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Kapitän Granqvist sorgt für Entscheidung

Schweden ist am Montag erfolgreich in die WM gestartet. Die Skandinavier, die sich auf dem Weg nach Russland im Play-off überraschend gegen Italien durchgesetzt hatten, besiegten in ihrem ersten Spiel in Gruppe F Südkorea mit 1:0 (0:0). Das entscheidende Tor vor 42.300 Zuschauern in Nischni Nowgorod erzielte Kapitän Andreas Granqvist aus einem per Videobeweis gegebenen Elfmeter (65.).

Während Südkorea auch im fünften Duell gegen Schweden sieglos blieb, feierten die Skandinavier nach fünf Remis und zwei Niederlagen erstmals seit 1958 einen Sieg in einem WM-Auftaktspiel. Damit liegt Schweden in Gruppe F gleichauf mit Mexiko, das am Sonntag sensationell Deutschland mit 1:0 besiegt hatte, an der Spitze. Nächsten Samstag trifft Schweden auf Deutschland, wobei der Druck vor allem beim Titelverteidiger liegt.

Der entscheidende Elfmeter von Granqvist

Schwedens Kapitän Andreas Granqvist verwandelt einen Elfmeter (65.), der vom Schiedsrichter Joel Aguilar erst nach Videobeweis gegeben wird, und sichert seinem Team damit den Auftaktsieg.

Ausfall bei Schweden, Hwang in Startelf

Das Prunkstück der Schweden, die Defensive, musste vor der Partie einen herben Ausfall verkraften. ManUnited-Legionär Victor Lindelöf musste wegen einer Erkrankung passen und blieb im Hotel. Der Stammspieler in der Innenverteidigung wurde durch Pontus Jansson von Leeds United ersetzt. Bei Südkorea bekam Hwang Hee Chan die Chance, sich in der Startelf zu beweisen. Der Salzburg-Legionär sollte Starspieler Son Heung Min in der Offensive unterstützen.

Ludwig Augustinsson (SWE) und Hwang Hee-chan (KOR)

Reuters/Murad Sezer

Salzburgs Hwang Hee Chan agierte bei Südkorea über den rechten Flügel

Beide Teams gingen nicht mit den besten Voraussetzungen in die Partie, verliefen doch die Testspiele nicht gerade berauschend. Südkorea verzeichnete nur einen Sieg in fünf Spielen. Die Schweden erzielten in drei Partien keinen Treffer. „Ich hoffe, dass wir es geschafft haben, Fortschritte zu machen“, hatte Teamchef Janne Andersson vor dem Duell gegen den WM-Vierten von 2002 erklärt.

Schweden kommt langsam in Schwung

Zu sehen war davon in der Anfangsphase allerdings nichts. Die Schweden fielen hauptsächlich durch eine rustikale Gangart und viele Fouls auf. Offensivbemühungen waren lediglich den Asiaten vorbehalten. Einen Torschuss verzeichneten aber auch sie in den ersten 15 Minuten nicht. Die Schweden kamen erstmals in der 18. Minute gefährlich in den gegnerischen Strafraum, doch Granqvist wurde in höchster Not von Kim Young Gwon gestoppt.

Die Aktion war der Startschuss für eine skandinavische Offensivphase und die erste Großchance der Partie. Marcus Berg tauchte alleine vor Joo Hyeon Woo auf, doch der südkoreanische Goalie verhinderte mit einem sehenswerten Reflex auf der Linie die schwedische Führung (20.). Vom südkoreanischen Anfangselan war nichts mehr zu sehen. Das Team von Coach Shin Tae Yong ließ sich in die Defensive drängen und das Heft aus der Hand nehmen.

Sensationsparade von Joo

Mit einer sensationellen Parade macht Südkorea-Goalie Joo Hyun Woo die hundertprozentige Chance von Marcus Berg zunichte (20.).

Elferalarm kurz vor der Pause

Erst in der 35. Minute gelang den Südkoreanern wieder ein brauchbarer Vorstoß. Son ließ Granqvist mit einem Sprint über die rechte Seite stehen, der Tottenham-Star war aber auch schneller als alle seine Mitspieler, weshalb der Stanglpass keinen Abnehmer fand. Selbiges Schicksal ereilte auf der Gegenseite Berg, der aus spitzem Winkel den Ball zur verwaisten Mitte brachte (43.).

Kurz vor der Pause gab es dann noch einmal Aufregung: Jang Hyun Soo grätschte im Strafraum den Schweden Ola Toivonen um. Schiedsrichter Joel Aguilar aus El Salvador verzichtete auf den Elferpfiff. Auch der Videoreferee meldete sich nicht zu Wort, womit die Entscheidung aufrecht blieb. „Der Verteidiger spielt eindeutig zuerst den Ball und zwickt danach dem Schweden das Bein ein. Ich kann die Entscheidung der Videoassistenten verstehen, hier weiterspielen zu lassen“, erklärte ORF-Experte Thomas Steiner die Situation.

