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Augenmerk auf Riesentorlauf

Anna Veith fehlen derzeit zwölf Punkte auf die 500, die sie braucht, um beim Weltcup-Finale in Aare auch im Riesentorlauf an den Start gehen zu dürfen. Sie sollte die fehlenden Zähler aber in der Abfahrt am Mittwoch (12.00 Uhr, live in ORF eins) und dem Super-G am Donnerstag auf ihr Konto packen. „Schade, dass die Saison schon vorbei ist, aber ich merke doch auch, dass ich ein bisschen ausgebrannt bin“, sagte Veith.

Aus Österreichs Damen-Skiteam hat nur Bernadette Schild als 14. der Weltcup-Gesamtwertung mit 539 mehr als 500 Punkte erreicht, dahinter folgt als 15. schon Veith (488). Highlights in der Comebacksaison nach ihren Knieoperationen waren für die 28-Jährige jeweils im Super-G der Weltcup-Sieg Mitte Dezember in Val d’Isere und die Olympiasilbermedaille in Pyeongchang.

Anna Veith mit Champagnerflasche

APA/AFP/Philippe Desmazes

Beim Super-G in Val d’Isere feierte Veith im Dezember ihren ersten Sieg nach der Verletzungspause

„Es war super zu sehen, wie schnell ich mich entwickeln konnte. Aber ich musste während der Saison viel arbeiten, das ist kräftezehrend“, bekannte Veith. „Die Steigerung im Super-G war schnell da, das habe ich gut stabilisieren können. Im Riesentorlauf hätte ich nicht gemeint, dass es so gut funktionieren kann, aber da habe ich auch viel dafür tun müssen. Es war alles durchgehend sehr positiv.“

„Das Maximum herausgeholt“

Die Freude auf das Finale in Aare, dem WM-Schauplatz von 2019, ist auch deshalb so groß, weil Veith dort schon drei Riesentorläufe gewonnen hat. Wenn auch nicht auf dem nun vorgesehenen Damen-, sondern dem Herren-Hang, der für sie etwas mehr Charakteristik hat.

In der Weltcup-Startliste ist Veith im Riesentorlauf derzeit 30., das würde ihr nächste Saison eine gute Startnummer bescheren. „Es ist noch ein Rennen, ich möchte mich in die bestmögliche Position bringen, das ist für mich schon ein extremer Erfolg, das jetzt geschafft zu haben.“

Der Start bei den Olympischen Spielen (12.) habe ihr sehr geholfen, insgesamt gesehen sei der Status quo aber eine Riesenüberraschung, da es immer an der Zeit für das Training gefehlt habe. „Wenn ich eine gute Vorbereitung habe, schaut das wieder ganz anders aus. Von dem her habe ich das Maximum rausgeholt.“

„Herzensangelegenheit“

Der Riesentorlauf ist für Veith eine „Herzensangelegenheit“. Im vergangenen Sommer sei sie noch davon ausgegangen, dass sie wegen fehlender Vorbereitung im Winter keinen Riesentorlauf fahren, sondern nur in Speed-Rennen antreten könne.

„Das war für mich immer die Kerndisziplin, ich habe die meisten Weltcup-Siege im Riesentorlauf, ich habe alles erreicht. Dann zu sagen, lass deine stärkste Disziplin weg, das war hart. Und dann zu wissen, man muss sich gedulden, das war für mich eine extreme Probe. Als ich gemerkt habe, dass es funktionieren kann, ist mein Herz wieder aufgegangen.“

Das sei „rund um Sölden“ gewesen, als sie zwei Tage auf dem Hang trainiert habe, auf dem sie sich verletzt hatte. „Das war für mich der Schritt, wo ich gemerkt habe, ich habe es überwunden. Ich trau mich wieder, ans Limit zu gehen, einen Schwung durchzuziehen, ich vertraue meinem Körper wieder.“

Gesundheit im Vordergrund

Die Knie spielen seither mit, das linke sei über die Saison besser und stabiler geworden, beim (schwer verletzten) rechten kämen durch die Belastung schon immer wieder Reaktionen, die aber normal seien und mit denen man ohne Bedenken umgehen könne.

„Für mich war immer wichtig, meine Gesundheit wiederherzustellen. Es war eine wunderschöne und sehr interessante Saison für mich. So eine habe ich noch nie gehabt, weil es zuvor immer stetig bergauf ging“, sagte Veith.

Veith verspürt keinen Zwang

Es noch einmal dorthin zu schaffen, wieder Siege in Serie einzufahren, das sei ein gewisser Reiz, aber kein Muss. „Ich denke, eine gewisse Voraussetzung habe ich dafür, ob es aber noch einmal funktionieren kann, weiß ich nicht. Aber es ist kein Zwang da, es noch einmal zu beweisen. Für mich ist das Wichtigste, dass ich Spaß an dem habe, was ich mache, dass ich schmerzfrei bin und an meiner Persönlichkeit und Sportform arbeiten und mich entwickeln kann“, sagte die Gesamtweltcup-Siegerin von 2014 und 2015.

15 Weltcup-Siege hat Veith in ihrer Karriere gefeiert, elf im Riesentorlauf, drei im Super-G und einen in der Kombination. Ob sie auch einen Erfolg in der Abfahrt für möglich hält? „Vielleicht. Ich glaube, wenn, dann kann es nur auf einer technisch schwierigen Abfahrt funktionieren. Nächstes Jahr ist St. Anton wieder im Kalender. Ein Abfahrtssieg ist für mich keine Hürde, wo ich sage, das muss ich noch unbedingt schaffen. Es wäre noch eine schöne Zugabe.“

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