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„Zurück zu alter Stärke finden“

Nach Platz vier beim GP von China am Sonntag hat Weltmeister Lewis Hamilton von einem „Wochenende zum Vergessen“ gesprochen. Schon im Qualifying klar hinter den beiden Ferraris und auch noch hinter seinem Mercedes-Teamkollege Valtteri Bottas, agierte der fünfmalige China-Sieger im Rennen geradezu leidenschaftslos und bekam seinen Boliden nicht in den Griff.

„Ich war im Niemandsland“, betonte der 33-jährige Brite, der trotz allem in der Weltmeisterschaft Boden gutmachte. Weil der am Ende sogar von Fernando Alonsos McLaren überholte WM-Leader Sebastian Vettel in China nach unverschuldeter Kollision mit Max Verstappen nur Achter wurde, liegt Hamilton nach drei Rennen nur noch neun Zähler hinter dem zweifachen Saisonsieger aus Deutschland.

Mercedes 2018 noch ohne Formel-1-Sieg

Nach den ersten drei Rennen in der Formel-1-Saison steht das Weltmeisterteam der letzten Jahre wegen sportlicher und strategischer Schwächen noch sieglos da.

Ein Problem mit den Reifen

Feierstimmung kam bei Mercedes dennoch nicht auf, auch wenn Bottas die Ehre der Silberpfeile als Zweiter hinter Red-Bull-Pilot Daniel Ricciardo noch einigermaßen rettete. Zu offensichtlich waren vor allem die Probleme mit den Reifen. In der Quali war es zu kalt, im Rennen überhitzten die Pneus: Das Temperaturfenster, in dem diese am Mercedes optimal arbeiten, sei zu klein, beklagte Motorsportchef Toto Wolff. Er glaubt, dass die Silberpfeile sonst sehr schnell sind. Doch: „In der Formel 1 gibt es nie eine rasche Lösung.“

Lewis Hamilton

APA/AFP/Johannes Eisele

Seit mittlerweile sechs Rennen stand Hamilton auf dem Stockerl nicht mehr ganz oben

Die muss aber bald kommen. Nach über einer halben Sekunde Rückstand im Qualifying sowohl von Bottas als auch von Hamilton auf die Bestzeit von Vettel herrschte bereits am Samstag Alarmstufe Rot. „Mir macht der Zeitunterschied Sorgen, eine halbe Sekunde ist sehr viel“, betonte etwa der Teamvorsitzende Niki Lauda im ORF-Interview. Erstmals seit 2013 stehen die Silberpfeile nach drei Rennen ohne Sieg da, Titelverteidiger Hamilton wartet saisonübergreifend schon sechs Rennen auf einen Erfolg. „Wir waren nur dritte Kraft“, meinte Wolff trotz des zweiten Platzes von Bottas.

Wolff gesteht Strategiefehler ein

Abermals musste Wolff in Schanghai zudem einen Strategiefehler eingestehen. Während Red Bull riskierte und beiden Piloten in der Safety-Car-Phase weiche Reifen aufzog, blieb Mercedes draußen. „Unsere Berechnungen sagten vorher, dass der Medium bis zum Ende halten würde und wir dachten, dass wir keinen großen Performance-Vorteil dadurch erhalten würden, wenn wir neue Soft-Reifen aufziehen würden. Aber der Vorteil war viel größer, als wir erwartet hatten“, gestand der Wiener.

Wolff hat jedoch keinen Zweifel daran, dass die Silberpfeile bald zurückschlagen werden. „In meinen Augen haben wir eine großartige Truppe. Wir werden unsere Köpfe zusammenstecken, ruhig bleiben, die Ärmel hochkrempeln und Lösungen finden“, betonte der Motorsportchef. „Wir haben ja gesehen, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Bei den Testfahrten und in Melbourne gab es Vorhersagen, dass wir die Weltmeisterschaft dominieren, weil das Auto so überlegen war. Und nach drei Rennen ist das jetzt nicht der Fall.“

„Müssen das geraderichten“

Hamilton kann davon jedenfalls ein Lied singen. „Das Auto war sehr instabil und lenkte in vielen Kurven nicht richtig ein. Wir haben da viel verloren“, rätselte der Brite, der mit dem Mercedes F1 W09 in China überhaupt nicht zurechtkam und sich nach seiner persönlichen „Katastrophe“ in China einen harten Weg zurück an die Spitze erwartet. „Ich und das Team müssen das wieder geraderichten und zurück zu alter Stärke finden“, meinte der Weltmeister. „Das war unter unserem Leistungsniveau.“

Der Brite, dessen neuer Millionenvertrag noch immer nicht verkündet wurde, wirkt derzeit unzufrieden mit sich und der PS-Welt. Wolff bemühte sich deshalb, seinen vierfachen Weltmeister zu besänftigen. „Er ist meiner Meinung nach der beste Fahrer, aber auch die besten haben Tage, an denen es einfach nicht 100 Prozent läuft“, meinte der Mercedes-Teamchef. „Wie das Auto war er an diesem Wochenende vielleicht nicht obenauf.“

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