Elferpfiff bleibt nach Attacke aus

Schiedsrichter Joel Aguilar lässt zum Ärger der Schweden nach einer Attacke im Strafraum an Ola Toivonen weiterspielen.

Schweden und Südkorea schenken sich nichts

Auch nach dem Seitwechsel blieb die Partie, in der in der ersten Hälfte 25 Fouls gepfiffen wurden und damit mehr als in jedem Spiel bei dieser WM davor, kampfbetont und zerfahren. Chancen gab es auf beiden Seiten jeweils eine. Südkoreas Koo Ja Cheol traf mit einem Kopfball nur das Außennetz (52.). Auf der Gegenseite konnte sich Goalie Joo nach einer Freistoßflanke von Forsberg bei einem Kopfball von Toivonen auf der Linie auszeichnen (56.).

Elfer für Schweden nach Videobeweis

Nach knapp einer Stunde gab es dann erneut Elferalarm, wobei die Szene ähnlich war wie vor der Pause. Kim Min Woo brachte Viktor Claesson im Strafraum zu Fall, wieder ließ Aguilar das Spiel zunächst weiterlaufen. Mitten in den Gegenstoß der Südkoreaner wurde die Partie aber unterbrochen. Diesmal meldete sich der Videoreferee. Aguilar revidierte seine Entscheidung, er gab Elfmeter. Kapitän Granqvist übernahm die Verantwortung und traf souverän (65.).

Schwedische Spieler jubeln

AP/Lee Jin-man

Kapitän Andreas Granqvist (Nr. 4) lässt sich nach seinem Elfertor von den schwedischen Fans feiern

Nach dem Rückstand kamen bei Südkorea mit Jung Woo Young und Lee Seung Woo zwei frische Kräfte. Das Spielgeschehen verlagerte sich vermehrt in die Hälfte der Schweden, die nun ihre Qualitäten in der Defensive in die Waagschale werfen mussten. Die Asiaten mühten sich redlich, allerdings fehlten ihnen die spielerischen Mittel, um den Gegner in Verlegenheit zu bringen. Die beste Gelegenheit auf den Ausgleich vergab Hwang. Der Salzburg-Legionär kam am Elferpunkt frei zum Kopfball, wollte es aber zu präzise machen und verfehlte das Tor schließlich klar (91.).

Stimmen zum Spiel:

Janne Andersson (Teamchef Schweden): „Wir haben viele Chancen herausgespielt, und ich bin zuversichtlich, dass wir in unseren nächsten Matches effektiver sein werden. Südkoreas bester Spieler war heute definitiv ihr Torhüter. Nach der Niederlage Deutschlands kann dieser Sieg noch mehr Bedeutung bekommen.“

Shin Tae Yong (Teamchef Südkorea): „Wir haben in der zweiten Hälfte einige Anpassungen vorgenommen, haben uns auf unsere Schnelligkeit konzentriert. Aber Schweden hat wirklich gut gespielt. Schweden hat eines der größten Teams bei dieser WM. Sie sind in der Lage, daraus Profit zu ziehen, ebenso wie von ihrer guten Physis. Es ist unglücklich, dass wir nicht gewonnen haben, werden uns jetzt aber auf das Match gegen Mexiko vorbereiten.“

Andreas Granqvist (Torschütze Schweden/„Man of The Match“): „Wir haben auf dem Rasen eine exzellente Einstellung gezeigt. Das war auch schon während der Play-off-Matches gegen Italien so. Wir sind eine Mannschaft, wir haben wirklich gekämpft und sind das gesamte Match über füreinander gelaufen.“

Fußball-WM, Gruppe F

Montag:

Schweden - Südkorea 1:0 (0:0)

Nischni-Nowgorod-Stadion, 42.300 Zuschauer, SR Aguilar (ESA)

Tor: Granqvist (66./Elfmeter)

Schweden: Olsen - Lustig, Granqvist, Augustinsson, Jansson - Larsson (81./Svensson), Ekdal (71./Hiljemark), Forsberg, Claesson - Berg, Toivonen (77./Thelin)

Südkorea: Joo - Y. Lee, Y. Kim, Jang, Park (28./M. Kim) - Ki, Koo (72./S. Lee) - Hwang, J. Lee, Son - Sh. Kim (66./W. Jung)

Gelbe Karten: Claesson bzw. Sh. Kim, Hwang

Die Besten: Claesson, Granqvist bzw. Joo, Son

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