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In Schanghai „hat alles geklappt“

Mit dem unerwarteten Sieg beim Grand Prix in China hat Daniel Ricciardo bei Red Bull Racing für große Erleichterung gesorgt. Der Australier setzte sich am Sonntag von Startplatz sechs aus gegen die favorisierten Teams von Ferrari und Mercedes durch und fuhr zum sechsten Sieg seiner Karriere, den er bei der Siegerehrung mit seinem bekannten „shoey“ zelebrierte und den Champagner genüsslich aus seinem Schuh schlürfte.

Auch in der Führungsetage des österreichischen Teams war die Freude entsprechend groß. „Wir haben heute gesehen, dass wir mithalten können. Und zwar nicht nur in der Theorie“, sagte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko im ORF-Interview und verwies darauf, dass man bisher unter Wert geschlagen worden war. Zwei Wochen davor hatte man mit einem Doppelausfall in Bahrain sogar noch eine Nullnummer abgeliefert. „Bisher haben die Umstände nicht gepasst, heute hat alles geklappt“, sagte Marko.

Red-Bull-Fahrer Daniel Ricciardo trinkt aus seinem Schuh

Reuters/Aly Song

Champagner aus einem Schuh ist nicht jedermanns Sache, für Daniel Ricciardo aber sein Markenzeichen

Sonderlob gab es natürlich für Ricciardo, der mit einigen starken Aktionen die Konkurrenten ausbremste und sich den Sieg erarbeitete. „Ricciardo ist fehlerfrei gefahren. Da sieht man eben, wer überholen kann und wer nicht“, sagte Marko. Bei Teamchef Christian Horner klang es ähnlich. „Daniel hat ein großartiges Rennen gemacht und den Sieg voll verdient“, sagte der 44-Jährige.

Triumph am Ende einer schwierigen Woche

Für Ricciardo selbst war der Triumph der emotionale Schlusspunkt einer schwierigen Woche. In Bahrain wurde der 28-Jährige bereits in der zweiten Runde von einem Batteriedefekt gestoppt. In Schanghai gab es den nächsten Schock, als im Abschlusstraining der Turbolader brannte. In einem Kraftakt tauschten seine Mechaniker in wenigen Stunden den Motor aus. Gerade noch kurz vor Ende des ersten von drei Qualifikationsabschnitten fuhr Ricciardo wieder auf die Strecke.

Bei der Siegerehrung wusste Riccardo nicht, ob er über seinen ersten Erfolg seit Baku vor einem Jahr vor Freude weinen oder lachen sollte. „Es war sehr emotional. Ich habe an das ganze Rennen gedacht und an die letzte Woche, wie enttäuscht man sich in diesem Sport fühlen kann, aber auch wie hoch“, sagte der Australier und widmete den Sieg auch den Mechanikern. „Sie sollten sehr stolz auf sich sein. Sie haben den Sieg erst ermöglicht.“

Mutige Strategie macht Unterschied

Am Renntag glänzte das Team dann mit einer aggressiven Strategie und holte beide Autos gleich zweimal fast zeitgleich an die Box. Das zweite Mal während der Safety-Car-Phase, die bemerkenswerterweise vom B-Team Toro Rosso ausgelöst worden war. Eine riskante Strategie, die aber voll aufging. Valtteri Bottas im Mercedes und Ferrari-Pilot Sebastian Vettel waren da schon an der Boxeneinfahrt vorbei, Lewis Hamilton und Kimi Räikkönen verzichteten.

Boxenstopp von Daniel Ricciardo (Red Bull Racing)

APA/AFP

Zweimal den Reifen zu wechseln, machte sich für das Team von Red Bull mehr als bezahlt

„Es war natürlich auch von der Strategie richtig, die Autos bei der Safety-Car-Phase reinzuholen. Das war eine Sekundensache“, sagte Marko zur rennentscheidenden Maßnahme. „Bei Red Bull war man mutig genug, auf zwei Stopps zu setzen. Es hat zunächst nicht optimal ausgeschaut, war im Nachhinein aber todrichtig“, sagte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. „Wir hatten nach der Safety-Car-Phase einfach die besseren Reifen“, sagte Ricciardo.

Riccardo pflügt durch das Feld

Dieser Vorteil ließ den Australier von Platz sechs aus durchs Feld pflügen. Zunächst überholte Ricciardo Räikkönen, danach profitierte er von einem Ausritt seines Teamkollegen Max Verstappen, der beim Versuch, an Hamilton vorbeizuziehen, von der Strecke rutschte. Anschließend schnappte sich Ricciardo mit einer feinen Aktion in der Haarnadel Hamilton und sorgte mit seinem Vorstoß auf Rang drei für Begeisterungsstürme bei Teamchef Horner.

„Next one is Vettel“, kam der Hinweis aus der Box. Die Umsetzung erfolge 14 Runden vor Schluss, als Ricciardo auf der Geraden an seinem ehemaligen Teamkollegen vorbeizog. Der Nächste auf der Liste war Bottas. In der 45. von insgesamt 56 Runden löste der Australier diese Aufgabe, indem er mit einem gewagten, aber perfekt ausgeführten Manöver den Finnen ausbremste und anschließend ungefährdet zum Sieg fuhr.

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