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Wichtiger „Dreier“ für Serben

Serbien hat am Sonntag das erste Spiel der Gruppe E gegen Costa Rica dank eines Geniestreichs von Aleksandar Kolarov mit 1:0 (0:0) gewonnen. In Samara erzielte Serbiens Kapitän vor 41.400 Zuschauern in der 56. Minute den entscheidenden Treffer aus einem sehenswerten 26-Meter-Freistoß. Es war das elfte Tor dieser WM, das aus oder nach einer Standardsituation erzielt wurde.

Costa Rica, Viertelfinalist der Fußball-WM in Brasilien, das in Russland an die Erfolge von vor vier Jahren anschließen will, war über 90 Minuten nicht in der Lage, dem serbischen Tor gefährlich nahe zu kommen. Serbien, Sieger der Österreich-Gruppe in der Qualifikation, erwies sich hingegen, ohne spielerisch vollends zu überzeugen, als abgebrühte Elf.

Traumfreistoß von Kolarov zum 1:0 (56. Minute)

Mit einem Traumfreistoß aus 26,6 Metern genau in die Kreuzecke brachte Aleksandar Kolarov Serbien mit 1:0 in Führung.

Angesichts der weiteren Gruppengegner Brasilien und Schweiz, die im Abendspiel (20.00 Uhr, live in ORF eins) aufeinandertreffen, hatte das Spiel bereits eine besondere Bedeutung für den weiteren Verlauf der Gruppenphase. Drei Zähler würde jedes Team gerne mitnehmen, wenn auch bei den Serben durch Torhüter Vladimir Stojkovic die Meinung vertreten wurde, dass im ersten Spiel noch nichts entschieden werde und daher auch ein Remis in Ordnung gehe.

Ballgeschiebe im Mittelfeld

Die Anfangsminuten waren dann auch geprägt von einer spielerischen Ausgeglichenheit auf dem Feld. Ein schlecht getimter Kopfball von Giancarlo Gonzalez (zwölfte Minute) ging klar über das Tor. Serbien hatte zwar ein wenig mehr Ballbesitz, konnte jedoch gegen die dichte Abwehr der Zentralamerikaner nicht genügend Druck aufbauen. Nach einer halben Stunde hatte sich der Ballbesitz noch weiter zugunsten Serbiens geändert, an der Tatsache, dass jedoch so gut wie keine Torchancen herausgespielt wurden, änderte dieser Umstand jedoch nichts.

Branislav Ivanovic (SRB) Johan Venegas (CRC)

AP/Mark Baker

Branislav Ivanovic, hier links verbissen um den Ball kämpfend, absolvierte sein 104. Länderspiel für Serbien - Rekord

In diesem, bisher vielleicht schwächsten Spiel bei der WM, blieben Tormöglichkeiten auch bis zur Pause Mangelware. Das Warten auf Höhepunkte beschäftigte die Fans mehr als das Match als solches. Ein Schuss von Marcos Urena über das Tor, ein Versuch mit seinem schwächeren rechten Fuß von Francisco Calvo sowie ein Fallrückzieher von Sergej Milenkovic-Savic kurz vor dem Halbzeitpfiff waren die einzigen „Hingucker“. Real-Goalie Keylor Navas war hier jedoch auf dem Posten.

Gegnerischer Strafraum als neutrale Zone

Beide Mannschaften hatten sich neutralisiert, Serbien agierte in der Vorwärtsbewegung zu behäbig, Costa Rica war hingegen gut organisiert und ließ das gewohnt gute Umschaltspiel der Serben nicht zur Entfaltung kommen. Die erste große Möglichkeit auf das sehnlichst erwartete 1:0 hatte dann in der 50. Minute Aleksandar Mitrovic.

Spektakulärer Fallrückzieher von Milinkovic-Savic (43. Minute)

Ein spektakulärer Fallrückzieher im 16er von Milinkovic-Savic wird fälschlich als Abseits gewertet, allerdings hält Navas den Ball.

