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Alles begann mit einem Dokumentarfilm

Seit zwei Jahren ist Russland mit Anschuldigungen, Enthüllungen und Vorwürfen konfrontiert, die sportlichen Erfolge auf systematischem Doping, Manipulation und Betrug aufgebaut zu haben. Hier eine Chronologie der Ereignisse:

3. Dezember 2014: Alles beginnt mit dem Dokumentarfilm „Geheimsache Doping - Wie Russland seine Sieger macht“. Das Image des russischen Sports wird durch Enthüllungen der ARD über systematisches Doping, Vertuschung von Kontrollen und Korruption auf schockierende Weise beschädigt.

Die Dokumentation präsentiert geheime Aufzeichnungen in Bild, Ton und Schrift mit Hinweisen auf ein staatlich unterstütztes Doping sowie auf einen offenbar im Hintergrund wirkenden Betrugs- und Vertuschungsapparat.

4. Dezember: Nach den jüngsten Anschuldigungen über Betrug, Doping und Korruption im russischen Spitzensport kündigt Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), ein konsequentes Durchgreifen an.

11. Dezember: Papa Massata Diack, Sohn des Präsidenten des Leichtathletikweltverbandes (IAAF) Lamine Diack, lässt seine Tätigkeit als Marketingberater ruhen. Valentin Balachnitschew zieht sich von seinem Amt als IAAF-Schatzmeister zurück.

12. Dezember: Der Franzose Gabriel Dolle, Direktor der Anti-Doping-Abteilung des IAAF, legt sein Amt nieder.

16. Dezember: Der frühere Chef der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA), Richard W. Pound, leitet die dreiköpfige Kommission zur Aufklärung der Dopingvorwürfe gegen den russischen Spitzensport. Dem Gremium gehören zudem Sportrechtsexperte Richard McLaren und der deutsche Kriminalbeamte Günter Younger an.

25. Dezember: Die russischen Behörden überlassen den Ermittlern 3.000 Proben zur Laboranalyse.

20. Jänner 2015: Die russische Anti-Doping-Agentur (RUSADA) belegt fünf Geher wegen der Einnahme unerlaubter Substanzen mit drastischen Strafen. Drei der Leichtathleten sind Olympiasieger.

23. Jänner: Russlands Leichtathletiknationaltrainer Valentin Maslakow erklärt seinen Rücktritt.

30. Jänner: Der russische Leichtathletikstar Julija Saripowa wird von der RUSADA gesperrt.

4. Februar: Das IOC will den Dopingfall der Hindernisläuferin Saripowa gründlich prüfen und dann über eine mögliche Aberkennung ihrer olympischen Goldmedaille befinden.

16. Februar: Im Hinblick auf die Serie von Dopingfällen im russischen Spitzensport räumt IAAF-Chef Diack eine „ernsthafte Krise“ ein.

17. Februar: Wegen des Dopingskandals tritt der Chef des russischen Leichtathletikverbandes, Balachnitschew, zurück. Neuer Präsident wird Wadim Selischenko.

24. März: Drei Monate nach den gravierenden Dopingenthüllungen in der russischen Leichtathletik verkündet der neue Cheftrainer Juri Borsakowski vollmundig den Beginn einer neuen dopingfreien Ära.

21. April: Das russische Leichtathletikteam muss trotz der jüngsten Dopingskandale keinen Ausschluss von Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen befürchten. Entsprechende Forderungen seien „ein Witz“, sagt Weltverbandspräsident Diack.

2. Juni: Kreml-Chef Wladimir Putin fordert von den Sportverbänden eine verstärkte Aufklärungsarbeit.

6. August: Die Dopingsperre gegen die ehemalige Weltklassemarathonläuferin Lilija Schobuchowa wird um 14 Monate verlängert. Die Russin darf bis März 2016 nicht starten.

16. Juli: Aufgrund von Dopingermittlungen zieht der russische Leichtathletikverband vorläufig sein komplettes Geher-Team von internationalen Wettkämpfen zurück. Die WM findet Ende August in Peking ohne die mit Abstand erfolgreichste Geher-Nation statt.

2. August: ARD und „Sunday Times“ haben eine Liste mit 12.000 Bluttests von rund 5.000 Läufern ausgewertet. Darunter sollen 800 Sportler mit dopingverdächtigen Werten sein, die von 2001 bis 2012 bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften gestartet sind.

19. August: Der Brite Sebastian Coe wird zum neuen IAAF-Präsidenten gewählt. Er löst Diack ab, der fast 16 Jahre lang amtierte.

4. November: Diack wird Bestechlichkeit und Geldwäsche vorgeworfen. Die französische Justiz erhebt Anklage gegen den 82-Jährigen aus Senegal.

5. November: Fünf russische Leichtathleten werden wegen Verstößen gegen Anti-Doping-Regeln gesperrt.

6. November: Diack soll in seiner Amtszeit mehr als eine Million Euro für die Vertuschung positiver Dopingproben kassiert haben. Das erklärt die französische Staatsanwältin Eliane Houlette.

9. November: Die WADA-Ermittlungskommission veröffentlicht ihren Bericht über womöglich flächendeckendes Doping in Russland und damit in Verbindung stehende Korruption.

10. November: Die WADA entzieht dem Dopingkontrolllabor in Moskau vorläufig die Akkreditierung. Das IOC suspendiert sein Ehrenmitglied Lamine Diack.

13. November: Die IAAF suspendiert den Gesamtrussischen Leichtathletikverband (ARAF) angesichts der gravierenden Dopingvorwürfe.

