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Liga noch mehr in der Pflicht

Wenn am Donnerstag bei der Eishockey-WM 2018 in Dänemark mit dem Viertelfinale die heiße Phase beginnt, sind Österreichs Teamspieler bereits wieder in der Heimat. Die knappe 3:4-Niederlage am Montag gegen Medaillenkandidaten Tschechien war ein respektabler Abschluss eines erfolgreichen Turniers. Der Klassenerhalt in der A-Gruppe ist aber nur der erste Schritt in die richtige Richtung.

Bereits am Samstag hatte die Mannschaft von Teamchef Roger Bader mit dem 4:0 über Weißrussland die Pflicht erfüllt und erstmals seit 2004 den Klassenerhalt geschafft. Trotz teils hoher Abfuhren wie gegen Schweden und Russland oder bitteren Niederlagen wie dem 2:5 gegen Frankreich erfüllten Michael Raffl und Co. die Minimalvorgabe. „Die Mannschaft war eine Einheit, sie ist aber nie auseinandergefallen“, sagte Teamchef Bader. „Als Außenseiter, und das sind wir auch nächstes Jahr, kann man nur als Team überzeugen.“

Ziel: Etablierung als A-Nation

Nachdem Österreich den Klassenerhalt bei der Eishockey-WM geschafft und im letzten Spiel gegen Tschechien eine solide Leistung gezeigt hat, möchte sich das Team nun als A-Nation etablieren.

„Gebracht, was notwendig war“

Auch Gernot Mittendorfer, seines Zeichens seit 2016 Präsident des Österreichischen Eishockeyverbandes (ÖEHV), zeigte sich nach seiner ersten A-WM zumindest mit dem Ergebnis zufrieden. „Im entscheidenden Spiel hat die Mannschaft genau das gebracht, was notwendig war. Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie es verdient“, so der ÖEHV-Boss, der den Spielern auch die ausgemachten 1.500 Euro Prämie für den Klassenerhalt gerne zahlte.

Szene aus dem Match Österreich gegen Weißrussland

GEPA/Andreas Pranter

Gegen Weißrussland spielten Stefan Ulmer (r.) und Co. die beste Partie des Turniers

Teamchef Bader, bei dem nach dem Sieg gegen Weißrussland erst langsam die Anspannung einer gewissen Erleichterung gewichen war, warnte jedenfalls vor allzu viel Euphorie. Denn davon, wirklich zu den 16 besten Nationen der Welt zu gehören, sei Österreich noch weit weg. „Ich habe das vorher gesagt und sage das auch jetzt: wir sind nicht A-Klasse, wir sind meilenweit davon entfernt. Es muss viel passieren, dass wir A-Klasse werden“, sagte der Schweizer.

Mehr Österreicher ins Ausland

Dass Österreichs Eishackler - einen Michael Raffl, der in der National Hockey League (NHL) sein Geld verdient, ausgenommen - mit der Intensität der Topnationen überfordert sind, war in Kopenhagen einmal mehr offensichtlich. Daher fordert Teamchef Bader mehr österreichische Legionäre in starken Ligen. „Wir brauchen mehr Spieler, die in guten Ligen spielen. Jeder Spieler, egal in welcher Liga, soll viel und in den wichtigen Situationen spielen“, sagte Teamchef Bader.

All jene, die es nicht in starke Ligen schaffen, sollen zumindest beim Nationalteam die Chance haben, sich gegen Topnationen zu beweisen, so der 53-Jährige Schweizer. „Das läuferische Tempo haben wir hingekriegt, es geht um die Spielintensität, wenig Zeit haben und gute Entscheidungen treffen. Das kann man nur im Spiel selber erleben. Wir brauchen 30, 40 Spiele gegen Topnationen“, so Bader.

