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Via Graz und Brühl ins Schlaraffenland

In der wohl stärksten Volleyball-Liga der Welt sorgt ein Österreicher für Schlagzeilen. Paul Buchegger hat sich in seiner ersten Saison beim italienischen Serie-A-Club Porto Ravenna Volley zum Shootingstar entwickelt. Der 21-jährige Oberösterreicher erfüllt sich im Land des dreifachen Volleyball-Weltmeisters einen sportlichen Traum. Im Gespräch mit ORF.at erzählte er über seine bisher so rasant verlaufene Karriere.

„Bis 14 habe ich auch Handball gespielt. Erst dann ist die Entscheidung für Volleyball und für den Wechsel in die Grazer Volleyball-Akademie gefallen“, berichtete Buchegger über die Initialzündung. „Und bis jetzt habe ich diese Entscheidung nicht bereut“, fügte das aus Pichling bei Linz stammende Ausnahmetalent lachend hinzu. Aus der Steiermark ging es schnell zum TV Brühl in die deutsche Bundesliga und von dort weiter nach Italien - zunächst zum Zweitliga-Club Ortona und schließlich im Sommer zu Ravenna.

Paul Buchegger

Porto Ravenna Volley

Buchegger (Nummer 18) hat sich in der Mannschaft von Ravenna Volley in kurzer Zeit als Stammspieler etabliert

„Volleyball hat in Italien einen extrem hohen Stellenwert. Der Sport insgesamt und der Cub Ravenna haben sehr viel Tradition. Zu unseren Heimspielen kommen zwischen 1.500 und 2.500 Zuschauer“, berichtete der 2,07 Meter große Angreifer. Mit der Nummer 18 spielte er sich in den ersten elf Runden seiner Debütsaison gleich in die Herzen der Ravenna-Fans. Sensationelle 195 Punkte verbuchte Buchegger bis jetzt, damit belegt er in der Scorerwertung der gesamten Liga den dritten Platz.

Ehrgeizige Ziele nach perfektem Start

Ravenna befindet sich auf Platz vier liegend sicher auf Kurs in Richtung Play-offs der Top Acht, auch wenn das Auswärtsspiel gegen den Titelanwärter Modena am Sonntag klar mit 0:3 verloren ging. Auf europäischer Ebene hat man im CEV Challenge Cup im Sechzehntelfinale gegen den dänischen Club Gentofte Volley das Auswärtsmatch gewonnen und geht als Favorit ins Rückspiel am 21. Dezember. „Das Halbfinale wäre ein großer Erfolg“, sagte Buchegger und formulierte damit ein hohes Saisonziel der aufgrund einiger Verletzungen momentan ersatzgeschwächten Mannschaft von Trainer Fabio Soli.

„Wenn alle wieder fit sind, sind wir auf jeder Position sehr stark besetzt“, sagte der Angriffshüne (103 kg) zum beinharten Konkurrenzkampf um ein Stammleiberl im Team. Als Buchegger im Sommer von Ortona kam, lautete die Ansage der Ravenna-Verantwortlichen, dem Österreicher Spielanteile von etwa 50 Prozent verschaffen zu wollen. Doch mittlerweile ist Buchegger aus der Stammformation nicht mehr wegzudenken und ist das Spiel auf den ÖVV-Legionär als Hauptangreifer praktisch zugeschnitten.

Paul Buchegger

GEPA/Florian Ertl

Ob im österreichischen Nationalteam oder in der Serie A: Gegen Buchegger ist der Block oft auf verlorenem Posten

Apartment am Meer und „Gazzetta“-Interview

„Es zählt nur die Leistung auf dem Platz“, so Buchegger zu seiner starken Entwicklung in Italien. „Auf meiner Position wurde kein Star verpflichtet, und ich habe diese Chancen genutzt. Schon die Vorbereitung im Sommer war sehr gut. Jetzt will ich mich weiter stabilisieren und, wenn möglich, die ganze Saison auf diesem Level spielen“, erklärte der Youngster die nächsten persönlichen Ziele. Der vor drei Jahren gemeinsam mit seinem italienischen Manager ausgearbeitete Karriereplan sei bisher jedenfalls voll aufgegangen.

„Ravenna ist eine super Stadt, wir Spieler wohnen zehn Minuten außerhalb vom Zentrum in Apartments am Meer“, erzählte Buchegger, von seiner neue Heimat überaus angetan. Auch das eine oder andere Zeitungsinterview - unter anderem mit der „Gazzetta dello Sport“ - brachte der „Austriaco“ in den Reihen von Ravenna Volley schon gekonnt über die Bühne. Dass er als junger Neuzugang aber bei Weitem nicht im Fokus der Medien steht, ist Buchegger nur recht. Viel lieber redet er über Ziele mit dem Nationalteam.

EM 2019 mit Nationalteam im Visier

Unter ÖVV-Teamchef Michael Warm machte die junge österreichische Mannschaft in den letzten drei Jahren eine sehr positive Entwicklung durch. Buchegger ist einer von mehreren jungen Hoffnungsträgern. „Jetzt wollen wir uns für die EM 2019 qualifizieren“, sagte der Oberösterreicher. Die Qualifikation dafür beginnt im August. „Ich traue uns das zu“, betonte Buchegger. Bis dahin hat er mit Ravenna noch ausreichend zu tun.

Auf die Frage, wie er Weihnachten verbringt, antwortete Buchegger schmunzelnd: „Trainieren und spielen.“ Im Stile der englischen Fußball-Premier-League spielt die Volleyball-Serie-A durch. „Perugia auswärts am 26., Piacenza zu Hause am 31.“, schilderte er das Feiertagsprogramm. Gegen Perugia kommt es zum Österreicher-Duell. Alexander Berger hatte als erster Oberösterreicher den Sprung ins Volleyball-Schlaraffenland Italien geschafft.

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