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Red Bull sticht Mercedes und Ferrari aus

Der Grand Prix von China hat am Sonntag einen überraschenden Ausgang gebracht. Daniel Ricciardo triumphierte in einem turbulenten Rennen in Schanghai und holte den sechsten Sieg seiner Karriere sowie den ersten für Red Bull Racing in dieser Saison. Hinter dem Australier landete Mercedes-Fahrer Valtteri Bottas (+8,894) auf dem zweiten Rang. Dritter wurde der Finne Kimi Räikkönen im Ferrari (9,637).

Für Sebastian Vettel endete der spektakuläre Grand Prix mit einer Enttäuschung. Der Deutsche, der die ersten beiden Rennen in Australien und Bahrain gewinnen konnte, musste sich nach einer Kollision in der Schlussphase mit Max Verstappen mit Rang acht begnügen. Auch für den zweiten großen Titelanwärter verlief der Grand Prix nicht nach Wunsch. Lewis Hamilton wurde Vierter, womit Mercedes erstmals seit 2014 drei Rennen in Serie ohne Sieg blieb.

Mit nun 54 Punkten behielt Vettel aber die Führung in der WM-Wertung. Hamilton ist weiter Zweiter, verkürzte den Rückstand auf den Deutschen aber auf neun Zähler. Auf Rang drei liegt Bottas mit 40 Punkten. Ricciardo (37) schob sich mit seinem ersten Sieg seit Aserbaidschan im letzten Jahr auf den vierten Platz. In Baku findet am 29. April auch das nächsten Rennen statt.

Jubel von Daniel Ricciardo (Red Bull)

Reuters/Aly Song

Daniel Ricciardo ließ nach dem unerwarteten Sieg seinen Emotionen freien Lauf

„Das kam wirklich unerwartet“

„Anscheinend mag ich es nicht, fade Rennen zu gewinnen. Das kam wirklich unerwartet. Vor 24 Stunden habe ich nicht einmal gewusst, ob ich am Qualifying teilnehmen kann. Mein Dank geht an die Crew. Ihr seid die Stars, und das ist eure Belohnung“, sagte Ricciardo, dessen Auto erst kurz vor Ende von Q1 fertig geworden war. Am Samstag musste beim RB14 des Australiers wegen eines Turbodefektes der komplette Motor getauscht werden.

Etwas nüchterner bilanzierte Bottas. „Wir hatten ein starkes Auto, aber das Rennen ist nicht gut für uns verlaufen. Das Safety Car hat uns in Probleme gebracht. Es ist enttäuschend. Wir hätten den Sieg verdient gehabt, aber so ist der Rennsport“, erklärte der Finne. Landsmann Räikkönen sagte: „Ich war schneller als Valtteri. Am Ende hätte ich aber bessere Reifen gebraucht, um vorbeizukommen.“

Vettel dominiert das erste Drittel

Der Start würfelte die vorderen Positionen ein wenig durcheinander. Einzig Vettel konnte seine Spitzenposition verteidigen. Der Deutsche erwies sich dabei als kompromisslos und drängte Räikkönen nach rechts. Der Finne wurde dadurch von seinem Landsmann Bottas überholt und rutschte sogar auf Rang vier zurück, da sich Verstappen mit aggressiven Manövern von Rang fünf auf Platz drei verbesserte.

Ein Opfer des Niederländers war Hamilton, der eine Position verlor und nach der ersten Runde nur Fünfter vor Ricciardo war. Damit waren im Spitzenfeld auch die Positionen für die Anfangsphase bezogen. Vettel kontrollierte vorne das Tempo und hatte nach knapp einem Drittel des Rennens 3,5 Sekunden Vorsprung auf Bottas. Auch dahinter ergaben sich keine Möglichkeiten für Überholmanöver.

Bottas als Sieger in der Box

Red Bull eröffnete dann die Boxenstopps der Spitzenfahrer und holte Verstappen und Ricciardo gleichzeitig zum Reifenwechsel. Als Nächste folgten die Mercedes-Piloten, wobei vor allem Bottas danach mächtig auf das Gaspedal stieg. Der Finne konnte den Rückstand auf Vettel in kürzester Zeit wettmachen und zog am Deutschen vorbei, als dieser aus der Box zurück auf die Strecke fuhr.

