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Teamchef entschuldigt sich

Seit Montagabend ist es amtlich: Die Fußball-WM 2018 in Russland geht ohne Italien über die Bühne. Der vierfache Weltmeister verpasste nach der 0:1-Niederlage gegen Schweden im Hinspiel mit dem 0:0 in Mailand erstmals seit 60 Jahren die Qualifikation für eine Endrunde. Der Schock sitzt bei den Italienern tief. „Das ist die Apokalypse“, titelte etwa die „Gazzetta dello Sport“.

Die Italiener hatten erst einmal, 1958, als das Turnier ausgerechnet in Schweden stattfand, eine WM auf sportlichem Wege verpasst. Die erste Endrunde 1930 in Uruguay hatten die „Azzurri“ so wie viele Europäer freiwillig ausgelassen. Zum bisher letzten Mal hatten sich die Italiener 1984 und 1992 - jeweils für eine Europameisterschaft - nicht für ein großes Turnier qualifiziert. Diesmal konnte Italien trotz drückender Überlegenheit das Ergebnis aus dem Hinspiel nicht umdrehen. Nach dem Schlusspfiff regierte im Mailänder Meazza-Stadion Fassungslosigkeit und tiefe Enttäuschung.

Buffon hört unter Tränen auf

Nicht nur bei Torhüterlegende Gianluigi Buffon flossen nach dem Spiel die Tränen. Für den 39-Jährigen, der die „Azzurri“ 2006 zum bisher letzten von vier Titeln geführt hatte, war das Spiel gegen Schweden das letzte im Nationalteam. „Es tut mir leid, dass die letzte offizielle Partie mit einer Nichtqualifikation für die Weltmeisterschaft zusammengefallen ist“, sagte Buffon. Für ganz Italien sei das Fehlen bei der WM eine „Katastrophe“.

Gian Piero Ventura und Gianluigi Buffon

APA/AP/ANSA/Daniel Dal Zennaro

Buffon musste nicht nur von Teamchef Ventura getröstet werden

Für Buffons langjährigen Teamkollegen Daniele de Rossi und Andrea Barzagli war es ebenfalls die letzte Partie im blauen Trikot. „Ich glaube, das ist die größte Enttäuschung meines Lebens“, sagte Barzagli. „Es ist ein schwarzer Moment für unseren Fußball und ein tiefschwarzer für uns Spieler“, sagte De Rossi. Nach dem Spiel habe eine Atmosphäre wie bei einem Begräbnis geherrscht: „Dabei ist niemand gestorben.“

Ventura vor dem Aus

Auch Teamchef Gian Piero Ventura stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. „Ich fühle mich danach, mich bei den Italienern zu entschuldigen - für das Ergebnis, nicht für unsere Anstrengungen“, sagte der 69-Jährige. Persönliche Konsequenzen wollte Ventura unmittelbar nach dem Spiel nicht ziehen. „Ich trete nicht zurück, weil ich noch nicht mit dem Präsidenten gesprochen habe. Es gibt zahlreiche Überlegungen“, sagte der Teamchef.

Stephan El Shaarawy (ITA)

APA/AP/Luca Bruno

Die Italiener mussten zusehen, wie Schweden die erfolgreiche Quali feierte

Das Aus gegen Schweden wurde auch außerhalb Italiens mit Bestürzung aufgenommen. Die spanische Zeitung „AS“ nannte die verpasste WM ein „Drama“, die befürchtete Apokalypse sei bereits Wirklichkeit. Der bereits im Vorfeld der Partie kritisierte Chef des Fußballverbands, Carlo Tavecchio, wollte sich 48 Stunden Zeit nehmen, um Konsequenzen aus der verpassten Qualifikation zu verkünden. Dass es Ventura sein wird, der die Mannschaft bis zur EM 2020 wieder aufbaut, gilt als unwahrscheinlich.

Der italienische Verband kündigte für Mittwoch eine Entscheidung an. „Wir sind zutiefst betrübt und enttäuscht wegen der verpassten Weltmeisterschaftsqualifikation, das ist ein sportlicher Misserfolg, der eine gemeinsame Lösung braucht“, sagte Tavecchio der Nachrichtenagentur ANSA am Dienstag, „und deshalb habe ich für morgen eine Versammlung des Verbands einberufen, um eine gründliche Analyse vorzunehmen und die Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.“

Weltkarte mit den fixen Teilnehmern der WM 2018

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Suche nach Alternativprogramm

Italien war davor bei 18 der 20 Weltmeisterschaften mit von der Partie gewesen. 2006 holten die „Azzurri“ bei der Endrunde in Deutschland zum vierten Mal nach 1934, 1938 und 1982 den Titel. Bei den Endrunden 2010 und 2014 war hingegen bereits nach der Vorrunde Schluss. Besser lief es bei den jüngsten EM-Turnieren: 2012 in Polen und der Ukraine stand Italien im Finale, im Vorjahr schaffte man es bis ins Viertelfinale. In der WM-Qualifikation für Russland reichte es in der Gruppenphase hinter Spanien nur zum zweiten Platz. Gegen die Spanier setzte es im September ein 0:3.

Die italienischen Fans müssen sich nun für den kommenden Sommer ein Alternativprogramm überlegen. Die „Gazzetta dello Sport“, die ihren Bericht über das Aus der Nationalmannschaft mit „Ende“ in riesigen Lettern auf ihrer Frontseite betitelte, empfahl den Fans, sich schon jetzt ein Alternativprogramm wie Konzerte, Dorffeste und Kino zu suchen - „irgendetwas“, um nicht die Spiele Schwedens in Russland sehen zu müssen, denn das würde zu sehr schmerzen.

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