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Zu viele Fehler kosten den Sieg

Das österreichische Handball-Nationalteam hat am Freitag zum EM-Auftakt eine bittere 26:27-Niederlage gegen Weißrussland erlitten. Im vorweggenommenen „Finale“ um Platz drei in Gruppe B verpassten die ÖHB-Männer in Porec den erhofften Startsieg. Das Ziel Aufstieg in die Hauptrunde entschwand so in weite Ferne. Denn gegen Weltmeister Frankreich und Vizeweltmeister Norwegen wären Punkte ein sportliches Wunder.

Vor etwa 3.000 Zuschauern lagen die Österreicher gegen körperlich bärenstarke Weißrussen nur ein einziges Mal mit 1:0 in Führung. Ansonsten biss man sich an der gegnerischen Abwehr zu oft die Zähne aus, verzeichnete zu viele Fehlwürfe und agierte insgesamt zu wenig durchschlagskräftig. Am Sonntagabend (18.15 Uhr, live in ORF Sport +) wartet mit Frankreich der erste übermächtige Gegner.

Knappe Auftaktniederlage für Österreich

Im ersten Gruppenspiel der Handball-EM müssen sich Österreichs Herren mit nur einem Tor Unterschied geschlagen geben. Mit 27:26 behielt Weißrussland am Ende knapp die Oberhand.

Nervöser Start mit Folgen

600 mitgereiste Fans waren vor dem ersten Turnierspiel ihrer Mannschaft vom „Österreicher-Haus“ an der Hafenpromenade von Porec gemeinsam und mit Polizeieskorte zur nahen Zatika Sports Arena marschiert. Dort schafften es viele gar nicht rechtzeitig zum Anpfiff auf ihre Plätze, weil die Einlasskontrollen äußerst penibel durchgeführt wurden. Wer die Anfangsminuten sah, wurde von der ÖHB-Auswahl zwar nicht enttäuscht, die 6-0-Deckung funktionierte zu Beginn aber noch nicht optimal. 2:4 lag Österreich in der siebenten Minute zurück, 4:6 nach zehn Minuten.

Szene aus dem Match Österreich gegen Weißrussland

GEPA/Matic Klansek

Österreich zeigte zum Auftakt Nerven und musste sich Weißrussland beugen

Thomas Bauer hatte im ÖHB-Tor alle Hände und Füße voll zu tun. Der Frankreich-Legionär (Massy Essone) verzeichnete in der ersten Viertelstunde gleich fünf Glanzparaden gegen freie Würfe. Doch das Angriffsspiel der Österreicher wollte nicht so recht in Schwung kommen. Einige technische Fehler und Missverständnisse im Kombinationsspiel halfen dem Gegner. In der ersten Überzahlperiode erzielte THW-Kiel-Rückraumstar Nikola Bilyk mit seinem bereits dritten Tor dennoch das 7:7 (18.).

Romas Kirveliavicius, der am Vortag in Wien Vater einer Tochter geworden und danach wieder nach Kroatien geeilt war, war als Chef im Abwehrzentrum voll gefordert. Bei 9:11 (22.) musste Cheftrainer Johannesson aber seine erste Auszeit nehmen, weil man im Positionsangriff weiter keinen Weg durch die kompakte Deckung der Weißrussen fand. Die erhofften schnellen Gegenstöße samt zweiter Welle hatten bis dahin auch nicht stattgefunden. Es lief nicht im rot-weiß-roten Getriebe - und das sollte bis zur Pause und einem 12:14–Halbzeitstand im Wesentlichen so bleiben.

Dramatik pur im zweiten Durchgang

Nach der Pause begann Kristian Pilipovic im Tor der Österreicher. Der Kroatien-Legionär (RK Nexe) hatte Bauer schon in der ersten Hälfte für einige Minuten abgelöst. Viel wichtiger aber war, dass Rückkehrer Vitas Ziura, Bilyk und Alexander Hermann im Offensivaufbau gemeinsam zulegen mussten. Die rekordverdächtige Fanabordnung aus der Heimat gab auf den Tribünen ordentlich Gas. Als sich Ziura zum 15:16-Anschlusstreffer (34.) durchgetankt hatte, stand der Großteil der Halle Kopf.

Thomas Bauer

GEPA/Matic Klansek

Goalie Thomas Bauer hielt das ÖHB-Team mit guten Paraden im Spiel

Dann musste Hermann verletzt vom Feld, was Janko Bozovic auf Halbrechts mehr Angriffsminuten verschaffte. Doch genau in dieser Phase geriet das weiterhin zu fehlerhaft agierende ÖHB-Team nun vermeintlich entscheidend ins Hintertreffen. 15:19 stand es nach 37 Minuten, und Johannesson nahm seine zweite Auszeit. Bauer kehrte ins Tor zurück und hielt gleich zwei schwere Bälle. Plötzlich lief es auch im Angriff besser. Bozovic erhöhte sein Trefferkonto auf vier, und Sebastian Frimmel versenkte einen Konter zum 18:19 (41.).

Finish bringt kein Happy End

Bitter, dass die Aufholjagd durch Zweiminutenstrafen gestoppt wurde. In Vier-gegen-sechs-Unterzahl geriet Österreich 18:22 (43.) in Rückstand. Noch einmal bäumte sich die ÖHB-Truppe auf, verkürzte durch Weber auf 21:23 (47.). Bilyk nagelte zum 22:23 (48.) eine „Rakete“ ins Netz, immer wieder kamen aber auch die Weißrussen zum Torerfolg. Bauer zeigte ein paar weitere starke Paraden, hielt seine Kollegen trotz mehrerer Zeitstrafen und Unterzahl im Match.

An Hektik und Spannung war die Partie im Finish kaum zu übertreffen. Das 23:25 (55.) war ein weiterer Genickschlag für die Österreicher, bei denen Bilyk mit acht Toren herausragte. Allein der Ausgleich wollte und wollte nicht gelingen. Mit dem 24:27 (58.) war das sportliche Schicksal des ÖHB-Teams schließlich besiegelt. Alles gegeben, aufopferungsvoll gekämpft, aber zu wenig Durchschlagskraft gezeigt. So blieb der Traum vom perfekten EM-Start unerfüllt. Zwei Tore zum 26:27-Endstand kamen zu spät.

Handball-EM 2018 in Kroatien, Gruppe B

Freitag:

Österreich - Weißrussland 26:27 (12:14)

Porec, Zatika Sports Centre, SR Horacek, Novotny (CZE)

Werfer Österreich: Bilyk 8, Bozovic 5, Weber 4, Ziura 3, A. Hermann, Frimmel, Zeiner je 2

Bester Werfer Weißrussland: Kulesch 7

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