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Traditionsclub verlor etwas Schwung

Red Bull Salzburgs Gegner im Sechzehntelfinale der UEFA Europa League Real Sociedad steht vor dem Hinspiel am Donnerstag unter Druck. Der Traditionsclub ist nach gutem Saisonstart in La Liga auf Platz 14 zurückgerutscht, Trainer Eusebio Sacristan hat aber nach wie vor Rückhalt im Verein. „Wir glauben an ihn“, versicherte Sportdirektor Lorenzo Juarros nach der 2:5-Schlappe bei Real Madrid.

Eusebio selbst, 263-facher Spieler für den FC Barcelona und erklärter Johann-Cruyff-Fan, musste am Samstagabend gestehen, dass die erste Hälfte in Madrid (0:4) „katastrophal“ gewesen sei. Der Anspruch von „Txuri-Urdin“ (baskisch für Weiß-Blau) ist ein anderer. Dennoch stärkte man Eusebio den Rücken. „Wir werden mit ihm weitermachen, wir haben viele schöne Dinge vor uns. Er weiß, dass wir etwas verbessern müssen, um mehr aus diesen Spielern herauszuholen“, betonte Juarros.

In letzten zwölf Spielen nur neun Punkte

Im ersten Saisondrittel sah die Sache noch besser aus, erst im Dezember begann es ergebnistechnisch unrund zu laufen. Seit 17. November hat man in zwölf Ligapartien nur neun Punkte geholt, rutschte von Platz sieben auf den 14. Rang zurück, schied zudem im Cup gegen Drittligist Lleida aus. Dass man sich so wie in der Vorsaison als Sechster für die Europa League qualifiziert, scheint derzeit unwahrscheinlich. Neun Punkte fehlen auf die internationalen Plätze. Vielmehr muss man aufpassen, nicht noch in den Abstiegsstrudel zu geraten.

Real-Sociedad-Coach Eusebio Sacristan

Reuters/Vincent West

Coach Eusebio will das Ruder mit Sociedad wieder herumreißen

Auch in der Europa League präsentierte sich der zweifache spanische Meister (1981, 1982) und Cupsieger (1909, 1987) vorerst gut - wenngleich die Gegner in der Gruppe L nicht das Format von Salzburgs Konkurrenten besaßen. Gegen Rosenborg Trondheim (4:0, 1:0) und Vardar Skopje (3:0, 6:0) gab es klare Erfolge ohne Gegentor, der einzig namhafte Gegner Zenit St. Petersburg setzte sich aber zweimal mit 3:1 durch, beendete auch Sociedads Serie von zwölf EL-Heimsiegen in Serie und holte den Gruppensieg.

Goalgetter Willian Jose fehlt im Hinspiel

Kapitän ist der 34-jährige Mittelfeldmann Xabi Prieto, Torjäger der Brasilianer Willian Jose (26), der in der laufenden Saison elf Ligatreffer erzielte. Der Stürmer hat in der Europa League bisher fünfmal getroffen, fällt gegen Salzburg allerdings mit einer Mittelfußprellung aus. Taktgeber Asier Illarramendi (27) spielte schon bei Real Madrid, ehe er wieder ins Baskenland zurückkehrte, wo er auch ausgebildet wurde - so wie u. a. Frankreichs Star Antoine Griezmann. Die Jugendarbeit von Real Sociedad genießt in Spanien einen hervorragenden Ruf.

Vergleiche mit Griezmann wurden auch bei Mikel Oyarzabal angestellt. Der wegen seiner Schuhgröße 47 „Bigfoot“ genannte Mittelfeldmann kam mit 14 zum Club und absolvierte auch schon ein Spiel für Spaniens A-Nationalteam. Ein anderer, der seine Versprechen im Baskenland einlösen will, ist der Belgier Adnan Januzaj. Der vor wenigen Jahren als Supertalent gehandelte Belgier unterschrieb im Juli für fünf Jahre bei Real Sociedad. Bei Manchester United hatte sich der nun 22-Jährige nicht durchgesetzt.

Für Kühbauer ist Sociedad „leichter Favorit“

Für ORF-Experte Dietmar Kühbauer, der von 1997 bis 2000 für San Sebastian spielte und rund 50 Matches für die Basken bestritt, ist Sociedad zwar „leichter Favorit, aber Salzburg kann das schaffen“, betonte der 46-Jährige, der glaubt, dass auch die 2:5-Niederlage bei Real längst abgehakt ist. „Ich glaube nicht, dass ihnen das nachhängt, sie können das einschätzen“, betonte Kühbauer und verwies auf das 5:0 über Deportivo La Coruna eine Woche davor.

Archivbild von Didi Kühbauer aus dem Jahr 1998, damals bei Real Sociedad

GEPA/Miguelez Sport/J. Soriano

Kühbauer denkt gerne an seine Zeit bei Real Sociedad zurück

Dennoch sei ihm der aktuelle Negativlauf seines Ex-Clubs nicht entgangen. Was ihn besonders stutzig macht: „Sie haben heuer einfach nicht die Heimstärke.“ So oder so müsse Salzburg sich nicht fürchten. „Ich halte Real für ein bisschen stärker, aber Welten liegen da keine dazwischen.“ Denn obwohl die Spanier in der Gruppenphase die Mannschaft mit den zweitmeisten erzielten Toren (16) war, spricht auch viel für Österreichs Meister. Zum vierten Mal blieben die Salzburger in den Gruppenphase ungeschlagen und kassierten in sechs Spielen nur ein Gegentor.

Kühbauer freut sich jedenfalls auf das erste offizielle Duell seines Ex-Clubs mit einem österreichischen Verein. Unter Trainer Bernd Krauss erlebte er trotz einiger Verletzungen zwei gute Saisonen mit „tollen Fans“ und einem UEFA-Cup-Achtelfinale 1998/99. Erst als Kraus 1999 von Javier Clemente abgelöst wurde, begann der Traum zu verblassen. „Clemente wollte, dass ich als Rechtsverteidiger spiele, ich habe gesagt, dass ich das nicht mache.“ Damit war die Sache quasi erledigt, im darauffolgenden Sommer wechselte der 55-fache ÖFB-Internationale für zwei Jahre zum VfL Wolfsburg. 2002 ging der Burgenländer dann nach Mattersburg, wo seine Karriere noch sechs Jahre dauern sollte.

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