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Nachfolger von James Rodriguez gesucht

Die am Donnerstag beginnende 21. WM-Endrunde im Fußball wird wieder einmal zum Schaulaufen der Stars. Speziell die Torjäger dieser Welt rücken in Russland wieder in den Mittelpunkt des Interesses. Neben den üblichen Verdächtigen wie Lionel Messi und Cristiano Ronaldo empfehlen sich aber auch andere Goalgetter für die Nachfolge des Kolumbianers James Rodriguez als WM-Torschützenkönig.

Im Kampf um den „Goldenen Schuh“ bei einer WM-Endrunde spielte in den vergangenen 40 Jahren die Zahl sechs eine entscheidende Rolle. Seit Mario Kempes bei der WM 1978 in Argentinien mit sechs Treffern Torschützenkönig wurde, war das halbe Dutzend Tore fast ein Garant dafür, sich die Auszeichnung zu sichern. Auch Rodriguez kam vor vier Jahren in Brasilien auf diese Marke.

Nur dreimal wurde die Serie durchbrochen. Brasiliens Superstar Ronaldo traf 2002 achtmal ins Schwarze. Der Deutsche Miroslav Klose war 2006 hingegen mit fünf Treffern bester Scorer des Turniers. 2010 kam das Quartett David Villa (Spanien), Wesley Sneijder (Niederlande), Diego Forlan (Uruguay) und Thomas Müller (Deutschland) ebenfalls auf je fünf Treffer. Letztgenannter erzielte seine jedoch in sechs Spielen - und damit einem weniger als die Konkurrenz - und wurde daher zum Schützenkönig auserkoren.

Letzte Chance für Messi?

Die Kandidatenliste für den „Golden Boot“ in Russland ist jedenfalls lang. An der Spitze der Kandidaten steht ein Trio, das auch in den jeweiligen Ligen mit seinen Toren immer wieder für entscheidende Momente sorgt: Argentiniens Superstar Messi, der portugiesische Fixstern Ronaldo und Neymar, der wiedergenesene Dreh- und Angelpunkt im Spiel der Brasilianer.

Lionel Messi

AP/Natacha Pisarenko

Messi versucht erneut, Argentinien den dritten WM-Titel zu bescheren

Für Messi, der vor vier Jahren in Brasilien Deutschland im Finale knapp mit 0:1 unterlag, ist die WM 2018 womöglich die letzte Chance, den ihm noch fehlenden Titel zu holen und aus dem Schatten von Diego Armando Maradona herauszutreten. Die lebende Legende hatte die „Albiceleste“ 1986 zum bisher letzten Titel geführt. Während der WM feiert Messi, seines Zeichens fünffacher Weltfußballer vom FC Barcelona, am 24. Juni seinen 31. Geburtstag. Dank Messi hat es Argentinien überhaupt zur WM geschafft. Sieben Tore schoss der Teamkapitän in der südamerikanischen Qualifikation.

Portugiesisch sprechende Torgaranten

Gleich 15 Tore erzielte Ronaldo für Portugal in der WM-Qualifikation - nur Polens Robert Lewandowski traf einmal mehr. Mit Real Madrid holte der 33-Jährige heuer schon die Champions League und brachte sich damit wieder in Stellung für die Wahl zum Weltfußballer. In Russland wird Portugals Rekordtorschütze (81 Tore) zum vierten Mal an einer WM teilnehmen. Vor vier Jahren endete die Reise nach Brasilien mit einer Blamage für den aktuellen Europameister. Schon nach der Gruppenphase war Endstation. Dem damals nicht fitten Real-Star gelang auch nur ein Treffer.

