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Stange verhindert Verlängerung

Juventus Turin hat dank eines Kraftaktes den Aufstieg ins Viertelfinale der Champions League geschafft. Die „Alte Dame“ setzte sich am Mittwoch im Londoner Wembley Stadium gegen Tottenham Hotspur mit 2:1 (0:1) durch und zoge damit nach dem 2:2 im Hinspiel in die Runde der besten acht ein. Tottenham bestimmte zwar über weite Strecken die Partie, gab den sicheren Aufstieg aber in nur drei Minuten aus der Hand.

Bis zur 64. Minute hatten die „Spurs“ vor 85.000 Zuschauern im ausverkauften Wembley mit 1:0 geführt. Son Heung Min (39.) hatte Tottenham in der ersten Hälfte verdient in Führung geschossen. Gonzalo Higuain (64.) und Paulo Dybala (67.) drehten die Partie jedoch mit einem Doppelschlag. Während die Londoner nach 17 Pflichtpartien erstmals wieder als Verlierer vom Platz gingen, setzte Juventus seine beeindruckende Serie fort. Die Italiener sind seit 21 Pflichtspielen ungeschlagen und feierten in dieser Zeit den 18. Sieg. Auch weil die Stange bei einem Kopfball von Harry Kane in der 90. Minute den neuerlichen Ausgleich verhinderte.

Dybala schießt Juve weiter (67.)

Paulo Dybala sorgt nach einem perfekten Pass von Gonzalo Higuain für die Entscheidung zugunsten der Gäste aus Turin.

„Eine unglaubliche Nacht, es war sehr hart. Wir haben aber immer an den Sieg geglaubt“, sagte Juve-Verteidiger Georgio Chiellini. Trotz des Rückstandes sei man beim italienischen Rekordmeister immer ruhig geblieben, so der Routinier: „Wir haben uns gesagt, wir müssen konzentriert bleiben und treffen, wenn sich die Chance ergibt.“ Bei Tottenham saß der Frust nach der Niederlage klarerweise tief. „Wir haben in drei Minuten nach zwei großen Fehlern zwei Tore kassiert, und deswegen sind wir raus“, sagte „Spurs“-Coach Mauricio Pochettino.

Giorgio Chiellini und Gianluigi Buffon

APA/AFP/Adrian Dennis

Chiellini (r.) und Torhüter Gianluigi Buffon war die Genugtuung über den Kraftakt anzusehen

Tottenham beginnt stark

Die Vorgabe für die Partie war nach dem 2:2 aus dem Hinspiel zumindest aus Juventus-Sicht eindeutig. Weil man auf ein höheres Remis - Stichwort Auswärtstorregel - als in Turin nicht spekulieren wollte, waren die Italiener auf Sieg eingestellt. Richten sollten es die Argentinier Gonzalo Higuain, Doppeltorschütze im Hinspiel, und Paulo Dybala. Beide waren rechtzeitig fit geworden. Douglas Costa stand dem Duo an vorderster Front zur Seite. Tottenham ging es ebenfalls offensiv an: Harry Kane, Dele Alli und Son Heung Min bildeten das erwartete Sturmtrio.

Ruhig war es im Wembly-Stadion nur bei der Schweigeminute für den verstorbenen Fiorentina-Kapitän Davide Astori, denn nach dem Anpfiff hatten vor allem die „Spurs“-Fans Grund, die Stimmen zu erheben: Bereits nach drei Minuten zwang Hon nach einem Alleingang Goalie-Oldie Gianluigi Buffon aus spitzem Winkel zur Parade (3.). Im Hinspiel war Juventus dank Higuain - allerdings aus Abseitsposition ein Blitzstart gelungen. Die Londoner blieben zur Freude ihrer Fans am Drücker, Kane vergab nach einer Viertelstunde den nächsten Sitzer - Buffon hatte er da bereits überspielt (15.).

Son prüft Buffon (3.)

