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Mischung aus Routiniers und Nachwuchs

Fußball-WM-Teilnehmer Serbien ist stets für eine Überraschung gut, und das nicht nur auf dem Platz. In Österreichs WM-Qualifikationsgruppe D aus Topf vier gezogen, löste Serbien als Tabellenerster das Ticket für Russland - und feuerte wenige Tage später Teamchef Slavoljub Muslin.

Begründet wurde die ungewöhnliche Maßnahme vom Verband mit der eher unattraktiven Spielweise und der Weigerung Muslins, auf aufstrebende Jungkicker wie Lazio-Mittelfeldspieler Sergej Milinkovic-Savic zu bauen. Der neue Nationaltrainer Mladen Krstajic hingegen setzte die Vorgabe gehorsam um und holte für seine ersten Länderspiele neben Milinkovic-Savic auch weitere Youngsters, die 2015 sensationell U20-WM-Gold geholt hatten.

Serbiens U20-Spieler jubeln nach dem WM-Titel 2015

APA/AFP/Michael Bradley

Vor drei Jahren holte Serbiens Nachwuchs bereits einen WM-Titel

Nur auf die Jugend allein zu vertrauen wird in Russland allerdings zu wenig sein. Deshalb verfügt die Mannschaft mit dem 33-jährige Kapitän Branislav Ivanovic, dem 32-jährigen Flügelspieler Aleksandar Kolarov und dem 34-jährigen Goalie Vladimir Stojkovic auch über ein routiniertes Rückgrat. Dieses Trio war schon bei der bisher letzten serbischen Turnierteilnahme, der WM 2010, mit von der Partie.

In Südafrika nach Gruppenphase out

In Südafrika hieß es mit drei Punkten aus drei Spielen nach der Gruppenphase Abschied nehmen, immerhin gelang ein 1:0-Erfolg gegen Deutschland. Vier Jahre davor war man - damals noch als Serbien-Montenegro, allerdings mit nur einem Spieler aus Montenegro - bei der Endrunde in Deutschland dabei gewesen, wo für den Gruppenletzten ohne Zähler das frühe Aus kam. Die Weltmeisterschaft 2014 sowie die Europameisterschaften 2012 und 2016 wurden klar verpasst, weshalb Serbien im August 2015 sogar auf Platz 66 der FIFA-Weltrangliste abstürzte.

Steckbrief Serbien

Hauptstadt: Belgrad
Einwohner: 7,05 Mio.

  • Teamchef: Mladen Krstajic
  • FIFA-Weltrangliste: 34. (7. Juni)
  • WM-Teilnahmen (inkl. 2018): 2 als Serbien (2010, 2018)
  • Größte Erfolge (als Teil Jugoslawiens): WM-Vierter 1930, 1962, zweifacher Vizeeuropameister (1960, 1968)

Seit der Eigenständigkeit des Verbandes 2006 blieben also die großen Triumphe aus. Dafür darf sich Serbien laut FIFA- und UEFA-Beschluss die Erfolge Jugoslawiens an die Fahnen heften: Der Vielvölkerstaat wurde 1960 und 1968 jeweils Vizeeuropameister und kam bei Weltmeisterschaften zweimal ins Semifinale (1930, 1962) sowie dreimal ins Viertelfinale (1954, 1958, 1990).

Ein ähnliches Husarenstück scheint diesmal nur schwer wiederholbar zu sein. In einer Gruppe mit Brasilien, der Schweiz und Costa Rica gelten die Serben im Kampf um die beiden Aufstiegsplätze als Außenseiter. Und sollte man es doch ins Achtelfinale schaffen, könnte dort Titelverteidiger Deutschland warten.

Kader Serbien

Tor: Vladimir Stojkovic (Partizan Belgrad), Predrag Rajkovic (Maccabi Tel Aviv/ISR), Marko Dmitrovic (Eibar/ESP)

Abwehr: Antonio Rukavina (Villarreal/ESP), Dusko Tosic (Besiktas Istanbul/TUR), Uros Spajic (RSC Anderlecht/BEL), Branislav Ivanovic (Zenit St. Petersburg/RUS), Aleksandar Kolarov (AS Roma/ITA), Milos Veljkovic (Werder Bremen/GER), Milan Rodic (Roter Stern Belgrad), Nikola Milenkovic (Fiorentina/ITA)

Mittelfeld: Luka Milivojevic (Crystal Palace/ENG), Andrija Zivkovic (Benfica Lissabon/POR), Dusan Tadic (Southampton/ENG), Marko Grujic (Cardiff/WAL), Filip Kostic (Hamburger SV/GER), Sergej Milinkovic-Savic (Lazio Rom/ITA), Nemanja Matic (Manchester United/ENG), Adem Ljajic (Torino/ITA)

Angriff: Aleksandar Prijovic (PAOK Saloniki/GRE), Aleksandar Mitrovic (Fulham/ENG), Nemanja Radonjic (Roter Stern Belgrad), Luka Jovic (Eintracht Frankfurt/GER)

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