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Viertelfinale als Ziel

Nigerias „Superadler“ haben sich für die Weltmeisterschaft wieder einmal viel vorgenommen. Als erstes afrikanisches Team für Russland qualifiziert, haben die Westafrikaner die erstmalige Teilnahme am Viertelfinale als realistisches Ziel ins Auge gefasst. Ein Vorteil dabei: Anders als bei vorangegangenen WM-Starts herrscht bei Nigeria aktuell kein Chaos in der Vorbereitung.

Der deutsch-französische Nationaltrainer Gernot Rohr konnte schon Mitte Jänner eine Marschroute bis zur Abreise nach Russland präsentieren. Schon im November wurde eine Einigung über die WM-Prämien bekanntgegeben. Die Debatte darüber hatte vor der Endrunde in Brasilien 2014 zu einem Trainingsstreik wenige Tage vor dem Auftaktspiel geführt.

Ungewohnte Ruhe im Team

„Das ist das erste Mal, seit ich beim A-Team spiele, dass alles festgelegt ist“, berichtete Kapitän John Obi Mikel. Der langjährige Chelsea-Legionär spielt zwar nun in China für Tianjin Teda, ist aber ein Teil jenes Gerüsts, auf das Rohr baut. Ein Teil dessen sind auch starke Legionäre. So stehen die Offensivkräfte Victor Moses (Chelsea), Kelechi Iheanacho (Leicester) und Alex Iwobi (Arsenal) in der Premier League unter Vertrag.

Nigerias Teamchef Gernot Rohr mit Spielern

APA/AFP/Ian Kington

Gernot Rohr hat es geschafft, Ruhe in das Team der „Superadler“ zu bringen

Dazu kommen noch Profis aus Spaniens Primera Division, Italiens Serie A und der deutschen Bundesliga. Ein richtiger Starspieler fehlt jedoch. Probleme bereitet Rohr die Torhüterposition. Bei Stammkeeper Carl Ikeme wurde im vergangenen Sommer Leukämie diagnostiziert, seine Ersatzleute konnten noch nicht richtig überzeugen.

Steckbrief Nigeria

Hauptstadt: Abuja
Einwohner: 186 Mio.

  • Teamchef: Gernot Rohr (GER/FRA)
  • FIFA-Weltrangliste: 48. (7. Juni)
  • WM-Teilnahmen (inkl. 2018): 6 (1994, 1998, 2002, 2010, 2014, 2018)
  • Größte Erfolge: dreifacher Afrikameister (1980, 1994, 2013), Olympiasieger 1996, WM-Achtelfinale 1994, 1998, 2014

Wiedersehen mit Argentinien

Der Startschuss in die WM erfolgt für Nigeria am 16. Juni gegen Kroatien, ehe in Gruppe D noch Island und Argentinien warten. Mit dem zweifachen Weltmeister aus Südamerika bekommt es Nigeria kurioserweise zum schon fünften Mal bei sechs WM-Starts zu tun. Die Afrikaner haben alle bisherigen vier Duelle verloren. „Wir wollten nicht gegen Messi spielen, aber so ist es nun einmal“, sagte Victor Moses.

Der seit einigen Jahren in Afrika (Gabun, Niger, Burkina Faso) tätige Rohr peilt mit seiner Auswahl nichtsdestoweniger einen Coup an, den die „Super Eagles“ in ihrer Geschichte noch nicht geschafft haben. Ein WM-Viertelfinale blieb für Nigeria bei drei Achtelfinal-Teilnahmen (1994, 1998, 2014) bisher außer Reichweite.

Der 64-jährige Rohr, im Herbst 2005 für einige Monate Nachwuchskoordinator bei Red Bull Salzburg, genießt jedenfalls (vorerst) das Vertrauen des nigerianischen Verbandes. Dieser wechselte nach der WM 2014 siebenmal den Teamchef, ehe der gebürtige Mannheimer mit französischer Staatsbürgerschaft im August 2016 übernahm. Die Qualifikation für die WM schaffte Nigeria in einer unangenehmen Gruppe mit Kamerun, Sambia und Algerien souverän.

Kader Nigeria

Tor: Ikechukwu Ezenwa (Enyimba), Daniel Akpeyi (Chippa United/RSA), Francis Uzoho (Deportivo La Coruna/ESP)

Abwehr: Bryan Idowu (Amkar Perm/RUS), Elderson Echiejile (Cercle Brügge/BEL), William Ekong (Bursaspor/TUR), Leon Balogun (FSV Mainz/GER), Abdullahi Shehu (Bursaspor/TUR), Chidozie Awaziem (Nantes/FRA), Tyronne Ebuehi (ADO Den Haag/NED), Kenneth Omeruo (Kasimpasa/TUR)

Mittelfeld: Onyinye Ndidi (Leicester City/ENG), Oghenekaro Etebo (Las Palmas/ESP), John Obi Mikel (Tianjin Teda/CHN), Joel Obi (Torino/ITA), Ogenyi Onazi (Trabzonspor/TUR), John Ogu (Hapoel Beer Sheva/ISR)

Angriff: Ahmed Musa (ZSKA Moskau/RUS), Odion Ighalo (Changchun Yatai/CHN), Victor Moses (Chelsea/ENG), Simeon Nwankwo (Crotone/ITA), Kelechi Iheanacho (Leicester City/ENG), Alex Iwobi (Arsenal/ENG)

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