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Weltmeisterteam hat Aufholbedarf

Lewis Hamilton hat den Grand Prix von Kanada schon sechsmal gewonnen. Beim souveränen Sieg von Ferrari-Star Sebastian Vettel am Sonntag in Montreal musste sich der Weltmeister aber abgeschlagen mit Rang fünf begnügen. Entsprechend gewarnt ist man nach dem siebenten von 21 Saisonrennen bei Mercedes.

„Zu keinem Zeitpunkt hatten wir eine Chance zu gewinnen“, sagte Mercedes-Teamchef Toto Wolff. Das Resultat - Valtteri Bottas belegte immerhin Rang zwei hinter Vettel - nannte der Wiener „beschissen“, es sei aber immerhin auch ein Weckruf gewesen. Aufsichtsrat Niki Lauda sah Mercedes von Ferrari bereits „in allen Disziplinen überholt, in denen wir einmal vorne lagen“.

„Wir müssen weiterarbeiten“

Hamilton, der im Rennen mit Temperaturproblemen am Motor zu kämpfen hatte und in der WM nun einen Punkt hinter Vettel liegt, forderte daher: „Wir müssen die schlechten Tage verringern.“ Die Flinte wirft er nach dem ersten Saisondrittel aber nicht ins Korn: „Wir alle wissen, dass Ferrari hier das etwas bessere Paket hatte und einen etwas besseren Job gemacht hat. Also müssen wir weiterarbeiten, und ich weiß, dass die Jungs das tun werden“, sagte der Brite.

Sebastian Vettel (Ferrari) vor Lewis Hamilton (Mercedes)

AP/The Canadian Press/Tom Boland

An Vettel war am Sonntag kein Vorbeikommen

Drei Rennen innerhalb von drei Wochen

In Kanada wurde die neue Motorausbaustufe, die Mercedes im Gegensatz zur Konkurrenz noch nicht zur Verfügung hatte, schmerzlich vermisst. Bis zum nächsten Rennen in Le Castellet bleiben zwei Wochen Zeit, Versäumtes nachzuholen. Denn dann geht es Schlag auf Schlag. In Frankreich, Spielberg und Silverstone stehen drei Rennen innerhalb von drei Wochen auf dem Programm, die Sommerpause folgt erst nach zwei weiteren Rennen in Hockenheim und Budapest.

„Wir sind mit der Erwartung einer starken Vorstellung nach Montreal gekommen. Aber das Ergebnis ist ein weiterer Beweis dafür, dass die historischen Muster der Leistungen der einzelnen Teams heuer nicht halten“, sagte Wolff. „Es ist schwer, von Strecke zu Strecke einen Trend vorherzusagen, die Rennen werden durch kleine Details entschieden.“

Vettel denkt an Schumacher

Sieger Vettel kümmerte all das freilich nicht. Der Deutsche hatte bei der Fahrt zu seinem 50. Grand-Prix-Sieg andere Gedanken - nämlich an sein Idol Michael Schumacher. „In den letzten Runden habe ich noch gezittert, dass alles hält, dass das Auto hält, und an Michael gedacht, an seinen letzten Sieg hier“, sagte er nach dem Rennen und wurde ungewohnt sentimental. „Es ist schade, dass er heute nicht dabei sein kann, den Tag nicht genießen kann, als Ferrarista.“

Vor 14 Jahren hatte der mittlerweile 49-jährige Schumacher, der seit seinem folgenschweren Skiunfall Ende 2013 nicht mehr in der Öffentlichkeit ist, den letzten Montreal-Sieg für Ferrari geholt. Nun beendete Vettel die Durststrecke und durfte sich über die neuerliche WM-Führung freuen. „Ein netter Nebeneffekt“, sagte der Deutsche, der aber auch weiß: „Die Saison ist noch lang.“

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