Diesmal reist Brasiliens Superstar Neymar nicht voll fit, aber mit einer klaren Mission zur WM: Der 25-Jährige von Paris Saint-Germain will seinen Status als einer der weltbesten seiner Zunft untermauern. Der 222 Millionen Euro teure Angreifer fiel vor vier Jahren bei der Heim-WM im Viertelfinale verletzt aus und verpasste dadurch die 1:7-Demontage der „Selecao“ im Halbfinale gegen Deutschland. Nach seiner langwierigen Mittelfußverletzung meldete sich der 25-Jährige mit Toren in den Tests gegen Kroatien und Österreich eindrucksvoll zurück. Seine Teambilanz ist ebenfalls beeindruckend: In 85 Spielen hat Neymar nicht weniger als 55 Tore erzielt.

Ägypten hofft auf Salah

Hinter Messi, Ronaldo und Neymar stellen sich mit Ägyptens neuem Sporthelden Mohammed Salah, dem Engländer Harry Kane, dem Franzosen Antoine Griezman und Lewandowski aus Polen drei andere ausgewiesene Goalgetter auf die Auszeichnung zum Torschützenkönig an. Auch Müller sollte man auf der Rechnung haben. Der Deutsche erzielte nicht nur 2010, sondern auch auf dem Weg zum WM-Titel 2014 fünf Tore und ist mit insgesamt zehn Treffern der erfolgreichste aktuelle WM-Torschütze.

Mohamed Salah

APA/AFP/Karim Jaafar

Die Fitness von Salah ist aktuell wohl das Hauptthema unter den ägyptischen Fußballfans

Speziell auf Salah werden bei der Endrunde aber die Augen gerichtet sein. Der Torjäger des FC Liverpool macht Ägypten um eine Klasse besser und spürbar gefährlicher - sofern er seine im Champions-League-Finale erlittene Bänderverletzung im Schulterbereich rechtzeitig auskurieren kann. Dass der Afrika-Cup-Rekordsieger nach 28 Jahren wieder auf der größten Fußballbühne auftaucht, ist auch der Verdienst von Salah. Im Teamtrikot hält der 25-Jährige derzeit bei 33 Toren in 57 Länderspielen. Für Liverpool traf er vergangene Saison allein in der Premier League 32-mal.

Torjäger als Hoffnungsträger

Salah löste damit Kane von Tottenham, der 2016 und 2017 englischer Torschützenkönig war, an der Spitze ab. Mit 30 Treffern war der 24-Jährige aber trotzdem in Torlaune. Als Kapitän der „Three Lions“ soll Kane in Russland nun auch die Nationalmannschaft zumindest einmal in die K.-o.-Phase schießen. Diese verpassten die Briten vor vier Jahren, auch bei der EM 2016 scheiterte der Weltmeister von 1966 schon im Achtelfinale. Kane blieb in Frankreich torlos. Ansonsten ist sein Schnitt im Team nicht schlecht: In 24 Einsätzen netzte Kane 13-mal.

Harry Kane

AP/Scott Heppell

Kane will es diesmal in Russland besser machen als noch vor zwei Jahren bei der EM

So wie England erhofft sich auch Polen den Aufstieg in die K.-o.-Runde. Dafür soll vor allem Bayern-Star Lewandowski, der sein erstes und womöglich einziges WM-Turnier bestreitet, sorgen. Der 29-Jährige traf in bisher 94 Länderspielen 53-mal für sein Heimatland. Wie wichtig Tore von Lewandowski für das Spielglück der Polen sind, zeigt eine Statistik. Seit der EM 2016 haben die Polen in allen fünf Partien, in denen Lewandowski kein Tor erzielte, auch nicht gewonnen.

Auf viele Tore von Griezmann, der heuer das Finale der Europa League mit zwei Treffern gegen Olympique Marseille fast im Alleingang für Atletico Madrid entschied, hofft auch Frankreich. Der 27-jährige Stürmer kennt bereits das Gefühl, bester Torschütze eines Turniers zu sein. Bei der Heim-EM 2016 traf Griezmann sechsmal ins Schwarze und war damit Topscorer. Die WM in Russland beginnt für den Franzosen mit einem Jubiläum: Die Partie gegen Australien ist seine 50. im Trikot der „Equipe Tricolore“. Griezmann könnte ihn mit seinem 20. Tor feiern.

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