Themenüberblick

Fast perfekte Derby-Saison für Rapid

Besser hätte Rapids Start in die entscheidenden Wochen der nationalen Fußballsaison nicht verlaufen können. Mit einem furiosen 4:0 im Ernst-Happel-Stadion gegen die überforderte Austria, dem höchsten Derby-Sieg der Hütteldorfer seit über 37 Jahren, behaupteten sie am Sonntag in der Tipico-Bundesliga Rang drei und tankten Selbstvertrauen für das ÖFB-Cup-Semifinale am Mittwoch beim SK Puntigamer Sturm Graz.

Danach geht es gegen die Ligatopteams Admira (5.), Sturm (2.), LASK (4.) und Red Bull Salzburg (1.) um die endgültige Absicherung des Europacup-Platzes via Meisterschaft. Angesichts dieses Programms verzichtete Trainer Goran Djuricin auf überschäumende Emotionen nach dem Kantersieg über den Erzrivalen. „Ich muss das große Ganze sehen. Wir sind Dritter, dort wollen wir bleiben, aber mehr ist es nicht. Jetzt ist das große Ziel, ins Cupfinale zu kommen.“

Rapid Wien siegt im Derby klar

Austria stolpert im Happel-Stadion gegen Rapid in ein historisches Debakel: Das 0:4 ist die höchste Derby-Niederlage der Austrianer seit 1981.

Dennoch verhehlte der Wiener auch nicht seine Freude darüber, dass der Matchplan, die Austria kommen zu lassen und mit schnellen Gegenstößen den Erfolg zu suchen, aufgegangen war. „Wir waren im Umschaltspiel sehr gut und effizient“, so Djuricin. Das lag auch an der Leistung von Philipp Schobesberger. Der Oberösterreicher, zuletzt oft enttäuschend, blühte in seiner Rolle als Solospitze auf, auch weil ihm Austria viele Räume gab. Ein Tor, ein Assist und entscheidende Spieleröffnungen standen am Ende zu Buche.

Schobesberger war der Schlüssel zum Erfolg

Schon in den beiden vorangegangenen Derbys im Happel-Stadion war der 24-Jährige mit je einem Tor Rapids Matchwinner gewesen. „Der Schlüssel des Erfolgs war, dass Schobesberger ganz vorne gespielt hat“, sagte Djuricin. Der Held des Tages analysierte den Triumph lässig: „Wir haben die Austria an die Wand gespielt, viele Chancen herausgespielt. Wir haben sie aus dem eigenen Stadion geschossen.“ Die Kritik der vergangenen Wochen an seinen Leistungen konnte Schobesberger nicht ganz nachvollziehen.

Mit etwas mehr Nachdruck wären für Schobesberger und Co. sogar noch mehr Tore möglich gewesen, wie auch Thomas Murg bestätigte. „Der Sieg war verdient, aber wir hätten durchaus höher gewinnen können.“ Dabei handelte es sich jedoch nur um einen kleinen Wermutstropfen, denn immerhin gelang es Rapid als erstem Club, drei Auswärtsderbys in einer Saison zu gewinnen, da man auch im Cupachtelfinale bei der Austria die Oberhand behalten hatte. Zudem gab es keine Saisonniederlage gegen den Erzrivalen.

Hofmann: „Verpasst, ihnen richtig eine mitzugeben“

Diese eindrucksvolle Derby-Bilanz sorgte gepaart mit dem Jubel über vier Ligasiege in Folge für allgemeine Hochstimmung bei den Fans, von denen einige noch beim 2:1 in der Vorwoche gegen St. Pölten gepfiffen hatten. Am Sonntag feierte der grün-weiße Anhang die Spieler noch lange nach dem Schlusspfiff beim Auslaufen. Im Mittelpunkt stand dabei auch der in der 76. Minute eingewechselte Steffen Hofmann, der nach seinem wohl letzten Derby von seinen Teamkollegen vor den Fans auf den Schultern getragen wurde.

„Natürlich ist es sehr schön, wenn man so gefeiert wird, aber heute hätten sich das andere verdient. Sie haben ein richtig tolles Spiel gemacht“, meinte der 37-Jährige und ergänzte: „Bei aller Euphorie, die da ist - wir haben es verpasst, ihnen richtig eine mitzugeben.“ Hofmann hält bei 48 Derby-Einsätzen und 17 Siegen - einem mehr als Peter Schöttel, mit dem er sich die Bestmarke geteilt hatte.

Enttäuschte Austria-Spieler

GEPA/Christian Ort

Die Austria wurde im 326. Wiener Derby sportlich schwer gedemütigt

Rückschlag für Letsch

Für Austria-Coach Thomas Letsch war es das erste Derby, und es endete desaströs. „Im Nachhinein müssen wir froh sein, nur vier Tore bekommen zu haben“, gab der Deutsche zu. Auf die Ausfälle von Raphael Holzhauser, Tarkan Serbest, Kevin Friesenbichler, Stefan Stangl und Dominik Prokop wollte er die Niederlage nicht zurückführen. „Das wäre zu billig. Es wird immer wieder passieren, dass Spieler ausfallen, dann müssen andere in die Bresche springen.“ Letsch war mit vier Siegen aus fünf Partien gestartet.

Austria Wien peilt noch Europacup-Platz an

Das 0:4 gegen Rapid war zwar ein großer Rückschlag für die Austria im Kampf um einen möglichen Europacup-Platz, dieser bleibt aber weiterhin das erklärte Saisonziel.

Der Auftritt gegen Rapid lässt aber vermuten, dass die verordnete Philosophie weg vom Ballbesitzfußball hin zum verstärkten Pressing Turbulenzen verursachen könnte, auch wenn Letsch beschwichtigte: „Es war nicht zwingend ein taktisches Problem. Wenn man in der Vorwärtsbewegung einfache Ballverluste hat, ist es schwer.“ Diese Mängel gilt es schnell abzustellen, steht doch für die sechstplatzierte Austria die Europacup-Teilnahme auf dem Spiel. Der von der Admira gehaltene Platz fünf, der eventuell reicht, ist sechs Runden vor Schluss sieben Punkte entfernt.

Wurfgegenstand trifft Fotografin

Die Austria hat nach einem Vorfall im Derby ein weiteres Hausverbot verhängt. Ein Anhänger der Favoritner warf nach dem 2:0 des Gegners eine leere Rauchbombe Richtung Spielfeld und traf dabei eine Fotografin. Diese erlitt eine Platzwunde am Kopf. Die Austria forschte den Werfer mittels Videos und Fotos binnen Stunden aus. Man „bedauere den Vorfall“, hieß es am Montag vonseiten des Clubs. Neben dem Hausverbot für die eigenen Heimspiele wurde bei der Bundesliga auch ein bundesweites Stadionverbot für den Werfer beantragt.

Links: