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„Maximum“ als Anspruch

Deutschland gilt bei der Fußball-WM 2018 in Russland nach den jüngsten Auftritten auf großer Turnierbühne als ganz heißer Anwärter auf den Triumph. Sollte den Schützlingen von Teamchef Joachim Löw das „WM-Double“ gelingen, wäre es ein historisches. Die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat die Möglichkeit, mit dem fünften Titel mit WM-Rekordsieger Brasilien gleichzuziehen.

Zwei WM-Titel in Folge wären für den Weltmeister der Jahre 1954, 1974, 1990 und 2014 eine Premiere. Dieses Kunststück haben bisher nur Italien (1934, 1938) und Brasilien (1958, 1962) geschafft. Für die Deutschen war nach einem WM-Erfolg bisher das Halbfinale 1958 das Höchste der Gefühle. 1978 gab es nach der Cordoba-Schmach gegen Österreich das Out in der zweiten Gruppenphase, 1994 war im Viertelfinale Endstation.

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„Wir können Historisches schaffen: Weltmeister, Confed-Cup-Sieger und noch einmal Weltmeister - das hat es noch nie gegeben“, sagte DFB-Teamchef Joachim Löw und verkündete „das Maximum“ als Anspruch: „Das Ziel muss für uns alle sein, den Titel zu gewinnen.“ Auch Manager Oliver Bierhoff stellte das Unternehmen Titelverteidigung unter eine klare Überschrift: „Wir wollen in Russland wieder WM-Geschichte schreiben.“

Deutsche Mannschaft nach dem WM-Sieg in Brasilien 2014 mit Pokal

GEPA/Fotoarena/Mexsport/Osvaldo Aguilar

Deutschland will als drittes Land in der Fußballgeschichte das Double schaffen

„Eine ganz schwierige Aufgabe“

„Es wird eine ganz schwierige Aufgabe, wenn wir sehen, wo die vorangegangen Weltmeister gelandet sind“, mahnte Oliver Bierhoff. Die jüngsten drei europäischen Weltmeister - Frankreich (1998), Italien (2006) und Spanien (2010) - kamen bei der nächsten Auflage nicht einmal in die K.-o.-Phase.

Die mutmaßlich größten Konkurrenten wie Spanien, Brasilien, Argentinien und Frankreich haben die Deutschen intensiv studiert und die eigenen Stärken vorangetrieben. Auch England und Belgien traut Löw eine positive Überraschung zu. „Jede Mannschaft wird gegen uns topmotiviert antreten. Als amtierender Weltmeister sind wir die Gejagten. Darauf müssen wir vorbereitet sein“, sagte Toni Kroos. Der Real-Madrid-Star ist einer von neun Brasilien-Siegern von 2014.

Neun WM-Finalisten am Start

Den WM-Titel Nummer vier hat der Großteil des Teams noch in guter Erinnerung. Neben Kroos standen damals auch Goalie Manuel Neuer, Jerome Boateng, Mats Hummels, Mesut Özil und Thomas Müller, der bei den jüngsten beiden WM-Auflagen je fünfmal traf, beim 1:0-Finalsieg nach Verlängerung gegen Argentinien 2014 in Rio de Janeiro in der Startformation.

An ihrem Standing im Team, das zuvor im Halbfinale Gastgeber Brasilien mit 7:1 abgefertigt hatte, hat sich bis dato wenig geändert. Fehlende Routine sollte also auf dem Weg zur erfolgreichen Titelverteidigung für die „Turniermannschaft“ kein Thema sein.

Steckbrief Deutschland

Hauptstadt: Berlin
Einwohner: 82,7 Mio.

  • Teamchef: Joachim Löw
  • FIFA-Weltrangliste: 1. (7. Juni)
  • WM-Teilnahmen (inkl. 2018): 19
  • Größte Erfolge: vierfacher Weltmeister (1954, 1974, 1990, 2014), dreifacher Europameister (1972, 1980, 1996), vierfacher WM-Finalist (1966, 1982, 1986, 2002), dreifacher EM-Finalist (1976, 1992, 2008)

Zehn Spiele, zehn Siege

Die Qualifikation war für die DFB-Truppe, die das EM-Halbfinal-Aus gegen Frankreich vergessen machen will, einmal mehr ein Spaziergang. Zehn Spiele, zehn Siege, 43:4 Tore sagen alles. Nur das 2:1 in Tschechien war knapp, sonst siegten die Deutschen mit mindestens zwei Toren Differenz. Weitere Gegner waren Nordirland, Norwegen, Aserbaidschan und San Marino. Jetzt warten größere Aufgaben - in der Gruppe F sind Mexiko, Schweden und Südkorea die Gegner.

Taktikfuchs Löw wird ein Rezept haben, er hat das Team seit seiner Bestellung im Juli 2006 aufgebaut und über die Jahre hinweg stetig weiterentwickelt. Unter dem Langzeittrainer, Ex-Coach der Wiener Austria und des FC Tirol, gelang bei jedem großen Turnier der Sprung aufs Stockerl. Auf WM-Ebene gab es die Ränge drei (2006, 2010) und eins (2014), bei der EM die Plätze zwei (2008) und drei (2012, 2016/jeweils Halbfinal-Teilnahme, kein Spiel um Platz drei).

Kader Deutschland

Tor: Manuel Neuer (Bayern München), Kevin Trapp (Paris Saint-Germain/FRA), Marc-Andre ter Stegen (FC Barcelona/ESP)

Abwehr: Marvin Plattenhardt (Hertha BSC), Jonas Hector (1. FC Köln), Matthias Ginter (Borussia Mönchengladbach), Mats Hummels (Bayern München), Niklas Süle (Bayern München), Antonio Rüdiger (Chelsea/ENG), Jerome Boateng (Bayern München), Joshua Kimmich (Bayern München)

Mittelfeld: Sami Khedira (Juventus Turin/ITA), Julian Draxler (Paris Saint-Germain/FRA), Toni Kroos (Real Madrid/ESP), Mesut Özil (Arsenal/ENG), Marco Reus (Borussia Dortmund), Thomas Müller (Bayern München), Leon Goretzka (Schalke 04), Sebastian Rudy (Bayern München), Julian Brandt (Bayer Leverkusen), Ilkay Gündogan (Manchester City/ENG)

Angriff: Timo Werner (RB Leipzig), Mario Gomez (VfB Stuttgart)

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