Son Heung Min setzt sich mit einem Solo im Sechzehner durch und prüft Juve-Goalie Buffon.

Son steht goldrichtig

Die Miene von Juve-Trainer Massimilliano Allegri sagte alles, denn die Italiener waren offensiv kaum vorhanden. Auffällig wurden die Juve-Kicker höchstens mit Härteeinlagen. Den ersten gefährlichen Angriff der „Alten Dame“ gab es in Minute 17. Da hatte Juventus allerdings auch Pech. Denn Costa wurde im Strafraum von Jan Verthongen von den Beinen geholt, Szymon Marciniak sah jedoch kein elferwürdiges Foul. Vielleicht plagte den Polen auch das schlechte Gewissen: Auf der Gegenseite hatte der Unparteiische zwei Handspiele im Strafraum - einmal von Mehdi Benatia (1.) und dann von Georgio Chiellini (16.) - nicht geahndet.

1:0 für Tottenham (39.)

Son steht nach einem Querpass von Kieran Trippier goldrichtig und bringt die „Spurs“ verdient in Führung.

Tottenham war dem 1:0 trotzdem näher. Und kurz vor der Pause wurden die Bemühungen der Engländer belohnt. Son, der zuvor weitere Großchancen ausgelassen hatte, stand goldrichtig und beförderte die „Spurs“ dem Viertelfinale ein großes Stück näher (39.). Mit 1:0 ging es auch in die Pause. Das lag aber auch daran, dass Miralem Pjanic praktisch im Gegenzug den Ball knapp am Tottenham-Gehäuse vorbeizirkelte (41.) - es war der einzige gefährliche Torschuss der Italiener in Hälfte eins.

Doppelschlag dreht Partie

Mit der Führung im Rücken ging es Tottenham in der zweiten Hälfte vorerst etwas vorsichtiger an - blieb aber trotzdem die spielbestimmende Mannschaft. Juventus brachte nach vorne weiter wenig bis gar nichts zusammen. Higuain und Dybala sahen den Ball nur aus der Ferne. Der Frust über die fehlenden Ideen entlud sich immer wieder in harten Einstiegen. Vor allem Andrea Barzagli klopfte seine Gegenspieler ordentlich ab. Weil es auch die „Spurs“ nicht mehr gar so eilig hatten, wurde die Partie mit Fortdauer immer zerfahrener.

Es schien, als ließ sich Tottenham von der härteren Gangart der Italiener die Schneid abkaufen, denn wie aus dem Nichts waren die Engländer plötzlich im Rückstand. Zuerst überraschte der bis dahin völlig abgemeldete Higuain die unachtsame „Spurs“-Hintermannschaft und verlängerte einen Kopfball von Sami Khedira am völlig verdutzten Hugo Lloris vorbei ins Tor (64.). Und nur drei Minuten später traf Dybala nach Pass von Higuain mit dem 2:1 für Juve die Tottenham-Fans mitten ins Herz (67.).

Higuain gleicht aus (64.)

Sami Khedira leitet eine Lichtsteiner-Flanke per Kopf weiter zu Gonzalo Higuaín, der zum 1:1 ausgleicht.

Jetzt benötigte Tottenham zumindest ein Tor, um sich wenigstens in die Verlängerung zu retten. Der Schock über die blitzartige Wende im Spiel war den Engländern jedoch anzusehen. Juve durfte sich auf des Italieners Lieblingsdisziplin konzentrieren: verteidigen. Erst in der Schlussphase konnten die „Spurs“ angetrieben von Son den Juve-Abwehrriegel knacken. Der Ausgleich wollte zum Leidwesen der Fans aber nicht mehr gelingen. Christian Eriksen (82.) und Son (83.) verfehlten das angestrebte Ziel nur knapp. Und dann wurde in der 90. Minute auch noch die Stange bei Kanes Kopfball zum Spielverderber für die Gastgeber.

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