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„Nicht mein letztes Grand-Slam-Finale“

Enttäuscht, aber gefasst hat Dominic Thiem sein erstes Grand-Slam-Finale bilanziert, das ihm bei den French Open in Paris kein Happy End beschert hatte. „Die Leistung war echt in Ordnung. Es war ein Kampf“, erklärte Thiem nach dem 4:6 3:6 2:6 im Finale gegen den spanischen Sandplatzkönig Rafael Nadal. Der 24-jährige Niederösterreicher gab gleich eine Devise aus: „Ich bin sicher, dass es nicht mein letztes Grand-Slam-Finale war.“

Das mit vier leichten Fehlern abgegebene Aufschlaggame zum 4:6 im ersten Satz wollte Thiem nicht als Schlüssel für die Niederlage sehen. Denn auch wenn man gegen einen Nadal nicht gern in Rückstand gerät, besonders gesteigert habe sich dieser dann nicht. „Er hat sein Level gehalten, am Schluss hat er sogar ein paar Probleme gekriegt und einen Krampf im Schlagarm gehabt. Aber das habe ich nicht mehr ausnutzen können, weil der Stand dann schon zu schlecht war.“

Thiem verliert gegen Nadal

In seinem ersten Finale in Paris kann Dominic Thiem den Spanier Rafael Nadal nicht stoppen, er muss sich dem Weltranglistenersten nach hartem Kampf in drei Sätzen geschlagen geben.

Für Thiem war die Niederlage gegen den Weltranglistenersten, die sich unter anderem auch vor den Augen von Zinedine Zidane, Hugh Grant und Jean-Paul Belmondo zutrug, schon eine große Enttäuschung. „Das Glas ist halbvoll, nicht halbleer, das ist klar. Ich bin jetzt enttäuscht und leer und zurzeit ein bisserl zerstört, aber generell waren es zwei sehr gute Wochen. Ein Grand-Slam-Finale ist etwas sehr Besonderes, es war auch ein langer, anstrengender Weg bis dahin. Dass ich verloren habe, tut mir sehr weh, aber es ist auch eine große Motivation für mich, mich zu verbessern.“

„An ultimativer Hürde gescheitert“

Nun hat Thiem auch sein erstes Endspiel auf größter Tennisbühne hinter sich, eine Erfahrung, von der er in Zukunft zehren will und wird. „Ich habe sechs richtig gute Gegner geschlagen und dann bin ich an der ultimativen Hürde gescheitert. Das Finale war jetzt alles andere als schlecht.“

Thiem spürte nach dem Turnier in Lyon, wo er sich mit dem zehnten Titel in French-Open-Form gebracht hatte, und den zwei Wochen in Paris einen „Spannungsabfall“. „Ich war in den letzten drei Wochen unter Strom, was auch gut ist, weil dann spiele ich am besten.“ Nun möchte der neue Weltranglistensiebente und ATP-Race-Fünfte zwei, drei Tage keinen Schläger angreifen und sich dann auf die Rasensaison vorbereiten. Halle und dann Wimbledon sind vor einem Sandplatzintermezzo in Hamburg und Kitzbühel die nächsten Einsätze des Lichtenwörthers.

Coach Bresnik bilanziert kritisch

Sein Coach Günter Bresnik sah den Ausgang des Finales nüchtern. „Dominic hat unverhältnismäßig mehr Fehler gemacht als der andere. Er hatte 42 unerzwungene Fehler, der andere 24.“ Bei den Winnern habe sein Schützling nur acht mehr. „Er hat in den entscheidenden Punkten nicht gut gespielt. Ich finde, dass er über weite Strecken des Matches gut gespielt hat, aber es hat nie richtig zusammengepasst.“

Dominic Thiem

APA/AFP/Thomas Samson

Thiem kämpfte gegen Nadal vergeblich, zu viele unerzwungene Fehler ebneten dem Spanier den Weg zum Sieg

Die Bilanz der vergangenen drei Wochen ist aber freilich klar positiv, auch für Bresnik. „Dominic ist nach der frühen Niederlage in Rom sicher nicht ganz glücklich nach Lyon gefahren. Wie er sich dort in Form gebracht hat, war für mich beeindruckend. Wie er das dann hier über zwei Wochen in Paris fortgesetzt hat, ringt auch mir immer wieder Bewunderung ab.“

Im Finale habe Thiem nicht ganz auf dem Niveau der Vorrunden gespielt. „Aber das ist zum Großteil auch der Ausnahmequalität von Nadal geschuldet.“ Sein Schützling habe 1.450 Punkte in drei Wochen gemacht. „Man darf nicht unbescheiden werden und glauben, man muss alles gewinnen.“

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