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Happy End in Nachspielzeit

England ist am Montagabend mit einem Zittersieg in die Fußball-WM in Russland gestartet. Die „Three Lions“ setzten sich zum Auftakt in der Gruppe G mit 2:1 (1:1) gegen Tunesien durch. Harry Kane brachte den Weltmeister von 1966 früh in Führung (11.), Ferjani Sassi gelang aber noch vor der Pause per Elfmeter der Ausgleich (35.). In der Nachspielzeit sorgte Kane aber noch für ein englisches Happy End.

Fast wäre England allerdings vor 41.000 Zuschauern in der Wolgograd Arena für die fahrlässige Chancenauswertung bestraft worden. Nach dem frühen 1:0 drängten die „Three Lions“ auf eine schnelle Entscheidung, agierten vor dem Tor allerdings zu stümperhaft. Nach dem Ausgleichstreffer boten die Tunesier eine kämpferisch starke Leistung und hielten das Spiel in der zweiten Hälfte lange offen. In der 91. Minute war Kane nach einem Eckball aber per Kopf doch noch zur Stelle.

Kane trifft in der Nachspielzeit (90.+1 Minute)

In der Nachspielzeit ist England-Kapitän Harry Kane abermals zur Stelle und trifft aus kurzer Distanz per Kopf zum 2:1-Endstand.

In der Tabelle der Gruppe G liegt England mit dem späten Erfolg aufgrund der schlechteren Tordifferenz hinter Belgien, das zuvor Panama mit 3:0 besiegt hatte, nun auf dem zweiten Rang. Im zweiten Gruppenspiel treffen die „Three Lions“ nun am Sonntag (14.00 Uhr) auf Panama, ehe es am letzten Spieltag am 28. Juni (20.00 Uhr, jeweils live in ORF eins) der Gruppenphase zum Schlager gegen Belgien kommt.

„Three Lions“ in Bestbesetzung

Englands Coach Gareth Southgate startete in sein erstes WM-Spiel auf der Trainerbank der „Three Lions“ ohne Überraschungen in der Startelf. Im Tor vertraute der 47-Jährige auf Jordan Pickford. Der Everton-Keeper stach damit Jack Butland von Stoke City sowie Burnley-Goalie Nick Pope aus. Angeführt wurde die Mannschaft von Kapitän und Tottenham-Stürmerstar Kane. Unterstützt wurde der 24-Jährige vorne von Raheem Sterling von Manchester City. Mit Bällen gefüttert werden sollten die beiden von Kanes Teamkollege Dele Alli.

Harry Kane (England) trifft

Reuters/Gleb Garanich

Die Engländer starteten überfallsartig in die Partie und gingen früh durch ein Abstaubertor von Kane in Führung

Tunesien, das ebenso wie die Engländer ohne Niederlage durch die WM-Qualifikation spaziert war, setzte auf seine Frankreich-Legionäre. Die wichtigsten Spieler des Afrikameisters von 2004 wurden dort geboren und spielen auch in der Ligue 1, wobei es keinen echten Star gibt. Angeführt wurden die „Adler von Karthago“ von Kapitän Wahbi Khazri, der bei Stade Rennes seine Brötchen verdient. In der zweiten französischen Liga bei LB Chateauroux aktiv ist Goalie Mouez Hassen, der gleich zu Beginn alles Hände voll zu tun hatte.

Wütende Angriffe der Engländer

Die Engländer, für die es seit dem vierten Platz bei der WM 1990 bei den darauffolgenden sechs Endrunden gerade einmal zu zwei Viertelfinal-Teilnahmen (2002, 2006) gereicht hatte, begannen überfallsartig und nahmen das Gehäuse der Tunesier gleich gehörig unter Beschuss. Nach einem Stellungsfehler kam Alli frei zum Schuss, Hassen rettete mit einer Glanztat (3.). Eine Minute später fabrizierte Sterling nach idealem Stanglpass von Jesse Lingard eine Luftmasche, der Ball kullerte am leeren Tor vorbei.

Kapitän Kane staubt zum 1:0 ab (11. Minute)

Nach einem Corner kann Tunesien-Tormann Mouez Hassen einen Stones-Kopfball noch parieren, beim Abstauber von Harry Kane ist er chancenlos - 1:0 für England.

Der Führungstreffer war nur eine Frage der Zeit und sollte auch wenig später fallen. Nach einem Eckball stieg John Stones am höchsten. Seinen wuchtigen Kopfball konnte Hassen noch parieren, gegen den Nachschuss von Kane war der 23-Jährige allerdings machtlos (11.). Der englische Kapitän traf damit gleich in seinem ersten WM-Spiel für die „Three Lions“, für Hassen war sein viertes Länderspiel dagegen kurz darauf vorbei. Der Tunesien-Goalie hatte sich bei seinen vielen Paraden an der Schulter verletzt und musste ausgewechselt werden.

Tunesien trifft wie aus dem Nichts

Die Tunesier konnten sich nur sporadisch aus der Umklammerung der Engländer lösen, offensiv blieben die „Adler“ jedoch trotzdem flügellahm. Den ersten Schussversuch mussten die Statistiker erst in der 27. Minute in das Protokoll aufnehmen, der Ball ging jedoch weit am Tor von Pickford vorbei. Die Engländer schalteten nach dem Blitzstart nun einen Gang zurück, hatten das Spiel aber dennoch sicher im Griff. Für die kurze Verschnaufpause wurden sie allerdings dennoch bestraft.

