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„Die beste Mannschaft der Welt“

Vor 26 Jahren, am 8. Jänner 1992, hat Österreichs Handball-Nationalteam der Männer zum bisher letzten Mal gegen Frankreich gewonnen. Beim „Lotto Cup“ in Oslo siegte die damalige ÖHB-Auswahl mit 33:30. Seither wurden die Franzosen sechsmal Weltmeister (1995, 2001, 2009, 2011, 2015, 2017), dreimal Europameister (2006, 2010, 2014) und holten zweimal Olympiagold (2008, 2012). Am Sonntag (18.15 Uhr, live in ORF Sport +) warten „Les Bleus“ bei der EM in Porec auf Österreich.

„Les Experts“ werden die Franzosen in der Handballwelt ehrfürchtig genannt. „Maschinen“ sind sie für Österreichs Teamchef Patrekur Johannesson. „Die beste Mannschaft der Welt“, sagt Torhüter Thomas Bauer über den erklärten Turnierfavoriten in Kroatien. Der 31-Jährige spielt seit drei Jahren in Frankreich. 2015/16 stand Bauer in der zweiten Liga für Istres im Tor. Für 2016/17 wechselte er in die erste Liga zu Pays d’ Aix nach Aix-en-Provence. Seit letztem Sommer ist der gebürtige Wiener nun für Aufsteiger Massy Essonne tätig.

Thomas Bauer (AUT)

GEPA/Matic Klansek

Gegen Weißrussland war Thomas Bauer stark, im Duell mit Frankreich muss er über sich hinauswachsen

Wie Johannesson spekuliert auch Bauer damit, dass Frankreichs Teamchef, der langjährige Weltklassespieler Didier Dinart, seiner ersten Sieben Verschnaufpausen geben könnte. Nikola Karabatic, Kentin Mahe, Luc Abalo und Kollegen hatten zum Auftakt gegen Norwegen alles geben müssen, um sich hauchdünn durchzusetzen. „Sie haben 18 Spieler mit, alle auf Champions-League-Niveau. Und zu Hause hätten sie noch eine Sieben, die nicht abfallen würde“, sagt Bauer über die immense Qualität des zweiten EM-Gegners.

Stahlbad in Frankreichs Liga

Für den österreichischen Goalie ist die Härte, mit der in Frankreichs Topliga gespielt wird, ein Erfolgsfaktor. Ein Großteil des aktuellen Teams spielt in der Heimat, wo Paris Saint-Germain und Montpellier den Ton angeben. „Die Rückraumspieler sind es gewohnt, dass sie beim Wurf von zwei Abwehrspielern bearbeitet werden. Es geht unglaublich hart zur Sache. Es gibt europäische Spitzenspieler, die deshalb nicht nach Frankreich wechseln“, berichtet Bauer über das Stahlbad in der Liga des Weltmeisters. „Da wird es nach Fouls kein Reklamieren geben. Und mit uns werden sie auch nicht zimperlich umgehen“, prophezeit er dem ÖHB-Team einen heißen Tanz.

Bjarte Myrhol (Norwegen) und Adrien Dipanda (Frankreich)

APA/AFP

Adrien Dipanda und Co. lassen sich von harter Abwehr nicht beeindrucken

Alles andere als eine deutliche Niederlage der Österreicher wäre eine Überraschung. Im Normalfall sind die Franzosen in jeder Hinsicht haushoch überlegen. „Aber es gibt immer das eine oder andere taktische Mittel“, hofft Bauer auf einen überraschenden Spielverlauf. „Wir haben die Fans auf unserer Seite“, freut er sich auf die Unterstützung von 600 mitgereisten Anhängern. „Und wir wollen im Spiel immer wieder Nadelstiche setzen. Wir werden alles geben, unser Herz hineinlegen“, versprach der einzige Frankreich-Legionär im ÖHB-Kader. „Für die Franzosen sind es nur zwei Pflichtpunkte. Wir sind vorbereitet. Was soll schiefgehen?“

Weißrussland-Fehlstart ist abgehakt

Vor der bitteren Auftaktniederlage gegen Weißrussland hatten sich die Österreicher offenbar zu viel Druck gemacht. Zumindest hörte man das in Porec in den letzten Tagen aus vielen Aussagen heraus. „Seit dem Sommer haben wir von diesem Finale geredet. Ich habe allein zehn Spiele von Weißrussland gesehen. Ich glaube nicht, dass ich jemals wieder so gut auf ein Match vorbereitet sein werde“, so Bauer. „Aber wir können uns auch nichts vorwerfen, haben alles versucht. Es war ein knappes Spiel, und die bessere Mannschaft hat gewonnen“, hakte der Keeper den verpatzten EM-Start ab.

Die ersten drei Teams in Gruppe B steigen in die Hauptrunde auf. Sollte Österreich gegen Frankreich wie von vielen erwartet verlieren, gibt es am Dienstag (20.15 Uhr, live in ORF Sport +) gegen Norwegen eine zweite Chance zur Sensation. Möglich, dass Teamchef Johannesson bei aussichtslosem Spielverlauf gegen Frankreich Stammkräfte für das letzte Gruppenmatch schont. Davon wollte man vorerst aber noch nichts wissen. „Alles ist möglich“, gab Flügelspieler Robert Weber die Devise aus. Mit Härte die Schneid abkaufen dürfte gegen die Franzosen als Option aber wegfallen.

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