ÖEHV-Präsident Gernot Mittendorfer

GEPA/Andreas Pranter

ÖEHV-Präsident Mittendorfer (Mitte) feierte den Klassenerhalt mitten unter den österreichischen Fans

Zumindest in dieser Hinsicht hilft der Klassenerhalt im nächsten Jahr. Österreich wird durch das Vorrücken in der Weltrangliste an der der Euro Hockey Challenge teilnehmen können und damit in der Vorbereitung auf die WM 2019 in der Slowakei auf Topnationen treffen. Tschechien soll an zwei Spielen interessiert sein. Vonseiten des Verbandes arbeitet man daran, auch wieder Kanada für ein Testspiel zu gewinnen. Die Nähe zur Slowakei soll dabei helfen.

Nachwuchs noch mehr forcieren

Der Klassenerhalt bei den Senioren soll auch der Nachwuchsarbeit einen weiteren Schub geben. So lautet zumindest der Wunsch von ÖEHV-Boss Mittendorfer. Denn im Juniorenbereich ist Österreich nur eine C-Nation. Für längerfristige Zugehörigkeit zu den Top 16 bedarf es aber stetigen Zuflusses von jungen Spielern. Der aktuelle WM-Gastgeber Dänemark, seit 2003 durchgehend in der A-Gruppe, zeigt es vor. Die U-20 der Dänen schaffte es 2016 und 2017 ebenfalls auf A-Niveau ins Viertelfinale.

Beim 2014 mit den Vereinsbossen der EBEL erarbeiteten Zehnjahresplan, an dessen Ende Österreich als Nation in den Top Zwölf etabliert sein soll, hinke man aktuell noch etwas nach, sei aber auf einem guten Weg, so Mittendorfer. „Wir sind nicht ganz dort von den Entwicklungsschritten. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, dass wir uns mit allen wieder zusammensetzen und schauen, wo stehen wir. Jetzt haben wir einen Schub, den sollten wir mitnehmen“, so der Verbandspräsident.

Vor allem die Goalie-Situation im Nationalteam wird über kurz oder lang prekär. Der Nachwuchspool an Torhütern ist überschaubar. Bernhard Starkbaum, neben Martin Schumnig und Peter Schneider für den Internationalen Eishockeyverband (IIHF) einer von Österreichs Spielern der WM, hat aktuell keinen neuen Vertrag. David Madlener und David Kickert droht in der kommenden Saison der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL) die Rolle als Ersatzmann. „Jeder Nationaltorhüter soll in seinem Club die Nummer eins sein“, fordert Bader daher wohl vergeblich.

Bernhard Starkbaum

GEPA/Andreas Prantner

Starkbaum wird auch nicht mehr ewig das österreichische Tor hüten

Das Problem mit den „Pappendeckeln“

Die Torhütersituation spiegelt aus Nationalteamsicht noch immer das Hauptproblem in der Liga wider: Die Clubs setzen weiterhin verstärkt auf - teilweise nicht einmal mittelmäßige - Legionäre. Österreichische Spieler bleiben dabei auf der Strecke oder müssen sich mit wenig tragenden Rollen begnügen. In der vergangenen Saison waren bei den acht österreichischen Clubs in der EBEL rund 100 Legionäre beschäftigt.

„Hoffentlich reagiert die Liga bald. Das tut weh, wenn man sieht, wie sich die Leute hier reinhauen. Der ‚Spanni‘ (Patrick Spannring, Anm.) bekommt in Linz einen Zweijahresvertrag, und der Trainer sagt, wir brauchen ihn nicht oder maximal in der vierten Linie. Wie geht das? Nur weil irgendein Pappendeckel aus Amerika herkommt. Für mich ist das leider immer noch unverständlich“, sagte NHL-Legionär Raffl und forderte einmal mehr eine Beschränkung der Legionäre.

Die wird es aber weiterhin so bald nicht geben, auch wenn die Verhandlungen über einen neuen Vertrag zwischen Verband und Liga anstehen. „Wir werden mit der Liga gemeinsam Ziele festlegen. Ich halte wenig von Druck. Man muss auch bei den Vereinen schauen, dass sie vernünftig mitspielen können, und wir müssen schauen, dass wir acht Vereine erhalten“, sagte ÖEHV-Chef Mittendorfer, „es geht nicht darum, Ausländer zu begrenzen, sondern Inländer zu fördern und die Ausländer obsolet zu machen. Wir werden versuchen, langsam Österreicher heranzuführen.“

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