An der Spitze kam es zum Zusammenschluss von Räikkönen, der als einziger Fahrer noch nicht beim Reifenwechsel war, Bottas und Vettel. Der Mercedes-Pilot zwängte sich mit einer beherzten Aktion außen an Räikkönen vorbei. Unmittelbar danach ließ Räikkönen Vettel passieren. Damit war sein Job, für seinen Ferrari-Teamkollegen die Mauer gegen Bottas zu machen, erledigt. Räikkönen fuhr an die Box und fiel auf den sechsten Rang zurück.

Safety-Car-Phase mischt Karten neu

Eine Kollision zwischen den Toro-Rosso-Piloten Pierre Gasly und Brendon Hartley brachte dann noch einmal Spannung ins Rennen. Der Franzose fuhr dem Neuseeländer in Kurve 14 von hinten ins Auto. Die herumliegenden Teile brachten das Safety Car zum Einsatz und führten zum Zusammenschluss des Feldes. Von den Topteams nutzten nur die Red-Bull-Autos diese Phase zu ihrem zweiten Stopp. Eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erweisen sollte.

Nach der Freigabe des Rennens konnte Bottas zunächst seine Führung problemlos verteidigen. Dahinter versuchte Verstappen mit der Brechstange Hamilton zu überholen, kam dabei aber von der Strecke ab. Ricciardo rückte dadurch auf Rang vier vor, schnappte sich in weiterer Folge Hamilton, der auch noch von Verstappen überholt wurde, und machte Jagd auf das Führungsduo.

Turbulente Schlussphase

„Next one is Vettel“, kam für den Australier die Anweisung von der Box. Die Umsetzung dieser Anweisung ließ nicht lange auf sich warten. Der Australier zog am Ferrari vorbei und lag auf Rang zwei. Für Vettel kam es noch bitterer. Verstappen nahm einmal mehr zu viel Risiko und touchierte den Ferrari. Beide Autos drehten sich. Vettel fiel auf Rang sieben zurück. Der Niederländer kassierte eine Zehnsekundenstrafe, die ihm nach dem Rennen angehängt wurde.

Vorne setzte Ricciardo seine famose Aufholjagd unbeirrt fort. In der 45. Runde war es so weit. Der Niederländer zwängte sich an Bottas vorbei, übernahm die Führung und fuhr seinem sechsten Grand-Prix-Sieg entgegen. Räikkönen, den der Crash zwischen Verstappen und Vettel wieder auf Rang drei gebracht hatte, versuchte noch Bottas Platz zwei abspenstig zu machen. Die Reifen ließen das aber nicht zu. Besser machte es Fernando Alonso. Kurz vor Schluss verdrängte der Spanier Vettel noch auf Rang acht.

Grand Prix von China in Schanghai

Endstand nach 56 Runden (305,066 km):
1. Daniel Ricciardo AUS Red Bull 1:35:36,380
2. Valtteri Bottas FIN Mercedes + 8,894
3. Kimi Räikkönen FIN Ferrari 9,637
4. Lewis Hamilton GBR Mercedes 16,985
5. Max Verstappen NED Red Bull 20,436 *
6. Nico Hülkenberg GER Renault 21,052
7. Fernando Alonso ESP McLaren 30,639
8. Sebastian Vettel GER Ferrari 35,286
9. Carlos Sainz ESP Renault 35,736
10. Kevin Magnussen DEN Haas 39,594
11. Esteban Ocon FRA Force India 44,050
12. Sergio Perez MEX Force india 44,725
13. Stoffel Vandoorne BEL McLaren 49,373
14. Lance Stroll CAN Williams 55,490
15. Sergej Sirotkin RUS Williams 58,241
16. Marcus Ericsson SWE Sauber 1:02,604
17. Romain Grosjean FRA Haas 1:05,296
18. Pierre Gasly FRA Toro Rosso 1:06,330 *
19. Charles Leclerc MON Sauber 1:22,575
20. Brendon Hartley NZL Toro Rosso 5 Runden

* Inklusive 10-Sekunden-Strafe

Schnellste Runde: Ricciardo (1:35,785/55.)

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