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Olympique will Geschichte schreiben

Atletico Madrid kämpft um den bereits dritten Titel in der UEFA Europa League in den letzten acht Jahren. 2010 setzten sich die Spanier mit 2:1 nach Verlängerung gegen den FC Fulham durch, 2012 wurde Athletic Bilbao souverän mit 3:0 besiegt. Im Endspiel am Mittwoch in Lyon (20.45 Uhr) wartet auf Atletico nun Salzburg-Bezwinger Olympique Marseille, das erstmals seit 2004 wieder in einem europäischen Endspiel steht.

Frankreich ist in der langen Geschichte des UEFA-Cups bzw. der Europa League überhaupt noch ohne Titel. Luiz Gustavo weiß daher um die für viele wohl einzigartige Möglichkeit. „Das ist ein Finale, man arbeitet sein ganzes Leben für so eine Gelegenheit“, sagte Marseilles Abwehrchef, der 2013 mit Bayern München die Champions League gewonnen hat. Viele Tipps könne er seinen Mitspielern aber nicht geben. „Das Wichtigste ist, dass man Spaß hat.“

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Atletico-Coach Simeone auf der Tribüne

Als Favorit gilt aber Atletico, das nach den beiden EL-Titeln noch die Erfahrung von zwei - allerdings jeweils gegen Real Madrid verlorenen - Champions-League-Endspielen (2014, 2016) in die Waagschale werfen kann. Atletico verfügt um Abwehrchef Diego Godin über eine der besten Verteidigungen in Europa, die in La Liga nur 20 Gegentreffer hinnehmen musste. Im Tor steht mit Jan Oblak ein Goalie von Weltklasseformat. Im Angriff gibt es mit Antoine Griezmann und Diego Costa zwei Offensivkapazunder.

Bei Atletico gibt es aber auch zwei Nebenschauplätze, die die Vorbereitung störten. Coach Diego Simeone wird das Finale nur von der Tribüne aus erleben. Nach seinem Ausraster im Halbfinale gegen Arsenal wies die UEFA einen Einspruch des Argentiniers gegen die Sperre ab. „Traurigkeit“ fühle er deswegen, sagte der Atletico-Trainer am Dienstag. „Weil ich nicht so nah dran sein kann, wie ich es gerne würde.“ Im Finale wird Simeone von seinem Assistenten German Burgos vertreten werden.

Diego Simeone, Trainer von Atletico Madrid

APA/AFP/Oscar del Pozo

Simeone kann nicht an der Seitenlinie mitfiebern, sondern muss auf der Tribüne sitzen

Simeone erwartet „enges Spiel“

Überdies verärgerte die „Rojiblancos“ das Werben vom FC Barcelona um Griezmann. Dass der französische Stürmer, dessen Heimatort Macon nur 45 Minuten von Lyon entfernt liegt, seit Wochen vom spanischen Double-Gewinner umworben wird, „gefällt uns gar nicht“, sagte Mittelfeldspieler Koke. Das Finale wird wohl zur Abschiedsvorstellung von Griezmann und würde ihm somit die letzte Chance bieten, einen großen Titel mit den „Rot-Weißen“ zu gewinnen.

Für Trainer Simeone zählt ebenfalls nur der Titel. „Unmittelbar nach unserem Ausscheiden in der Champions League haben wir uns diesem Bewerb mit Hingabe gewidmet. Wir wurden als Titelkandidaten gehandelt und hier sind wir. Es ist alles angerichtet für ein großes Finale. Marseille hat sich in der Saison stark verbessert. Sie sind sehr gefährlich im Mittelfeld und im Angriff. Das wird sicher ein enges Spiel“, so Simeone.

UEFA Europa League, Finale

Beginn 20.45 Uhr:

Marseille - Atletico Madrid

Lyon, SR Kuipers (NED)

Mögliche Aufstellungen:

Olympique Marseille: Mandanda - Sarr, Sakai, Gustavo, Rami, Amavi - Payet, Zambo, Sanson, Ocampos - Thauvin

Atletico Madrid: Oblak - Juanfran, Gimenez, Godin, Filipe Luis - Gabi, Thomas, Saul Niguez, Koke - Griezmann, Diego Costa

Garcia sieht nur „kleine Siegeschance“

Marseille-Coach Rudi Garcia übte sich indes vor der Partie wie schon gegen Salzburg im Understatement. „Wir haben nur eine kleine Siegeschance, aber für die werden wir alles geben. Atletico ist für uns eine große Herausforderung. Dieser Club ist in den letzten vier Jahren zweimal im Champions-League-Finale gestanden. Aber das Finale in unserer Heimat ist für uns eine fantastische Gelegenheit. Noch kein französischer Club hat diesen Pokal gewonnen. Es wäre sensationell, wenn wir der erste wären“, sagte der 54-Jährige.

Marseille kann im Finale zudem auf seinen Offensivstar Dimitri Payet setzen. „Ich fühle mich deutlich besser und glaube, dass ich morgen spielen kann“, sagte der französische Nationalspieler am Dienstag und absolvierte anschließend das Abschlusstraining mit seinen Teamkollegen. Wegen einer Muskelverletzung hatte der 31-Jährige das 3:3-Unentschieden in der Ligue 1 bei EA Guingamp am vergangenen Freitag verpasst.

Für die Fans des Champions-League-Siegers von 1993 könnte es nichts Schöneres geben, als im Stadion des großen Rivalen Lyon nach 25 Jahren wieder einen Titel zu feiern. Zehntausende Fans werden die Franzosen anfeuern, mehr als 1.000 Polizisten sollen innerhalb und außerhalb des Stadions für Sicherheit sorgen. Marseilles Abwehrspieler Adil Rami warnte die eigenen Anhänger bereits davor, es zu übertreiben. „Ich hoffe, dass alles im Rahmen bleibt und nichts zerstört wird“, sagte der 32-Jährige. „Ich hoffe, wir sind alle intelligent genug, um diese Party nicht zu ruinieren.“

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