Sassi gleicht per Elfer aus (35. Minute)

Nach einem Ellbogencheck von Kyle Walker an Ben Youssef zeigt Schiedsrichter Roldan auf den Punkt. Ferjani Sassi verwandelt den Strafstoß zum 1:1.

Nach einer Flanke krümmte sich plötzlich Fakhreddine Ben Youssef mit gleichzeitig schmerzverzerrtem und lachendem Gesicht am Boden, nachdem ihn Kyle Walker ungeschickt mit dem Ellbogen im Gesicht getroffen hatte. Schiedsrichter Wilmar Roldan aus Kolumbien entschied nach kurzer Rücksprache mit den Videoreferees auf Elfmeter, den Sassi zum 1:1 im Tor versenkte (35.). England-Goalie Pickford hatte zwar die richtige Ecke erraten, war aber machtlos.

Fahrlässige Chancenverwertung

Die „Three Lions“ schüttelten sich kurz, machten dann aber dort weiter, wo sie aufgehört hatten. Zum Leidwesen der englischen Fans allerdings auch mit ihrer fahrlässigen Chancenverwertung. So konnte Stones nach einem Gestocher aus kurzer Distanz den Ball nicht verarbeiten und ins leere Tor schieben (39.). Lingard spitzelte den Ball kurz darauf zwar am herauslaufenden Ersatzgoalie Farouk Ben Mustapha vorbei, traf aber nur die rechte Stange (44.). Trotz drückender Überlegenheit ging es mit einem 1:1 in die Pause.

Stones verstümpert Möglichkeit (39. Minute)

John Stones bekommt den Ball am Fünfer serviert, lässt sich die Gelegenheit aber entgehen.

Nach dem Seitenwechsel standen die Tunesier nicht mehr ganz so tief wie in den ersten 45 Minuten. Kane und Co. taten sich nun nicht mehr so leicht, das tunesische Bollwerk mit schnellen und flüssigen Aktionen zu knacken. Das Tempo hatte deutlich nachgelassen. Für die erste Chance musste deshalb eine Standardsituation herhalten. Jordan Henderson probierte es nach einem Eckball mit dem Kopf, Mustapha hatte aber keine Probleme (51.).

Harry Kane (England) jubelt mit Mitspielern

AP/Thanassis Stavrakis

Kane durfte mit den „Three Lions“ spät, aber doch noch jubeln

England-Teamchef Southgate musste sich langsam etwas einfallen lassen und drehte an den Schrauben. Zwanzig Minuten vor Ende schickte er statt des in der zweiten Hälfte untergetauchten Sterling Manchester-United-Jungstar Marcus Rashford aufs Feld, in der 80. Minute statt Regisseur Alli Crystal-Palace-Mittelfeldspieler Ruben Loftus-Cheek. Eine der wenigen Chancen vergab Rashford, der in der 88. Minute einen Ball durchließ, statt zu schießen. In der Nachspielzeit erlöste schließlich Kane die „Three Lions“ doch noch nach einem Eckball per Kopf (91.).

Stimmen zum Spiel:

Harry Kane (England-Kapitän und zweifacher Torschütze): „Es ist großartig, ich bin sehr stolz. Vor allem in der ersten Hälfte haben wir gut gespielt, wir hätten noch höher führen können. Ich weiß nicht, ob der Elfer zu geben war, aber wir haben Charakter bewiesen und weitergekämpft. Wir hätten auch einige Elfer bekommen können, die Tunesier haben bei den Eckbällen ganz schön zugelangt. Aber am Ende ist es gut gegangen, und wir sind froh, dass sich die Arbeit ausgezahlt hat.“

Wahbi Khazri (Tunesien-Kapitän): „Die ersten 25 Minuten waren schwierig. Dann haben wir mehr Ballbesitz gehabt. Mit dem Elfmeter waren wir im Spiel. Wir müssen uns auf das nächste Spiel konzentrieren, diese Partie ist abgehakt. Jetzt bereiten wir uns auf Belgien vor.“

Gareth Southgate (Teamchef England): „Ich glaube, wir haben den Sieg verdient. Wir hatten in der zweiten Halbzeit totale Kontrolle im Spiel und sind geduldig geblieben. Ich bin wirklich zufrieden, und selbst wenn wir nur unentschieden gespielt hätten, wäre ich stolz auf die Leistung gewesen.“

Nabil Maaloul (Teamchef Tunesien): „Wir haben gegen ein hochtalentiertes und bestens koordiniertes Team in Bezug auf ihre Stürmer gespielt. Wenn wir ein Remis geholt hätten, wäre das ein hervorragendes Ergebnis für uns gewesen. Aber das wird hoffentlich in den kommenden Spielen zu einer besseren Konzentration führen.“

Fußball-WM, Gruppe G

Montag:

Tunesien - England 1:2 (1:1)

Wolgograd Arena, 41.000 Zuschauer, SR Roldan (COL)

Torfolge:
0:1 Kane (11.)
1:1 Sassi (35./Elfmeter)
1:2 Kane (91.)

Tunesien: Hassen (15./Ben Mustapha) - Bronn, Meriah, S. Ben Youssef, Maaloul - Skhiri, Badri, Sassi - F. Ben Youssef, Sliti (74./Ben Amor) - Khazri (85./Khalifa)

England: Pickford - Walker, Stones, Maguire - Trippier, Alli (80./Loftus-Cheek), Henderson, Lingard (93./Dier), Young - Sterling (68./Rashford), Kane

Gelbe Karte: Walker

Die Besten: Sliti, Sassi bzw. Kane

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