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Jahr zwei der neuen Ära

Mit dem Grand Prix von Australien startet die Formel 1 am Sonntag in Melbourne (7.10 MESZ, live in ORF eins) in die neue Saison, der zweiten unter der Führung des neuen Rechteinhabers Liberty Media. 2018 gibt es einige Änderungen wie die Einführung des Halo-Kopfschutzes und die Abschaffung der „Grid-Girls“. Nichts geändert hat sich hingegen an der Favoritenrolle von Mercedes.

Optisch betritt die Königsklasse heuer mit dem Cockpitschutz Halo Neuland. Der sperrige „Flip-Flop“-Aufsatz, wie Mercedes-Boss Toto Wolff („Wenn man mir eine Kettensäge geben würde, würde ich ihn entfernen“) die sicherheitstechnische Revolution einmal bezeichnete, wiegt rund sieben Kilo und soll den Kopf vor umherfliegenden Objekten schützen. Jeder Fahrer musste einen Test absolvieren und binnen sieben Sekunden seinen Wagen verlassen.

Die Optik bleibt zwar gewöhnungsbedürftig, die erste große Aufregung hat sich aber schon wieder gelegt. „Es ist nicht schön, aber alles andere ist fein“, meinte etwa Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo nach den Testfahrten im Februar. Als störend haben die Fahrer die Bügelkonstruktion jedenfalls nicht empfunden. Die Strebe, die den Titanbügel mit dem Chassis in der Mitte vor dem Cockpit mit dem Bügel verbindet, werde kaum wahrgenommen. „Es mag seltsam klingen, aber ich habe ihn nicht bemerkt“, so Ricciardo.

21 Rennen in 35 Wochen

35 Wochen sind es vom ersten Grand Prix in Australien bis zum Finale in Abu Dhabi, insgesamt 21 Rennen stehen auf dem Kalender. Frankreich ist erstmals seit 2008 wieder dabei, der Circuit Paul Ricard in Le Castellet sogar zum ersten Mal seit 1980. Der zweite Rückkehrer ist der Hockenheimring in Deutschland, dieses Rennen war vergangenes Jahr wie schon 2015 aus dem Kalender gefallen. Nicht mehr dabei ist dafür heuer Malaysia. Der Österreich-Grand-Prix in Spielberg geht am 1. Juli über die Bühne.

Neu ist auch die Startzeit der Rennen, die nun immer zehn Minuten nach der vollen Stunde beginnen. Die Europarennen gehen zudem eine Stunde später über die Bühne, also um 15.10 Uhr, in Frankreich um 16.10 Uhr. Im Fahrerfeld gibt es zwei neue Gesichter, Charles Lecerc (MON) und Sergej Sirotkin (RUS) geben in Melbourne ihr Debüt bei Sauber bzw. Williams. Das Toro-Rosso-Duo Brendon Hartley (NZL) und Pierry Gasly (FRA) bestreitet seine erste volle Saison. Toro Rosso hat zudem mit Honda einen neuen Motorenpartner, McLaren wechselt von Honda zu Renault.

Hamilton freut sich schon

Nach einem größeren Schub von technischen Neuerungen vor der vergangenen Saison sind die Regeln diesmal weitgehend stabil geblieben. Das aktuelle Power-Unit-Reglement ist noch bis 2020 in Kraft, wodurch Mercedes erneut das Team ist, das es zu schlagen gilt. Seit die Formel 1 2014 in die Hybridturbo-Ära gegangen ist, haben die Silberpfeile 63 von 79 Rennen gewonnen und viermal den Titel bei Fahrern und Konstrukteuren abgeräumt.

Mercedes von Lewis Hamilton

APA/AFP/Josep Lago

In den vergangenen Jahren führte kein Weg an Mercedes vorbei

Erfolgreichster Pilot in diesen vier Jahren war Lewis Hamilton, der auf dem Weg zu drei WM-Titeln 40 Rennen - also mehr als die Hälfte - gewann. Der Titelverteidiger ist auch wieder der erste Anwärter auf die WM-Krone. Der Brite kann heuer wie Ferrari-Star Sebastian Vettel zum fünften Mal Champion werden, was bisher nur Michael Schumacher und Juan Manuel Fangio gelungen ist. Bei Hamilton ist die Vorfreude jedenfalls groß. „Unser Auto ist in jeder Beziehung besser als das vom vorigen Jahr“, betonte der 33-Jährige.