18. November: Die WADA suspendiert die RUSADA, weil sie die Regeln nicht eingehalten hat.

7. Jänner 2016: Die Ethikkommission der IAAF sperrt im Zuge des Dopingskandals den Sohn von Ex-Präsident Diack, Papa Massata, den ehemaligen IAAF-Schatzmeister Walentin Balachnitschjow und Russlands Ex-Cheftrainer Alexej Melnikow lebenslang. Der frühere Anti-Doping-Chef Gabriel Dolle wird für fünf Jahre gesperrt.

14. Jänner: Bei der Präsentation des zweiten Berichts wirft die unabhängige WADA-Kommission der IAAF „ein komplettes Versagen im Kampf gegen Doping und Korruption“ vor. Hauptverantwortlicher für die „Organisation und Ermöglichung der Verschwörung“ sei der frühere IAAF-Präsident Diack.

6. März: Das angeblich große Saubermachen in der russischen Leichtathletik wird durch neue Vorwürfe gegen die Sportweltmacht erschüttert. Eine neue TV-Dokumentation präsentiert im WDR Belege für Verstöße von Russlands Leichtathletik gegen Auflagen von Weltverband und WADA.

7. März: Die russische Weltklassetennisspielerin Maria Scharapowa ist bei den Australian Open im Jänner positiv auf Meldonium getestet worden. Das gibt sie selbst bekannt. Bis Mitte April verzeichnet die WADA mehr als 170 Positivtests auf Meldonium, das erst seit Jahresanfang auf der Liste der verbotenen Mittel steht. Da unklar ist, wie lange Meldonium nachweisbar ist, lockert die WADA ihre Richtlinien.

12. Mai: Der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors, Gregori Rodschenkow, behauptet in der „New York Times“, dass er in Sotschi positive Dopingproben russischer Athleten zusammen mit der RUSADA sowie dem Geheimdienst auf Anordnung des Staates vertuscht habe. 15 der russischen Medaillengewinner in Sotschi seien gedopt gewesen. US-Justiz, das IOC und die WADA nehmen Ermittlungen auf.

17. Mai: Bei Nachkontrollen zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking werden 31 Sportler positiv getestet. Darunter sollen 14 russische Sportler sein, offenbar auch zehn Medaillengewinner. Eine davon ist Hochsprung-Olympiasiegerin Anna Tschitscherowa. Gleichzeitig setzt die WADA eine Untersuchungskommission wegen der Sotschi-Vorwürfe ein.

27. Mai: Bei Nachkontrollen zu den Olympischen Spielen 2012 in London sind 23 Sportler positiv getestet worden. Hinzu kommt eine weitere positive Probe von den Sommerspielen 2008 in Peking. Acht russische Sportler sind betroffen.

8. Juni: Scharapowa wird für zwei Jahre wegen ihres positiven Tests auf Meldonium gesperrt.

15. Juni: Die WADA erhebt erneut schwere Vorwürfe. So sollen zwischen dem 15. Februar und 29. Mai insgesamt 736 geplante Dopingkontrollen nicht durchgeführt worden sein. Kontrolleure seien in Russland von Athleten massiv behindert und von Beamten des russischen Geheimdienstes FSB eingeschüchtert worden.

17. Juni: Einstimmig bestätigt das Council der IAAF die Sperre für die russischen Leichtathleten. Damit dürfen sie bei den Olympischen Spielen in Rio nicht starten. Es gibt jedoch einen Kompromiss. Einzelne Athleten können unter neutraler Flagge teilnehmen, sofern sie nicht im russischen Dopingsystem involviert sind. So erhält Weitspringerin Darja Klischina eine Ausnahmegenehmigung von der IAAF.

3. Juli: Russland legt Einspruch gegen den Olympiaausschluss seiner Leichtathleten vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ein.

11. Juli: Der CAS verschiebt ein Urteil im Fall Scharapowa auf September. Damit ist sie bei Olympia nicht dabei.

18. Juli: Die WADA legt ihren Ermittlungsbericht zu den Dopinganschuldigungen rund um die Winterspiele in Sotschi gravierende Belege für staatlich gesteuertes Doping in Russland vor. Im Moskauer Dopinglabor seien über Jahre hinweg positive Proben verschwunden, das russische Sportministerium habe die Manipulationen überwacht, heißt es in dem in Toronto vorgestellten Report. Eine Empfehlung für Sanktionen wie einen Olympiaausschluss gibt er aber nicht.

21. Juli: Der CAS weist den Einspruch gegen den Ausschluss russischer Leichtathleten in Rio zurück. Damit bleiben die 68 russischen Athleten gesperrt.

24. Juli: Das IOC-Exekutivkomitee entscheidet, dass Russlands Delegation an den Sommerspielen in Rio teilnehmen darf. Die russischen Leichtathleten sind von der Entscheidung aber nicht betroffen. Für die restlichen Athleten gelten jedoch spezielle Auflagen.

9. Dezember: WADA-Ermittler Richard McLaren veröffentlicht seinen zweiten Russland-Report in London. Demnach waren mehr als 1.000 russische Sportler zwischen 2011 und 2015 Teil einer großangelegten staatlichen Dopingpolitik. Es habe sich um eine „institutionelle Verschwörung“ über mehrere Jahre und sportliche Großereignisse hinweg gehandelt. Es seien auch Beweise gefunden worden, dass Dopingproben von insgesamt zwölf Medaillengewinnern der Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014 manipuliert worden seien.

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