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Letzte Chance für Messi

Es könnte Lionel Messis letzte Chance zur Vollendung sein. Er braucht diesen Triumph, er will diesen Titel: Fußballweltmeister. Am 24. Juni wird Messi 31 Jahre alt. Seine Generation ist in die Jahre gekommen. Dennoch steht und fällt in der „Albiceleste“ alles mit Messi. Er war es auch, der den Vizeweltmeister vor der Blamage bewahrte, erstmals seit 38 Jahren eine WM-Endrunde zu verpassen.

Denn es sah ganz schlecht aus für den 16-fachen Endrundenteilnehmer Argentinien. Nach dem verlorenen Finale von Rio 2014 gegen die deutsche Mannschaft übernahm Gerardo Martino den Trainerposten von Alejandro Sabella. Aber nur zwei Jahre, dann kam Egardo Bauza, der nicht einmal ein Jahr schaffte.

Argentiniens Teamchef Jorge Sampaoli

APA/AP/Francisco Seco

Viel wird bei der WM für Argentinien davon abhängen, ob Coach Jorge Sampaoli die richtige Mischung im Team findet

Im Juni übernahm Jorge Sampaoli, Argentinier, der mit Chile bei der Copa America 2015 sein Heimatland im Finale bezwungen hatte. Doch auch unter Sampaoli musste Argentinien um die WM-Teilnahme bangen, erst ein Messi-Dreierpack beim finalen 3:1 in Ecuador brachte Gewissheit.

Die Bühne ist vorbereitet

Messis WM-Traum ist auch der Kampf gegen ein WM-Trauma. Bei großen Turnieren mit seinem Heimatland blieb ihm der Erfolg bisher verwehrt. Diego Maradona, die andere Ikone im argentinischen Fußball, hat seine Nation 1986 zum WM-Titel geführt. Er steht deshalb trotz aller Eskapaden für viele Landsleute noch immer über dem 30-jährigen Barcelona-Torjäger.

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Russland soll nun Messis Bühne werden. 2006 in Deutschland an Deutschland im Viertelfinale gescheitert, 2010 in Südafrika im Viertelfinale an Deutschland gescheitert, 2014 im Finale an der DFB-Mannschaft. Bei der Copa America war für Messi 2007, 2015 und 2016 das Finale Endstation. Als einziger Titel mit der „Albiceleste“ steht Olympiagold 2008 zu Buche, der Titel ist im Fußball aber mehr Beiwerk denn relevanter Gradmesser.

Auf die Mischung kommt es an

Eine Schlüsselfigur bei Messis vielleicht letzter WM-Mission wird in Russland Sampaoli sein. Der 58-jährige Coach ist ein überzeugter Verfechter eines Fußballs offensiver Prägung, das stellte der Argentinier 2012 bis 2016 im Nachbarland Chile unter Beweis. Wenn es ihm gelingt, aus einem unerschöpflichen Potenzial von Offensivspielern die richtige Mischung zu finden, stehen die Chancen für einen langen Verbleib im Turnier nicht schlecht.

Argentiniens Gonzalo Higuain im Testspiel gegen Haiti

APA/AP/Victor R. Caivano

Gonzalo Higuain ist bei Juventus Turin immer für Treffer gut, im Team hatte der Stürmer zuletzt eher eine Torhemmung

Während der Südamerika-Qualifikation gingen die Vorstellungen von Sampaoli nur ansatzweise auf. Lediglich 19 Tore gelangen dem Team in der Qualifikation, wobei Messi sieben Tore erzielte. Von den neun Konkurrenten traf nur Bolivien (16) weniger. Spieler wie Sergio Aguero, Gonzalo Higuain, Angel Di Maria und Paolo Dybala zeigten ihre teilweise herausragenden Leistungen beim Club im Nationalteam bestenfalls sporadisch. Deswegen griff Sampaoli mitunter auf weniger bekannte Optionen wie Dario Benedetto von den Boca Juniors zurück, der allerdings wegen eines Kreuzbandrisses die WM verpasst.

Verletzter Stammkeeper hinterlässt Lücke

Außerdem muss Argentinien auf seinen erfahrenen Stammkeeper Sergio Romero verzichten. Der Ersatztorwart von Manchester United zog sich Ende Mai eine Verletzung am rechten Knie zu. Bereits beim 1:6 im Testspiel Ende März gegen Spanien hatte sich Romero an dem Knie verletzt.

Steckbrief Argentinien

Hauptstadt: Buenos Aires
Einwohner: 43,8 Mio.

  • Teamchef: Jorge Sampaoli
  • FIFA-Weltrangliste: 5. (7. Juni)
  • WM-Teilnahmen (inkl. 2018): 17
  • Größte Erfolge: zweifacher Weltmeister (1978, 1986), dreifacher Vizeweltmeister (1930, 1990, 2014), 14-facher Copa-America-Sieger (zuletzt 1993), Olympiasieger 2004 und 2008

Sampaoli nominierte daher den 32-jährigen Nahuel Guzman nach. Er war zunächst auf der Liste mit 35 möglichen WM-Kandidaten gestanden, war dann aber aussortiert worden. Guzman spielt für den mexikanischen Erstligisten Tigres UANL und komplettiert nun das Torwarttrio mit Wilfredo Caballero vom FC Chelsea und Franco Armani von River Plate.

Romeros Ausfall trifft die Argentinier hart, er war bei den letzten Weltmeisterschaften immer im Tor gesetzt. Große Länderspielerfahrung bringen die drei, die nun als WM-Keeper infrage kommen, nicht mit. Caballero kommt gerade einmal auf zwei Einsätze - mit 36 Jahren. Beim FC Chelsea hat er gegen Thibaut Courtois keine Chance. Drei Einsätze waren es in der abgelaufenen Saison. Armani kommt mit 31 Jahren auf null Einsätze im Trikot der Argentinier. Guzman absolvierte sechs Partien.

Die Gegner lauern

Klar ist, dass sich Argentinien in Gruppe D Anlaufschwierigkeiten wie in der Quali oder Aussetzer wie beim freundschaftlichen 1:6 gegen Spanien im März nicht erlauben darf. Aus dem Trio Kroatien, Nigeria und Island wird kein Team einen billigen Punktelieferanten abgeben. Den Auftakt macht der zweimalige Weltmeister (1978, 1986) am 16. Juni gegen Island.

Kader Argentinien

Tor: Nahuel Guzman (Tigres/MEX), Franco Armani (River Plate), Wilfredo Caballero (Chelsea/ENG)

Abwehr: Gabriel Mercado (FC Sevilla/ESP), Nicolas Tagliafico (Ajax Amsterdam/NED), Cristian Ansaldi (Torino/ITA), Federico Fazio (AS Roma/ITA), Marco Acuna (Sporting Lissabon/POR), Javier Mascherano (Hebei Fortune/CHN), Marcos Rojo (Manchester United/ENG), Nicolas Otamendi (Manchester City/ENG), Eduardo Salvio (Benfica Lissabon/POR)

Mittelfeld: Lucas Biglia (AC Milan/ITA), Ever Banega (FC Sevilla/ESP), Angel di Maria (Paris Saint-Germain/FRA), Maximiliano Meza (Independiente), Enzo Perez (River Plate), Giovani Lo Celso (Paris Saint-Germain/FRA), Cristian Pavon (Boca Juniors)

Angriff: Gonzalo Higuain (Juventus Turin/ITA), Lionel Messi (FC Barcelona/ESP), Sergio Agüero (Manchester City(ENG), Paulo Dybala (Juventus Turin/ITA)

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