Doch der Fulham-Stürmer, der im letzten WM-Test gegen Bolivien in Graz noch dreimal getroffen hatte, versagte beim Torschuss völlig. Zu unentschlossen, zu schwach, zu wenig platziert fiel sein Schuss aus kurzer Distanz aus. Da ist Navas von Reals Ballbuben Besseres gewohnt.

Das Highlight der Partie

Was Kolarov dann jedoch in der 56. Minute ablieferte, können hingegen wohl nur wenige Real-Ballbuben in dieser Perfektion. Serbiens Kapitän zirkelte den Ball nach ORF-Messung mit 88 km/h aus exakt 26,6 Metern über Costa Ricas Freistoßmauer hinweg, zentimetergenau an der rechten Stange vorbei zum 1:0 ins Tor. Der wichtige Treffer war gelungen, die Serben konnten sich wieder auf die Spielkontrolle konzentrieren.

Jubel von Aleksandar Kolarov (SRB)

Reuters/Pilar Olivares

Serbiens Kapitän Sergej Kolarov feierte seinen Traumfreistoß zu Recht

Das gelang der Elf von Trainer Mladen Krstajic auch vorbildhaft. Einmal (77.) wehrte der eingewechselte Filip Kostic sogar bei einem serbischen Torschuss für Navas ab, sonst wäre bereits das 2:0 auf der Anzeigentafel gestanden. Den „Los Ticos“ fehlten weiterhin ein Taktgeber im Mittelfeld und ein durchschlagskräftiger Stürmer. So blieb der Überraschungsmannschaft der WM 2014, trotz einiger hektischen Szenen in den letzten Minuten, bis zum Schluss der erfolgreiche Weg zum Tor verwehrt.

Stimmen zum Spiel:

Mladen Krstajic (Serbien-Teamchef): „Die Spieler haben die richtige Einstellung gehabt, daran haben wir in den vergangenen Wochen viel gearbeitet. Wir brauchen Kompaktheit, in der Offensive und Defensive. Das ist das Wichtigste. Es gibt keine Cliquen in unserer Mannschaft, das gab es lange nicht. Das ist die Basis für Erfolg.“

Oscar Ramirez (Costa-Rica-Teamchef): „Die ersten WM-Spiele sind immer kompliziert. Wir haben Risiko genommen und haben versucht, Serbien unter Druck zu setzen. Ich denke, es war ein enges Spiel. Wir hätten unsere Chancen so nutzen müssen wie Serbien. Wir haben versucht, unseren Plan umzusetzen, aber sie haben aus einem Standard getroffen. Was soll man machen?“ Zu den nächsten Spielen gegen die Schweiz und Brasilien: „Wir spielen gegen die Nummer sechs und zwei der Weltrangliste. Es wird schwer, aber ich habe meinem Team schon gesagt: ‚Es ist noch nicht vorbei.‘“

Aleksandar Kolarov (Serbien-Torschütze): „Der Trainer weiß, dass Standards unsere Stärke sind. Wir haben das viel trainiert. Und es hat für drei Punkte gereicht. Es hat alles gepasst. Es ist sehr wichtig, dass wir drei Punkte haben. Aber ich will jetzt nicht anfangen zu rechnen. Das Spiel gegen die Schweiz wird am schwersten.“

Fußball-WM, Gruppe E

Sonntag:

Costa Rica - Serbien 0:1 (0:0)

Samara-Arena, 41.400 Zuschauern, SR Diedhiou (SEN)

Tor: 0:1 (56.) Kolarov

Costa Rica: Navas - Gonzalez, Acosta, Duarte - Venegas (60./Bolanos), Calvo - Gamboa - Ruiz, Borges, Guzman (73./Colindres) - Urena (66./Campbell)

Serbien: Stojkovic - Ivanovic, Milenkovic, Tosic, Kolarov - Milivojevic, Matic - Tadic (83./Rukavina), Milinkovic-Savic, Ljajic (79./Kostic) - Mitrovic (90./Prijovic)

Gelbe Karten: Guzman, Calvo bzw. Ivanovic, Prijovic

Die Besten: Navas bzw. Milinkovic-Savic, Ivanovic, Matic

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