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Ein „Up and Down“ auf dem Weg zurück

Trotz der Verletzung und des verspäteten Saisonbeginns könnte Marcel Hirscher im kommenden Winter wieder und zum siebenten Mal hintereinander die große Kristallkugel erobern. Darauf hofft zumindest Atomic-Österreich-Chef Wolfgang Mayrhofer. „Ich sehe das sogar als Vorteil. Marcel geht unbelastet und ohne Druck in die Saison“, so Mayrhofer, der mit US-Star Mikaela Shiffrin und Hirscher zuletzt sogar über beide Gesamtweltcups jubeln durfte.

Während Shiffrin in Sölden (28. Oktober) erneut als große Favoritin in die Olympiasaison startet, steht hinter Hirscher freilich ein großes Fragezeichen. Der 28-Jährige, der sich im August eine Fraktur des linken Außenknöchels zugezogen hatte, wird frühestens beim Slalom in Levi (FIN) am 12. November in den Weltcup zurückkehren. Vergangene Woche war Hirscher erstmals nach der Verletzung wieder auf Ski gestanden und zunächst zufrieden, ehe die Schmerzen wieder größer wurden.

Marcel Hirscher umringt von Journalisten

APA/Barbara Gindl

Hirscher bei einem Atomic-Pressetermin Rede und Antwort

Wie sehr sich die Verletzung wenige Wochen vor Saisonbeginn auf seine Gesamtweltcup-Chancen auswirken, ist die Preisfrage. „Im Sport ist alles möglich. Marcel kann unbelastet in den Weltcup starten. Ob er ein Rennen früher oder später loslegt, spielt keine so große Rolle“, glaubt zumindest Mayrhofer. Dass Hirscher bei seinem Comeback noch nicht im Vollbesitz seiner Kräfte sein wird, sich erst langsam an seine alte Form herantasten wird müssen, steht außer Zweifel.

Gesamtweltcup „unrealistisch“

Den Optimismus von Atomic beim Thema Gesamtweltcup teilt Hirscher, der in Pyeongchang im Februar 2018 seine erste Olympische Goldmedaille in Angriff nimmt, nicht. Auf jeden Fall erkennt er in der Verletzung keinen Vorteil. Die große Kristallkugel sei nicht unmöglich, „aber unrealistisch“, sagte Hirscher, zumal die Schmerzen im davor gebrochenen Knöchel nach ersten Skitraining wieder akut geworden waren.

„Das Wetter, der Pulver. Es war alles traumhaft. Bis zu dem Moment, an dem du glaubst, du kannst so wie früher“, so Hirscher über seine ersten Gehversuche auf Schnee, aus denen er letztlich gemischte Gefühle mitgenommen habe. „Okay, ich kann wieder Ski fahren. Aber ich bin noch weit entfernt von dort, wo das wirklich anfängt. Für einen Touristen ist es super, aber für mich natürlich nicht“, gestand der Doppelweltmeister von St. Moritz (Slalom, Riesentorlauf).

Testrückstand als Nachteil

Er müsse jetzt rasch so viele Schneetage wie möglich sammeln, betonte der Salzburger. Es gelte ja auch, die neuen und kürzeren Riesentorlauf-Ski ausführlich zu testen. Dabei helfen auch Testfahrer mit ähnlicher Statur mit. Der Radius der Ski geht von 35 auf 30 Meter zurück, was Entlastung für den Rücken bringen soll, aber dafür auch wieder mehr Bänderverletzungen bedeuten könnte. Hirscher hat das neue Material bisher kaum getestet. „Das ist echt ein Nachteil, gar keine Frage.“

Wann er wieder bei Rennen starten wird, könne er seriös immer noch nicht beantworten. „Wenn es nach mir geht, am liebsten morgen“, sagte Hirscher. „Ich kann Laufen, Joggen, Springen, also alles. Nur ans Skifahren muss ich meinen Fuß erst heranführen. Gestern hätte ich noch gesagt bald, jetzt schaut es wegen der Schmerzen aber wieder so aus, als ob es länger dauern wird. Skifahren ist ja doch nicht die schonendste Sportart. Es wird also ein spannendes Up and Down.“

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