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Kulm-Besuch als Abschluss der Aufarbeitung

An den Ort seines Horrorsturzes kehrt Lukas Müller freiwillig zurück. Zwei Jahre nach dem fatalen Unfall, der den Skispringer aus Villach beinahe das Leben gekostet hat, will der 25-Jährige in Bad Mitterndorf emotional einen großen Schritt zur Normalität machen. „Dass ich an den Ort des Geschehen zurückkomme, das gehört zur Aufarbeitung mit dazu“, sagte Müller.

Im dichten Schneetreiben war der Kärntner am 13. Jänner 2016 als Vorspringer mit über 100 km/h auf den Vorbau der Schanze gekracht. Der ehemalige Junioren-Weltmeister brach sich den sechsten und siebenten Halswirbel. Nach einer Notoperation war klar: Müller würde nie wieder springen können. Von seiner Lebensfreude hat er sich danach aber nichts nehmen lassen, auch wenn er seit dem Sturz „zu 99 Prozent“ ein Leben im Rollstuhl führt.

Lukas Müller

GEPA/Florian Ertl

Lukas Müller lässt sich von seinem Schicksalsschlag nicht unterkriegen

„Ohne Krücken geht gar nichts, dann mache ich einen Schritt und falle um“, schilderte er. Durch Training und Physiotherapie macht Müller Fortschritte. Menschen mit einer inkompletten Lähmung erleiden aber auch immer wieder Rückschläge. Als großes Geschenk sieht Müller, dass ihn seine Ex-Kollegen nach dem schweren Sturz so behandelten wie davor. Auch wenn er nicht mehr richtig gehen und nicht mehr springen kann, ist ihm eines wichtig zu betonen: „Ich bin auf mein Genick gefallen, aber nicht auf meinen Kopf.“

Kulm-Besuch fehlt noch in der Aufarbeitung

Wie es ihm auf der Flugschanze auf dem Kulm gehen wird, will er nicht voraussagen. Dass er die Rückkehr überhaupt wagt, macht ihn stolz. „Es ist in einer Kette von Sachen eigentlich das Letzte, was mir bei der Aufarbeitung fehlt“, betonte Müller, der seinem Schicksal mit Ehrgeiz, Fleiß und teilweise mit Galgenhumor begegnet. Aufgegeben hat er nie, auch wenn sich das Springen, seine große Leidenschaft, für immer erledigt hat. „Die meisten Ziele sind körperlicher Natur“, sagte Müller, der sich psychisch stabil fühlt.

Ausnahmen gibt es nur selten. „Ich bin kein Roboter, ich habe auch meine schlechten Phasen. Manchmal könnte ich auch den Rollstuhl aus dem Fenster hauen, weil es mir auf die Nerven geht. Aber ich wüsste, dass ich dann aus dem Fenster klettern und den Rollstuhl wieder holen müsste“, erzählte Müller.

„Er war schon immer ein großer Kämpfer“

Die Rückkehr zum Kulm dürfte für ihn eine packende werden. Müller will die Wettkämpfe am Samstag und Sonntag als Zuschauer beobachten, er will aber auch von oben auf die Schanze blicken. „Ob ich daran zu knabbern habe? Ob ich es gefasst aufnehme?“, fragte sich der Kärntner im Vorfeld. „Ich weiß, dass ich das machen muss. Wenn ich das Wochenende hinter mich gebracht habe, gibt es kaum mehr etwas, was mich wirklich erschüttern kann.“

Die Weihnachtszeit verbrachte Müller bei seinem Bruder in Australien. Fünf Wochen blieb er dort und bereitete sich auf den emotionalen Moment vor, der ihn auf dem Kulm jetzt erwartet und den er vom Zeitpunkt her bewusst gewählt hat. Von Skispringen und der Vierschanzentournee hat er in Australien nur wenig mitbekommen, wenngleich er die Weltcup-Szene noch immer interessiert und gespannt verfolgt. „Er war schon immer ein großer Kämpfer“, sagte Doppelweltmeister Stefan Kraft über Müller.

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