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Gute Chancen in Gruppe D

20 Jahre nach dem sensationellen dritten Platz bei der WM in Frankreich nimmt sich Kroatien bei der Weltmeisterschaft in Russland einmal mehr Großes vor. Der Endrundendauergast, der seit 1996 bei zehn von zwölf Europa- bzw. Weltmeisterschaften vertreten war, rechnet sich in einer Gruppe mit Argentinien, Island und Nigeria gute Chancen aus. Dabei war die Qualifikation kein Selbstläufer.

Wie schon in der EM-Qualifikation davor, wurde der Trainer noch vor dem Ende der Quali ausgetauscht. Ante Cacic, der 2015 Niko Kovac beerbt hatte, machte vor dem letzten und entscheidenden Gruppenspiel im Oktober 2017 Platz für Zlatko Dalic. Kroatien gewann die Partie gegen den direkten Konkurrenten Ukraine schließlich mit 2:0 und schaffte als Zweiter hinter Island den Sprung ins Play-off. Dort agierte man wieder souverän und zwang die Griechen mit 4:1 und 0:0 zum Daheimbleiben.

Kroatiens Teamchef Zlatko Dalic

APA/AP/Dave Thompson

Zlatko Dalic hat das kroatische Nationalteam zum richtigen Zeitpunkt übernommen

Ein erster Erfolg für Dalic, der nun auch auf der Weltbühne nachlegen möchte. „Mein Traum ist wahr geworden“, schwärmte der 51-Jährige, für den es auch jobtechnisch der eindeutige Höhepunkt ist. Zuvor war der ehemalige Erstligakicker als Trainer lediglich bei kleineren Clubs seiner Heimat bzw. in Albanien sowie im arabischen Raum tätig.

Kader gespickt mit Spitzenspielern

Nun verfügt Dalic über einen der zehn wertvollsten Kader der WM, gespickt mit großen Namen. Das Herzstück seiner großteils aus Legionären bestehenden Truppe ist das Mittelfeld, das mit Luka Modric (Real Madrid) und Ivan Rakitic (FC Barcelona) zwei echte Größen aufbietet. Mit dem 24-jährigen gebürtigen Linzer und ehemaligen LASK-Jugendspieler Mateo Kovacic steht ein weiterer Legionär von Real Madrid zur Verfügung.

Steckbrief Kroatien

Hauptstadt: Zagreb
Einwohner: 4,30 Mio.

  • Teamchef: Zlatko Dalic
  • FIFA-Weltrangliste: 20. (7. Juni)
  • WM-Teilnahmen (inkl. 2018): 5 (1998, 2002, 2006, 2014, 2018)
  • Größte Erfolge: WM-Dritter 1998, EM-Viertelfinale 1996 und 2008

Dank Mario Mandzukic (Juventus Turin), Ivan Perisic (Inter Mailand) und Nikola Kalinic (AC Milan) ist auch der Sturm bestens besetzt. Mit Salzburgs Innenverteidiger Duje Caleta-Car steht auch einer von zwei Bundesliga-Kickern bei der WM - der andere ist sein südkoreanischer Clubkollege Hwang Hee Chan - im Aufgebot. Der 21-Jährige feierte am Sonntag bei der 0:2-Niederlage in Liverpool gegen Brasilien sein Teamdebüt.

Dass man in der WM-Gruppenphase erneut auf Island trifft, das man in der Quali zu Hause mit 2:0 besiegte, und dem man auswärts mit 0:1 unterlag, ist kurios. Dalic zeigte sich jedenfalls optimistisch. „Ich glaube, dass der Stolz und der Patriotismus, den unsere Kicker bei Spielen für Kroatien zeigen, ein sehr wichtiges Attribut ist“, meinte der Teamchef. „Das müssen wir mit unserer Qualität kombinieren. Wenn wir das schaffen, haben wir eine gute Chance, unsere Ziele zu erreichen.“

Potenzial für die große Sensation

Welches Potenzial die Kroaten haben, bewies auch der Europacup. Im Champions-League-Finale standen drei Kroaten in den beiden Teams: Modric und Kovacic bei Real Madrid, Dejan Lovren beim FC Liverpool. Sime Vrsaljko gewann mit Atletico Madrid die Europa League. „Wir haben zum sechsten Mal in Folge einen Champions-League-Sieger“, sagte Nationaltrainer Dalic stolz: „Das zeigt die Qualität der kroatischen Mannschaft und erlaubt uns, mit Optimismus in die WM zu gehen.“

Auf die Frage, ob Kroatien die Überraschung der WM wird, antwortete Hoffenheim-Stürmer Andrej Kramaric im „kicker“: „Das hätten wir schon bei der EM werden können.“ Als Gruppensieger vor Spanien verloren die Kroaten im Achtelfinale gegen den späteren Europameister Portugal nach Verlängerung. Und diesmal? „Wenn wir die Gruppe überstehen, ist alles möglich“, sagte Kramaric.

Kader Kroatien

Tor: Dominik Livakovic (Dinamo Zagreb), Lovre Kalinic (KAA Gent/BEL), Danijel Subasic (AS Monaco/FRA)

Abwehr: Sime Vrsaljko (Atletico Madrid/ESP), Ivan Strinic (Sampdoria Genua/ITA), Vedran Corluka (Lok Moskau/RUS), Dejan Lovren (Liverpool/ENG), Tin Jedvaj (Bayer Leverkusen/GER), Duje Caleta-Car (Red Bull Salzburg/AUT), Domagoj Vida (Besiktas Istanbul/TUR), Josip Pivaric (Dynamo Kiew/UKR)

Mittelfeld: Ivan Rakitic (FC Barcelona/ESP), Mateo Kovacic (Real Madrid/ESP), Luka Modric (Real Madrid/ESP), Marcelo Brozovic (Inter Mailand/ITA), Filip Bradaric (HNK Rijeka), Martin Badelj (Fiorentina/ITA)

Angriff: Ivan Perisic (Inter Mailand/ITA), Andrej Kramaric (Hoffenheim/GER), Nikola Kalinic (AC Milan/ITA), Mario Mandzukic (Juventus Turin/ITA), Ante Rebic (Eintracht Frankfurt/GER), Marko Pjaca (Schalke 04/GER)

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