Mannschaften beim Sparen zu helfen, wurde die Liga vor der Saison zudem geografisch in Ost- und West-Divisionen unterteilt. „Manche Teams übernachten daher nur in der Play-off-Zeit, weil alle Distanzen auch ohne Übernachtung machbar sind“, so Godler auf Nachfrage von ORF.at.

Nationals Park in Washington

APA/AP/Icon Sportswire/Mark Goldman

Von modernen Stadien, wie hier in Washington, können Baseball-Spieler und Fans in Österreich und Europa nur träumen

In Sachen Infrastruktur ist man in Österreich ebenfalls auf den „good will“ der Gemeinden angewiesen. Denn Förderungen aus öffentlicher Hand gibt es ansonsten wenige. Die Vereine können Förderungen über Breitensportorganisationen wie ASKÖ, ASVÖ und Sportunion beziehen. Die Austrian Baseball Federation (ABF) steckt ihre öffentlichen Förderungen in die Entwicklung des Nationalteams. Mit einigem Erfolg: 2018 spielt Österreich zu Hause um den Aufstieg in die A-Gruppe der Europameisterschaft.

Liga „ist konkurrenzfähig“

„Es gibt in Österreich viel Potenzial“, sagte auch Eric Grabe im Gespräch mit ORF.at. Der 28-jährige Amerikaner war heuer bei den Grasshoppers Traiskirchen einer jener „Entwicklungshelfer“ aus Übersee. Grabe schnupperte als einer der wenigen in Österreich aktiven Spieler in die Major League Baseball hinein. 2012 wurde er von den Chicago White Sox im Amateur-Draft ausgewählt und durfte zwei Jahre in den Farmteams des dreifachen MLB-Meisters sein Können beweisen. „Es war einfach ein Wahnsinn“, so Grabe, auch wenn sich der Traum von der Profikarriere letztendlich nicht erfüllte.

Eric Grabe, 2012

AP/Four Seam Images/Tony Farlow

Grabe schaffte es immerhin in ein Farmteam der White Sox

Auch wenn man das Spiel der Millionäre in den USA mit jenen der Amateure in Österreich nicht vergleichen kann, war Grabe von der österreichischen Liga positiv überrascht. „Sie ist schon konkurrenzfähig“, so der Amerikaner, der auch die Professionalität der Amateure lobte: „Die Spieler sind sehr ehrgeizig. Es ist hier alles ein wenig jünger, was aber heißt, dass es viel mehr wachsen kann. Wenn sich Baseball in Österreich weiterentwickeln will, dann muss man sich weiter langfristig auf die kleinen Dinge konzentrieren.“

Mit Ballfangen fängt es an

Zu den kleinen Dingen gehört vor allem Fangen und Werfen - das berühmte „Playing catch“, das in den USA praktisch schon von Kinderwagen zu Kinderwagen geübt wird. Nicht umsonst gilt Baseball als Amerikas liebste Freizeitbeschäftigung. „Es klingt einfach, aber wenn man Ballfangen übt, dann fallen auch die anderen Dominosteine in die richtige Richtung. Man muss sich von den guten Spielern abschauen, wie man den Ball richtig fängt und wirft“, erklärte Grabe.

Es von Österreich sogar einmal in die MLB zu schaffen, sei jedoch ein weiter und extrem steiniger Weg, wie der 28-Jährige aus eigener schmerzlicher Erfahrung weiß. Zu dem großen Pool an amerikanischen Spielern kommen vor allem junge Burschen aus der Karibik, wo Baseball einen ungemein höheren Stellenwert hat als in Europa. „Der Konkurrenzkampf wird dadurch noch härter, es ist unglaublich schwer“, so Grabe. Daher sei die richtige Einstellung entscheidend: „Im Baseball ist die mentale Stärke wohl am wichtigsten. Das Spiel respektiert dich, wenn du es respektierst.“

Übrigens: Einmal gab es bereits einen kleinen rot-weiß-roten Punkt in der MLB. Kurt Krieger, 1926 im niederösterreichischen Traisen geboren und als Kind mit seinen Eltern in die USA ausgewandert, stand zwischen 1949 und 1951 in drei Spielen für die St. Louis Cardinals als Pitcher auf dem Mound. In Österreich interessierte das in der Nachkriegszeit aber niemanden. Baseball spielten in jenen Jahren hierzulande nur die amerikanischen Besatzungssoldaten.

Athletics in Favoritenrolle

Das Finale der Baseball League Austria (BLA), das am 14. und 15. Oktober mit zwei Spielen in Attnang-Puchheim eröffnet und so wie das große amerikanische Vorbild im „Best of seven“-Modus gespielt wird, ist das Duell der Meister der vergangenen beiden Jahre. Die Vienna Wanderers holten sich 2015 den Titel und greifen heuer nach ihrer fünften Meisterschaft, im Vorjahr jubelten die Athletics aus Attnang-Puchheim. Für die Oberösterreicher geht es um den vierten Titel der Vereinsgeschichte.

Attnang-Puchheim darf man in der österreichischen Version des „Fall Classic“ (Herbstklassikers) auch die Favoritenrolle zuschieben. Die Athletics erzielten mit 22 Siegen bei nur vier Niederlagen die beste Bilanz im Grunddurchgang und ließen auch im Semifinale den Stock City Cubs aus Stockerau mit einem 3:0 in der Serie keine Chance. Die Wanderers mussten als Dritter der Ost-Division zuerst im Viertelfinale gegen die Dornbirn Indians und dann im Semifinal-Derby gegen den Lokalrivalen Metrostars bestehen. Im Grunddurchgang trafen Athletics und Wanderers zweimal aufeinander - beide Male hieß der Sieger Attnang-Puchheim

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