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„Ich bin sehr erleichtert“

Dominic Thiem kann doch noch gewinnen. Der als Nummer zwei gesetzte Niederösterreicher feierte am Dienstag zum Auftakt der Erste Bank Open 500 vor 7.800 Fans in der ausverkauften Wiener Stadthalle einen 6:4 6:3-Sieg gegen den Russen Andrej Rublew. Thiem zeigte phasenweise großes Tennis, von seiner Höchstform ist der Publikumsliebling aber noch ein gutes Stück entfernt.

„Es war keine ideale Leistung, es waren einige Patzer dabei. Aber ich habe seit einiger Zeit kein Match mehr gewonnen, das Selbstvertrauen war nicht gerade groß. Es war ein gefährlicher Erstrundengegner. Ich bin sehr erleichtert, dass ich die Partie gewonnen habe und die Chance bekommen habe, mich in der nächsten Runde zu steigern“, resümierte Thiem.

Die Vorzeichen für Thiem waren nicht unbedingt optimal, hatte er doch zuletzt in Asien drei Auftaktniederlagen in Serie kassiert und seit Anfang September gegen Adrian Mannarino keinen Sieg auf der Tour gefeiert. Rublew hatte hingegen ein US-Open-Viertelfinale nach Erfolgen über Grigor Dimitrow und David Goffin sowie ein Viertelfinale in Peking zu Buche stehen.

Dominic Thiem

APA/Hans Punz

Thiem tankte mit dem Sieg gegen Rublew wieder Selbstvertrauen

Break und Rebreak

Entsprechend verunsichert begann der Lokalmatador das Match, nach zwei Eigenfehlern stand es 0:30. Doch allmählich fand Thiem zu seinem Rhythmus, die weiteren Punkte dieses Games gingen an den Weltranglistensechsten. Auch Rublew hatte Startschwierigkeiten; einen Breakball konnte er abwehren, die zweite Chance verwandelte Thiem mit einem Passierball.

Die Freude währte aber nur kurz, im nächsten Game unterlief Thiem bei 0:40 ein Doppelfehler. Besser machte es Rublew, der unter anderem mit zwei Assen auf 2:2 stellte. Im fünften Game wurde es wieder ungemütlich für Thiem, der 15:30 in Rückstand geriet und wenig später einen Breakball abzuwehren hatte. Das gelang ihm noch mit einem Servicewinner, doch beim zweiten Breakball hatte Rublew das bessere Ende für sich.

Thiem nimmt Fahrt auf

Positiv aus Thiems Sicht war die Tatsache, dass auch Rublew bei Weitem noch nicht seine Normalform erreicht hatte. Das führte dazu, dass der Russe erneut seinen Aufschlag abgab – das 3:3 war perfekt. Nun schien Thiem seine Nervosität abgelegt zu haben, der 24-Jährige gewann drei Punkte en suite mit einem Passierball, einem Dropshot und einem Ass, was die 4:3-Führung bedeutete.

Andrey Rublev

APA/Hans Punz

Rublew zeigte wie erwartet einige knallharte Schläge von der Grundlinie

Der Trend setzte sich fort: Während Thiem immer mehr an Sicherheit gewann, schwächelte sein Gegner nach wie vor. Zwar glückte Rublew das 4:4, aber Thiem gab mit einem Love-Game eine deutliche Antwort. Jetzt verlor Rublew endgültig den Faden: Der seit Freitag 20-Jährige bescherte mit drei unerzwungenen Fehlern Thiem ebenso viele Satzbälle, doch schon der erste – ein Smash von Rublew weit ins Out – reichte nach 38 Minuten zum 6:4.

Klare Sache für den „Hausherrn“

Ein glattes Servicegame für Thiem stand zu Beginn des zweiten Durchgangs. Rublew hatte den Satzverlust offenbar schnell weggesteckt und glich ohne Mühe zum 1:1 aus. Nach einem lockeren 2:1 für Thiem folgte ein fehlerbehaftetes viertes Game, das symptomatisch auch mit einem bösen Volley-Schnitzer von Rublew endete. Damit führte Thiem 3:1, der Aufstieg in die zweite Runde rückte in Griffweite.

Thiem drückte nun aufs Tempo und spielte ohne Probleme eine komfortable 4:1-Führung heraus. Nachdem die nächsten zwei Games jeweils relativ klar an den Aufschläger gegangen waren, geriet Rublew bei 2:5 mächtig unter Druck, den ersten Matchball konnte er aber per Servicewinner entschärfen. Letztlich verkürzte die Nummer 35 der ATP-Liste noch auf 3:5.

Der dritte Matchball sitzt

Bei eigenem Service sollte aus Sicht von Thiem nun nichts mehr schiefgehen. Zwar begann es mit 0:15, aber zwei wuchtige Aufschläge besorgten dem Lichtenwörther das 30:15. Fast hieß es dann Matchball Thiem, doch ein Volley-Sitzer landete im Aus. Wenig später gab es dann doch den zweiten Matchball – Rublew riskierte beim Return alles und schaffte den Einstand. Dann wehrte Thiem sogar einen Breakball ab, und nach 1:20 Stunden gab es Matchball Nummer drei, den Thiem dank eines Fehlers von Rublew nützte.

Damit hat Thiem erstmals seit 2013 in Wien gegen einen Nicht-Österreicher gewonnen – damals war er im Viertelfinale an Jo-Wilfried Tsonga gescheitert. Im Achtelfinale geht es für den ÖTV-Davis-Cupper am Donnerstag gegen Richard Gasquet, das bisher einzige Duell mit dem Franzosen verlor Thiem vor zwei Jahren in Basel in zwei Sätzen.

Gasquet „ganz anderer Spieler als Rublew“

Vor dem ehemaligen Top-Ten-Spieler, der aktuell 32. in der ATP-Rangliste ist, zeigt der Niederösterreicher Respekt: „Das ist ein ganz anderer Spieler als Rublew. Er wird nicht so viele leichte Fehler machen, aber auch nicht ganz so viel Druck. Er ist einer der besten Spieler mit einhändiger Rückhand. Ich werde daher mehr über die Vorhand spielen.“

Thiem geht mit Zuversicht in sein nächstes Match: „Die erste Runde ist immer schwierig, aber im Normalfall steigere ich mich im Turnierverlauf. Das gelingt mir meistens ganz gut. Ich hoffe, dass das hier in Wien wieder der Fall sein wird.“ Das Wiener Publikum bekam vom ÖTV-Ass Sonderlob: „Es war eine super Stimmung in der Halle, das hat mir gegen Rublew sehr geholfen.“

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