Nur noch drei Motoren erlaubt

Eine Änderung im Vergleich zur Vorsaison betrifft die geforderte Standfestigkeit der Motoren. So dürfen heuer statt vier nur noch drei Exemplare verwendet werden, eine Antriebseinheit muss sieben Rennen halten. Pirelli bringt zwei neue Reifenmischungen namens Hypersoft und Superhard. Damit stehen insgesamt neun verschiedene Reifen zur Verfügung.

Grafik zu Neuerungen in der Formel 1

Grafik: APA/ORF.at; Quelle: APA

Eines der Hauptanliegen der neuen Formel-1-Chefs von Liberty Media ist eine Philosophie, die den Sport attraktiver, glitzernder und für ein jüngeres Publikum zugänglicher machen soll. Auf der Formel-1-Website kann man künftig etwa via Bezahl-Livestream die Rennen verfolgen, aber auch zu jeder beliebigen Zeit danach darauf zugreifen.

Im Hintergrund hat der Medienkonzern die Arbeitsweise bereits umgekrempelt und das Personal massiv aufgestockt. Weitere Neuerungen werden folgen. Eine kosmetische Korrektur ist das bereits umgemodelte Logo, eine offizielle Formel-1-Titelmusik soll ebenfalls bald vorgestellt werden. Nicht in die Vorstellungen von Liberty Media passten die „Grid-Girls“. An ihrer Stelle werden künftig ähnlich wie beim Fußball Kinder neben die Sportler ins Bild gerückt werden.

Formel-1-Grid-Girls

APA/AFP/Andrej Isakovic

Solche Bilder wird es vor dem Rennstart nicht mehr geben

Alle Reformen werden sich letztlich am wirtschaftlichen Erfolg messen lassen müssen. Dass das Produkt Formel 1 schwächelt, hängt nicht zuletzt mit der sportlichen Vorhersehbarkeit zusammen. „Es sollte so sein, dass an einem guten Tag Force India ein Rennen gewinnt“, drückte Sportchef Ross Brawn die Hoffnung von Liberty Media für die Zukunft aus.

Red Bull könnte näher rücken

Dass sich diese Hoffnung schon heuer erfüllt, ist nicht zu erwarten. Die Wintertestfahrten lieferten allerdings Anzeichen, dass Red Bull in dieser Saison näher an Mercedes dran ist, was mehr Spannung verspricht. „Ich glaube noch immer, dass wir noch ein bisschen mehr brauchen, um Mercedes zu fordern, aber ich glaube nicht, dass wir weit weg sind“, sagte Pilot Ricciardo. „Wir stehen viel besser da als vor einem Jahr“, stellte sein Teamkollege Max Verstappen fest.

Ferrari träumt weiter von der Rückkehr auf den WM-Thron. Nach drei Jahren Aufbauarbeit will Vettel endlich wieder reüssieren, nach dem Testbetrieb machte sich ob der Leistungsstärke der „Scuderia“ jedoch Skepsis breit. „Es gibt noch einige Rätsel zu lösen“, gab der Deutsche zu bedenken. Je länger das Rätselraten dauert, desto kürzer wird wohl der Geduldsfaden von Konzernchef Sergio Marchionne geraten.

Für Mercedes-Aufsichtsratschef Niki Lauda ist noch alles offen. „Es ist auf jeden Fall eng zwischen den ersten drei Teams“, sagte der dreifache Weltmeister. Wenn Renault eine stärkere und leistungsfähigere Power Unit gelungen ist, würden davon jedenfalls nicht nur Red Bull, sondern auch McLaren mit Alonso und das Renault-Werksteam mit Nico Hülkenberg und Carlos Sainz profitieren.

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