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Heimisches Damen-Tennis in der Krise

Barbara Haas, Österreichs derzeit beste Tennisspielerin, liegt auf Platz 171 der WTA-Weltrangliste. Neben der Oberösterreicherin scheint nur noch Julia Grabher als 285. in den Top 500 auf, insgesamt sind aktuell überhaupt nur neun ÖTV-Spielerinnen im Ranking vertreten. Die Situation im heimischen Damen-Tennis war wohl noch nie so trist wie derzeit.

Das zeigt sich auch beim aktuell stattfindenden Upper Austria Ladies in Linz. Haas war die einzige österreichische Teilnehmerin und musste sich am Mittwoch bereits in der ersten Runde geschlagen geben. Immerhin lieferte die 21-jährige Oberösterreicherin der knapp hundert Plätze besser klassierten Deutschen Carina Witthöft einen harten Kampf und verlor mit 3:6 6:4 4:6.

Barbara Haas

APA/Barbara Gindl

Haas stemmte sich vergeblich gegen die Niederlage

„Habe vor der Lücke gewarnt“

ÖTV-Fed-Cup-Kapitän Jürgen Waber ist Trainer von Haas und kümmert sich im Leistungszentrum in Linz auch um Grabher. Demnächst wird die 14-jährige Kärntnerin Daniela Glanzer ebenfalls bei ihm mittrainieren. Für die Zukunft malt er dennoch kein rosiges Bild. „Ich bin nur für die Spielerinnen verantwortlich, mit denen ich arbeite. Ich habe schon vor zehn Jahren vor der Lücke, die entsteht, gewarnt.“

Neben Haas und Grabher gebe es nur noch Mira Antonitsch. Die 18-Jährige ist allerdings seit einigen Monaten wegen einer langwierigen Knöchelentzündung rekonvaleszent. „Alle anderen fallen weg. Das wird sich nicht ändern, es wird ja nicht besser. Ich hoffe, dass Barbara und Julia gesund bleiben.“

Paszek nicht mehr im Ranking

Denn auch Tamira Paszek ist praktisch das ganze Jahr ausgefallen und mittlerweile auch im Ranking nicht mehr vertreten. Die ehemalige Nummer 26 der Welt, dreifache Turniersiegerin und zweifache Wimbledon-Viertelfinalistin laboriert an einer Trigeminusneuralgie, einer schmerzhaften Nervenerkrankung im Gesicht. Die bald 27-jährige Vorarlbergerin muss völlig von vorne anfangen und konnte wegen ihrer Erkrankung auch nicht trainieren.

Paszek stand dieses Jahr lediglich zweimal auf ITF-Ebene (beide Matches musste sie aufgeben) auf dem Platz, sonst postete sie auf dem Kurznachrichtendienst Twitter u. a. von Erholungsurlauben auf Mauritius und Mallorca. Aus gutem Grund: Die Ärzte hatte ihr wegen der Trigeminusneuralgie viel Zeit in der Sonne angeordnet, da das dem Heilungsverlauf dienlich sein soll. Bis zum April 2018 hat sie noch ein „geschütztes Ranking“ von 199.

„Nur aus einer Breite entsteht Spitze“

Grundsätzlich, so Waber, hätten alle Österreicherinnen auch früher bei ihrem Aufstieg immer einige Zeit gebraucht. Explosionsartige Entwicklungen wie etwa bei der 20-jährigen Lettin Jelena Ostapenko, die in diesem Jahr sensationell die French Open gewonnen hat, sind auch international eher die Ausnahme. Waber weiß von der geringen Chance, dass eine Spielerin zwischen 18 und 23 den Sprung in die Top 100 schafft. „Das ist halt nicht so leicht.“

Und wenn dann auch noch viel zu wenige Mädchen mit dem Sport beginnen, wird es noch schwieriger. „Nur aus einer Breite entsteht Spitze, und wir haben null Breite“, stellte Waber klar. Und die Breite entstehe eben nicht im Österreichischen Tennisverband (ÖTV), nicht in Linz und nicht durch Barbara Haas, sondern in den Landesverbänden. „Dort muss vom siebenten bis zum 14. Lebensjahr auf Teufel komm raus gearbeitet werden“, so Waber. Immerhin gebe es im U12- und U14-Bereich „Mädchen, die vernünftig Tennis spielen“. Diese müssten nun ordentlich weiterarbeiten. Grundsätzlich sei bei einer Karriere aber eben auch nicht alles planbar. „Es gehört auch das notwendige Glück dazu.“

Noch viel Arbeit für Haas

Sein Hauptaugenmerk liegt auf Haas, auch da steht noch viel Arbeit bevor. „Barbara trifft die Bälle etwas zu weit vorne. Sie muss sie etwas mehr im Aufsteigen nehmen.“ Zudem steht der Weg zu noch mehr Aggressivität auf dem Programm. „Sie muss ihre Einstellung ändern und wie sie unter Stress ihre Entscheidungen trifft“, sagte der 46-jährige Oberösterreicher.

Jürgen Waber und Barbara Haas

GEPA/Walter Luger

Waber weiß, worauf es bei Haas ankommt

Gearbeitet wird an der Power, der Schnellkraft und der Spritzigkeit. Zudem ist es das Ziel, dass Haas rund drei Kilogramm an Muskelmasse zulegt. „Sie ist sicher die fitteste Spielerin in Österreich, aber das ist ja keine Kunst. Von den Topspielerinnen ist sie noch weit entfernt.“

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