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Späte Entscheidung in Jekaterinburg

Uruguay hat zum WM-Auftakt in Russland einen Last-Minute-Sieg gegen Ägypten gefeiert. Der WM-Vierte von 2010 setzte sich am Freitag vor 27.000 Zuschauern in Jekaterinburg mit 1:0 (0:0) durch und liegt nach dem ersten Spieltag der Gruppe A damit auf Platz zwei hinter Russland. Die Gastgeber hatten im Eröffnungsspiel einen 5:0-Sieg gegen Saudi-Aarabien gefeiert. Jose Gimenez traf in der letzten Minute der regulären Spielzeit zum Sieg für die „Celeste“.

Die Partie verhieß Spannung, auf beiden Seiten standen die Stürmer im Fokus. Die auch defensiv abgebrühten Südamerikaner vertrauten beim WM-Auftakt auf ihren Paradesturm mit Luis Suarez und Edinson Cavani, Ägypten hoffte auf Liverpool-Angreifer Mohammed Salah, der sich im Champions-League-Finale gegen Real eine Bänderverletzung in der linken Schulter zugezogen und um die WM-Teilnahme gebangt hatte. Letztlich atmete Teamchef Hector Cuper auf, von ärztlicher Seite kam grünes Licht. Leise Zweifel an seiner Fitness blieben.

Jubel bei Uruguay

Kurz vor Schluss fällt doch noch ein Treffer für Uruguay. Jose Gimenez springt nach einem Eckball am höchsten und versenkt den Ball im Tor.

Salah war offenbar einsatzbereit, spielte gegen Uruguay aber noch nicht. Viel mehr nahm er an seinem 26. Geburtstag als Joker auf der Ersatzbank Platz. Stattdessen spielte Amr Warda auf dem rechten Flügel. Die Show in der Jekaterinburg-Arena gehörte anderen. Die ägyptische Hintermannschaft wurde mit Anpfiff auf die Probe gestellt. Cavani und Co. drängten in den gegnerischen Strafraum, als hätten sie ihren Status als Gruppenfavorit untermauern müssen. Auch ging es um Wiedergutmachung für das WM-Achtelfinal-Aus gegen Kolumbien vor vier Jahren.

Ägypten in der Defensive

Im Fokus: Ägyptens Abwehrchef Ahmed Hegasi und seiner Defensivabteilung, der in Jekaterinburg trotz kühler Bedingungen bald der Schweiß auf der Stirn stand. Ihre Sache machten sie gut, der Abwehrriegel hielt dem anfänglichen Offensivdrang der Uruguayer stand. Nach acht Minuten intervenierte Goalie Mohammed al-Schenawi erstmals erfolgreich, als er einen Schuss Cavanis von der Strafraumgrenze entschärfte. Suarez schoss fünf Minuten später aus bester Position halbrechts am Tor vorbei.

Warnschuss von Cavani

Uruguay mit der ersten Chance des Spiels: Stürmerstar Edinson Cavani zieht ab - Ägyptens Tormann Mohammed al-Schenawi ist aber zur Stelle.

Die Ägypter beschränkten sich auf mögliche Konter, die es selten genug gab und von Abdallah Said, einem der Aktivposten, vorgetragen wurden. Echte Torchancen ergaben sich daraus in den ersten 20 Minuten aber nicht. Mit ihrer aggressiven, bissigen Spielweise flößten die Ägypter der Mannschaft von Oscar Tabarez aber Respekt ein. An der offensiven Spielweise der „Celeste“ vermochte das freilich nichts zu ändern. Bei einem weiteren Kracher Cavanis stand dem Ball auf dem Weg ins Tor nur der Kopf von Ali Gabr im Weg (23.), eine Minute später schoss Suarez aus kurzer Distanz um Millimeter am linken Eck vorbei.

Cavani scheitert erneut

Cavani nimmt sich den Ball großartig mit und visiert das Kreuzeck an. Ein ägyptischer Abwehrspieler kann den Schuss mit dem Kopf blocken.

Suarez war es auch, der den ersten Freistoß für Uruguay in der Mauer versenkte (31.), das Tor blieb weiter unberührt, so sehr er sich darüber auch ärgerte. Tabarez blieb am Spielfeldrand zwar gelassen, wirkte aber nachdenklich. Bei einem der seltenen Gegenstöße hatte Uruguays Tormann Fernando Muslera bei einer Flanke Wardas (28.) in den Strafraum erstmals klärend eingreifen müssen. In Gefahr war er dabei ebenso nicht geraten wie in der halben Spielstunde davor.

Brenzliger wurde es kurz vor der Pause, als Said im Strafraum zum Fallrückzieher ansetzte, den Ball aber nicht unter Kontrolle brachte. Mit Verlauf der Partie tauchten die Ägypter immer öfter im gegnerischen Strafraum auf. Zwingende Torchancen blieben auf beiden Seiten aus.

Suarez glücklos vor dem Tor

Mit frischen Kräften kratzte Uruguay unmittelbar nach Wiederanpfiff an der Führung: Suarez (46.) kam nach Zuspiel von Cavani am Fünfer unbedrängt zum Schuss, allerdings zeichnete sich Schenawi mit einer Glanzparade aus und wehrte ab. Kopfschüttelnd nahm es Suarez zur Kenntnis. 25 Treffer hatte der 31-Jährige in der vergangenen Saison für den FC Barcelona erzielt, zum WM-Auftakt blieb er beim Abschluss glücklos.

Glanzparade von Schenawi

Traumpass von Cavani in den Lauf von Suarez, doch der Barcelona-Star scheitert an Ägyptens Tormann Schenawi.

Die Ägypter kämpften tapfer und weiterhin ohne Salah, der bis zum Schluss auf der Bank schmachten sollte. Ein Remis gegen den Gruppenfavoriten wäre ein Erfolg, der Weg dorthin war allerdings noch weit und beschwerlich. Immer vehementer drängte Uruguay in den Strafraum. Bei der wohl besten Torchance des Spiels scheiterte wieder Suarez, der sich nach einem Solo im Strafraum von Schenawi den Ball abnehmen ließ (73.).

Gimenez lachender Dritter

Ein erfolgreicher Abschluss blieb Suarez genauso verwehrt wie seinem kongenialen Sturmpartner Cavani. Auch der musste sich Ägypten-Goalie Schenawi geschlagen geben, der zunächst einen gut angetragenen Schuss (82.) mit letzter Kraft aus dem rechten Kreuzeck fischte und in der 88. Minute Riesenglück hatte: Cavani traf bei einem Freistoß knapp außerhalb des Strafraums die rechte Stange.

Als lachender Dritter und Matchwinner entpuppte sich letztlich Innenverteidiger Gimenez in der Schlussminute: Gegen seinen wuchtigen Kopfball nach einer Freistoßflanke von Carlos Sanchez war an diesem Tag selbst Schenawi machtlos. Für Uruguay geht es am Mittwoch mit dem Duell gegen Saudi-Arabien weiter, schon am Dienstag muss Ägypten gegen Tabellenführer Russland ran.

WM in Russland, Gruppe A

Freitag:

Ägypten - Uruguay 0:1 (0:0)

Jekaterinburg-Arena, 27.015 Zuschauer, SR Kuipers (NED)

Tor: 0:1 Gimenez (90.)

Ägypten: Schenawi - Fathi, Gabr, Hegasi, Abdel Schafi - Neni, Hamid (50./Morsi) - Warda (82./Sobhi), Said, Hassan - Mohsen (63./Kahraba)

Uruguay: Muslera - Varela, Gimenez, Godin, Caceres - Nandez (58. Sanchez), Vecino (87. Torreira), Bentancur, De Arrascaeta (59. C. Rodriguez) - Suarez, Cavani

Gelbe Karten: Hegasi bzw. keine

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