Themenüberblick

Erste WM mit 48 Teilnehmern

Im Rennen um die Ausrichtung der Fußball-WM 2026 hat sich am Mittwoch beim FIFA-Kongress in Moskau wie erwartet die Dreierbewerbung der USA, Mexikos und Kanadas gegen die Kandidatur von Marokko durchgesetzt. 134 der insgesamt 206 wahlberechtigten FIFA-Mitgliedsländer, darunter auch Österreich, votierten für das Trio, das damit die erste Endrunde mit 48 Teilnehmern und 80 Spielen austragen wird.

Während Marokko mit einer „WM der kurzen Wege“ warb und die Entwicklungsmöglichkeiten für den ganzen Kontinent hervorhob, wies das Amerikatrio mit dem Werbenamen „United 2026“ vor allem auf „die größeren wirtschaftlichen Perspektiven für die FIFA“ hin. 14,3 Milliarden US-Dollar (12,13 Mio. Euro) Einnahmen verspricht der Dreierbund - fast doppelt so viel wie die Nordafrikaner, die damit bereits das fünfte Mal mit einer WM-Bewerbung scheiterten.

US-Verbandschef Carlos Cordiero durfte sich über das „Privileg“, die WM zu veranstalten, freuen. „Der Fußball ist heute der einzige Sieger“, betonte er. Als Sieger konnte sich auch FIFA-Präsident Gianni Infantino fühlen. Der Schweizer war zwar offiziell neutral, hatte seine Sympathien für die Amerikabewerbung aber durchaus durchblicken lassen. Marokko erwies sich jedenfalls als fairer Verlierer. „Marokko 2026 gratuliert United 2026 zum Sieg, und wir wünschen ihnen alles Gute“, teilten die Nordafrikaner am Mittwoch via Twitter mit.

23 mögliche Spielorte

Marokko wäre nach Südafrika 2010 der zweite afrikanische WM-Veranstalter gewesen. Die USA hatten die WM bereits 1994 ausgerichtet, Mexiko schon 1970 und 1986. Die Endrunde in acht Jahren soll an 16 Orten gespielt werden. In die offizielle Bewerbung von „United 2026“ wurden im März insgesamt 23 mögliche Spielorte (17 USA, 3 Kanada, 3 Mexiko) aufgenommen, von denen die FIFA die endgültigen 16 auswählen kann. Die Stadien werden bereits als Fußball- und Football-Stadien genutzt, weshalb keine oder nur geringe Bauarbeiten nötig sind.

Victor Montagliani, Sunil Gulati und Decio De Maria

APA/AFP/Getty Images/Spencer Platt

Die drei Verbandspräsidenten Victor Montagliani (Kanada), Sunil Gulati (USA) und Decio De Maria (Mexiko), v. l.

Auch die notwendige Infrastruktur ist grundsätzlich vorhanden. Allerdings sind große Strecken zwischen den Austragungsorten zurückzulegen und zwei Staatsgrenzen zu überwinden. Dazu liegen die Spielorte in verschiedenen Zeitzonen. Nur je zehn der insgesamt 80 WM-Spiele werden jedoch in Kanada oder Mexiko ausgetragen werden, die restlichen 60 und alle entscheidenden Partien ab dem Viertelfinale finden in den US-Stadien statt.

Marokko von Beginn an Außenseiter

Marokko hatte schon in einem FIFA-Evaluierungsbericht die deutlich schlechteren Noten bekommen. Risiken beschrieben die Prüfer in den Bereichen Stadionbau, Hotels und Transport. Beispielsweise neun Arenen müssten komplett neu errichtet, die restlichen fünf der insgesamt 14 eingereichten WM-Stadien renoviert werden. Das amerikanische Trio erhielt in diesen Kategorien jeweils eine positive Bewertung. Schlechter waren sie im Vergleich zum Kontrahenten nur im Bereich der erwarteten staatlichen Unterstützung.

US-Präsident Donald Trump hatte in den vergangenen Monaten mit Drohungen gegen Länder, die nicht für die USA stimmen wollen, in den Wahlkampf eingegriffen. Zuvor hatte er durch seine Einwanderungspolitik der US-Kandidatur eher geschadet. Allerdings gab er zuletzt einem Bericht der „New York Times“ zufolge die Garantie, dass alle Spieler, Offizielle und Fans zur WM einreisen dürften.

Abstimmung nach Skandalen reformiert

Nach den neuen Statuten hatte jedes FIFA-Mitgliedsland eine Stimme, die vier Kandidatenländer durften nicht abstimmen. Der kosovarische Verband schickte nach dem Tod seines Präsidenten keine Delegation nach Moskau. Das Stimmverhalten wird nachträglich veröffentlicht. Bis zur Vergabe der WM 2018 an Russland und 2022 an Katar, die beide vorab nicht favorisiert waren, entschied das damalige FIFA-Exekutivkomitee über die Gastgeber. Diese Regelung wurde geändert, nachdem eine Vielzahl der Mitglieder der früheren Weltverbandsregierung der Korruption überführt worden war.

„Die WM wurde erstmals durch den Kongress vergeben. In persönlichen Gesprächen mit den Bewerbern habe ich mich davon überzeugen können, dass beide Kandidaten geeignet gewesen wären, dieses Großereignis zu veranstalten“, sagte ÖFB-Präsident Leo Windtner. „Im von der FIFA durchgeführten Evaluierungsprozess wurden viele Faktoren - nicht nur die monetären - bewertet. Aus dieser Bewertung ist die gemeinsame Kandidatur von Kanada, Mexiko und den USA als eindeutiger Sieger hervorgegangen.“

Russland stimmt für USA

Die Wahl des Gastgebers war auch aus weltpolitischer Sicht spannend. So offenbart das von der FIFA offengelegte Tableau der Stimmen, dass der russische Verband für die USA-Bewerbung gestimmt hat. Russland war eigentlich als großer Stimmenbeschaffer für Marokko gehandelt worden. Nordkorea hingegen votierte trotz Annäherung von US-Präsident Donald Trump und Machthaber Kim Jong Un pro Marokko.

Der Iran entschied sich für den Mittelweg und stimmte als einziger Verband für die dritte Wahlmöglichkeit: keiner von beiden. Slowenien, Spanien und Kuba enthielten sich der Wahl. Aus Europa erhielt Marokko zwölf von 53 möglichen Stimmen, darunter Frankreich, Italien und die Niederlande. In Südamerika scherte Brasilien aus der angekündigten Blockwahl aus - und stimmte für Marokko.

Übersicht Fußballweltmeisterschaften

Jahr Gastgeber Weltmeister Teilnehmer
1930 Uruguay Uruguay 13
1934 Italien Italien 16
1938 Frankreich Italien 15
1950 Brasilien Uruguay 13
1954 Schweiz Deutschland 16
1958 Schweden Brasilien 16
1962 Chile Brasilien 16
1966 England England 16
1970 Mexiko Brasilien 16
1974 Deutschland Deutschland 16
1978 Argentinien Argentinien 16
1982 Spanien Italien 24
1986 Mexiko Argentinien 24
1990 Italien Deutschland 24
1994 USA Brasilien 24
1998 Frankreich Frankreich 32
2002 Japan/Südkorea Brasilien 32
2006 Deutschland Italien 32
2010 Südafrika Spanien 32
2014 Brasilien Deutschland 32
2018 Russland 32
2022 Katar 32
2026 USA/Kanada/Mexiko 48

Links: