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Missglückte Rückkehr auf WM-Bühne

Marokko ist nach 20 Jahren Pause mit einer bitteren Niederlage auf die WM-Bühne zurückgekehrt. Die Auswahl von Coach Herve Renard musste sich am Freitag dem Iran durch ein Eigentor in der Nachspielzeit mit 0:1 (0:0) geschlagen geben. Unglücksrabe war Azziz Bouhaddouz, der eine Freistoßflanke ins eigene Tor verlängerte. Der Aufstieg rückt für Marokko damit angesichts der weiteren Gegner in weite Ferne.

Auf die Marokkaner wartet in den weiteren Spielen der Gruppe B am Mittwoch (14.00 Uhr MESZ) noch Europameister Portugal und zum Abschluss am 25. Juni (20.00 Uhr MESZ, jeweils live in ORF eins und im Livestream) Titelkandidat Spanien. Der Iran darf nach seinem zweiten WM-Sieg in der Geschichte zumindest mit einer weiteren Überraschung spekulieren und damit weiter vom Aufstieg träumen.

1:0 für Iran durch Eigentor (95. Minute)

Aziz Bouhaddouz köpfelt nach einem Freistoß des Iran in das eigene Tor.

Marokko zurück auf der WM-Bühne

Marokko ging bei seiner Rückkehr auf die größte Fußballbühne der Welt mit dem Selbstvertrauen von 18 Spielen ohne Niederlage in die Partie. Unter den Gegnern waren unter anderen die WM-Teilnehmer Serbien, Nigeria, Korea Republik und Ägypten. Nur Gruppengegner Spanien (20) und Belgien (19) reisten mit einer noch längeren Erfolgsserie zum Turnier nach Russland. Die Marokkaner blieben zudem in der dritten CAF-Qualifikationsrunde als einzige Mannschaft ohne Gegentor.

Mehdi Benatia (Marokko) mit einem Schussversuch gegen den Iran

APA/AFP/Paul Ellis

Marokko warf zu Beginn alles in die Waagschale, der Iran stemmte sich aber mit Erfolg dagegen

Während die Marokkaner letztmals 1998 in Frankreich WM-Luft schnuppern durften, löste der Iran zum zweiten Mal in Serie das Ticket für eine WM-Endrunde und war auch schon vor vier Jahren in Brasilien dabei. Doch der Traum vom Sprung aus der Gruppenphase in die K.-o.-Phase ging bisher noch nicht in Erfüllung. Angesichts der kommenden Gegner wollten sich deshalb weder die Iraner noch die Marokkaner einen Patzer zum Auftakt leisten. „Ein Must-win-Spiel für beide Teams“, betonte Iran-Teamchef Carlos Queiroz schon vor dem Anpfiff.

Iran ohne „Lokalmatador“ Essatolahi

Allerdings musste Queiroz im Kampf um den zweiten Sieg bei der fünften WM nach 1978, 1998, 2006 und 2014 ohne den defensiven Mittelfeldmann und Russland-Legionär Saeid Essatolahi von Amkar Perm auskommen, der für die erste Partie gesperrt war. Der Star des Teams, Rubin-Kasan-Legionär Sardar Asmun, war mit von der Partie. Marokko konnte indes aus dem Vollen schöpfen und setzte bei der fünften WM-Teilnahme der Nordafrikaner nach 1970, 1986, 1994 und 1998 vor allem auf seine starke Defensive um Achraf Hakimi vom Champions-League-Sieger Real Madrid und Kapitän Medhi Benatia von Juventus Turin.

Zweikampf von Irans Wahid Amiri und Marokkos Younes Belhanda

Reuters/Michael Dalder

Die Marokkaner gaben in den ersten 20 Minuten klar den Ton an

Die Marokkaner hatten allerdings auch offensiv einiges zu bieten und drückten gleich gehörig aufs Tempo. Ein Distanzschuss von Amine Harit verfehlte sein Ziel (2.), Karim El Ahmadi schlug nach einem flach hereingespielten Corner über den Ball (4.), auch ein Kopfball von Younes Belhanda (6.) verfehlte das Ziel. Der Iran konnte sich zunächst überhaupt nicht befreien und tauchte erst in der zwölften Minute erstmals nennenswert in der gegnerischen Hälfte auf. Marokkos Torhüter Monir El Kajoui konnte eine unplatzierte Flanke aber problemlos herunterpflücken.

Marokko beißt sich Zähne aus

Die Zwischenbilanz nach 20 Minuten war eindeutig: 81 zu 19 Prozent Ballbesitz sowie 125 zu 31 gespielte Pässe zugunsten Marokkos sprachen eine deutliche Sprache. Was den Nordafrikanern fehlte, war der erlösende Führungstreffer. So stemmte sich der Iran mit Mann und Maus dagegen und verhinderte notfalls auch im Verbund ein Gegentor. Nach einem Freistoß in der 19. Minute herrschte etwa heilloses Durcheinander, Rusbeh Tscheschmi mit dem Kopf, dann Ehsan Hadschsafi und schließlich Goalie Aliresa Beiranwand bei einem Versuch Benatias entschärften aber die Situation.

Drei Torchancen für Marokko (19. Minute)

Die Marokkaner haben gleich mehrere Torchancen hintereinander, doch immer ist ein Bein eines Iraners dazwischen.

Marokko verlor danach etwas die Geduld und musste auch dem hohen Anfangstempo Tribut zollen. Der Iran kam deshalb besser ins Spiel und erwies sich vor allem bei Konterstößen als brandgefährlich. Wahid Amiri verließen nach einem langen Sprint beim Abschluss jedoch die Kräfte (20.), kurz vor dem Pausenpfiff rettete dann Goalie El Kajoui die Marokkaner vor einem Rückstand. Der Numancia-Torhüter reagierte zunächst glänzend bei einem Schlenzer von Sardar Asmun und gleich darauf auch beim Nachschuss von Aliresa Dschahanbachsch (43.).

Kampfbetonte Partie nach der Pause

Nach dem Seitenwechsel neutralisierten sich beide Teams und kauften sich gegenseitig auch durch eine härtere Gangart den Schneid ab. Schmerzhaft endete etwa die Partie für Marokkos Außenverteidiger Noureddine Amrabat, der nach einem Zweikampf mit dem Gesicht auf dem Boden landete und benommen ausgewechselt wurde (76.). Die Nordafrikaner erwiesen sich zwar dennoch weiter als passfreudigere und ballsicherere Mannschaft, konnten aus ihrer technischen Überlegenheit aber kein Kapital schöpfen.

Irans Spieler jubeln

Reuters/Henry Romero

Der Iran durfte sich in der Nachspielzeit über den zweiten WM-Sieg der Geschichte freuen

Der Iran ging mit seinen wenigen Chancen unterdessen zu fahrlässig um und agierte zu hektisch. Erst in der Schlussphase wurde es dann noch einmal spannend. Bei einer Direktabnahme von Hakim Ziyech machte sich Beiranwand aber lang und drehte den Ball mit den Fingerspitzen an der Stange vorbei. Während sich die 62.500 Zuschauer im Sankt-Petersburg-Stadion bereits auf das erste torlose Remis der Endrunde einstellten, schlug der Iran wie aus dem Nichts doch noch zu. Eine Freistoßflanke verlängerte Bouhaddouz per Kopf in der 95. Minute ins eigene Tor.

Stimmen zum Spiel

Carlos Queiroz (Iran-Trainer): „Marokko ist eine sehr starke Mannschaft. Dieses Resultat ist das Ergebnis der harten Arbeit in den vergangenen Wochen. Ich bin so stolz auf meine Mannschaft und freue mich für sie. Es ist eine Freude, diese Spieler betreuen zu dürfen. Ich verspreche, dass wir auch in den kommenden Partien bis zum Schluss kämpfen werden.“

WM in Russland, Gruppe B

Freitag:

Marokko - Iran 0:1 (0:0)

St. Petersburg, St.-Petersburg-Stadion, 62.500 Zuschauer, SR Cakir (TUR)

Tor: Bouhaddouz (95./Eigentor)

Marokko: El Kajoui - Hakimi, Benatia, Saiss - Boussoufa, Ziyech, El Ahmadi, Harit (82./Da Costa) - N. Amrabat (76./S. Amrabat), El Kaabi (77./Bouhaddouz), Belhanda

Iran: Beiranwand - Resaeian, Tscheschmi, Pouraligandschi - Ansarifard, Ebrahimi (80./Hosseini), Hadschsafi, Schodschaei (68./Taremi) - Dschahanbachsch (85./Ghoddos), Azmoun, Amiri

Gelbe Karten: El Ahmadi bzw. Schodschaei, Dschahanbachsch, Ansarifard

Die Besten: Harit, Ziyech bzw. Dschahanbachsch, Beiranvand

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