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Tormannpatzer als Höhepunkt

Bereits am zweiten Spieltag der Fußball-WM in Russland sind in Gruppe A die Aufstiegsplätze vergeben. Durch den 1:0-Erfolg von Uruguay am Mittwoch in Rostow am Don gegen Saudi-Arabien stehen die Südamerikaner sowie Gastgeber Russland fix im Achtelfinale. Der Höhepunkt in einem Match auf mäßigem Niveau war der entscheidende Fehler des saudischen Teamgoalies Mohammed al-Kwais in der 23. Minute.

Den Schnitzer nach einem Corner nutzte Uruguays Torjäger Luis Suarez in seinem 100. Länderspiel eiskalt vor 42.700 Zuschauern zum 1:0-Siegestreffer aus. Saudi-Arabien zeigte sich zwar gegenüber der 0:5-Abfuhr im WM-Eröffnungsmatch gegen Russland spielerisch verbessert, scheiterte jedoch ein ums andere Mal an seiner Abschlussschwäche. Uruguay beschränkte sich fast über die komplette Spielzeit auf die Verwaltung des Spielstandes und blieb einiges schuldig.

1:0 durch Suarez (23. Minute)

Nach einem schweren Tormannfehler schiebt Suarez zur Führung und letztendlich auch zum Siegestor für die Südamerikaner ein.

Den Uruguayern reichte das zweite 1:0, nach jenem zum Auftakt gegen Ägypten, für das Ticket ins Achtelfinale. Während Saudi-Arabien und Ägypten nächsten Montag um 16.00 Uhr lediglich um einen versöhnlichen WM-Abschluss spielen, geht es zur selben Zeit zwischen Russland und Uruguay um den Gruppensieg. Der Erste der Gruppe A trifft dann anschließend im Achtelfinale auf den Zweiten aus der Gruppe mit Spanien und Portugal.

Suarez fällt 1:0 vor die Füße

Uruguay hatte in bisher zwei Aufeinandertreffen in Freundschaftsspielen mit Saudi-Arabien noch nie gewonnen. Der Außenseiter gewann 2002, 2014 gab es ein Unentschieden. Aus diesen Ergebnissen schöpften die Saudis offenbar auch Mut und begannen die Partie recht forsch.

Vielleicht auch, weil ihnen die Temperaturen von 32 Grad gefühlsmäßig vertraut waren. Uruguay brauchte schon etwas länger, um auf Betriebstemperatur zu kommen. Deshalb waren Aktionen im gegnerischen Strafraum in der Anfangsphase eher die Ausnahme denn die Regel.

Luis Suarez (URU)

AP/Andrew Medichini

Luis Suarez krönte sein 100. Länderspiel für Uruguay mit dem 1:0, seinem 52. Treffer für „La Celeste“

Bei den Saudis fehlte ein wenig die Klasse, die durchaus gut aufgebauten Angriffe auch ebenso abzuschließen, bei den Südamerikanern war es eher die Zurückhaltung. Mit dieser war es dann in der 23. Minute vorbei. Suarez konnte aber gar nicht anders, als die Einladung vom saudischen Goalie Mohammed al-Kwais anzunehmen. Der Ersatztorhüter verschätzte sich nach einem Corner völlig, schlug ein Luftloch, anstatt den Ball wegzufausten, und der Barcelona-Stürmer stand am Fünfer genau richtig, um den Ball zum 1:0 über die Linie zu befördern.

Wenig Höhepunkte

Doch wer dachte, Uruguay würde jetzt einen Zahn zulegen, irrte sich. Die Elf von Oscar Tabarez spielte weiter abwartend, lauerte auf Fehler und mögliche Konter, anstatt dem angeschlagenen Gegner den entscheidenden Schlag zu versetzen. So dümpelte die Partie bis zur Pause dahin. Saudi-Arabien machte kein schlechtes Spiel, war jedoch ab dem gegnerischen Sechzehner mehr oder weniger planlos.

Edinson Cavani (URU) und Abdullah Otayf (KSA)

Reuters/Marcos Brindicci

Uruguay (im Bild links Edinson Cavani) verstrickte sich gegen Saudi-Arabien in viele Zweikämpfe

Auch nach der Pause änderte sich überhaupt nichts am Spielverlauf. Uruguay tat nur das absolut Notwendigste. Tabarez brachte daraufhin nach einer guten Stunde mit den Italien-Legionären Diego Laxalt und Lucas Torreira zwei frische Mittelfeldspieler. Signifikant wurde dadurch Uruguays Torgefährlichkeit aber nicht erhöht. Eine gute Chance hatte Suarez aus einem leicht abgefälschten 30-m-Freistoß (51.)., bei der sich Kwais jedoch auszeichnen konnte.

Gefährlicher Freistoß von Suarez (51. Minute)

Suarez bringt den ruhenden Ball gefährlich flach aufs Eck, doch Keeper Mohammed al-Kwais kann sich auszeichnen.

Während Saudi-Arabiens spanischer Coach Juan Antonio Pizzi an der Outlinie aufgebracht viele Meter machte und sich dabei nicht an die engen Grenzen der Coaching-Zone halten wollte, erweckte Uruguay weiter den Eindruck, dass der Schongang absichtlich gewählt war, um Kräfte für die kommenden Aufgaben zu sparen. Uruguay agierte sozusagen im Energiesparmodus. Viel Aufwand war auch nicht nötig, denn die beherzt bis zum Strafraum anrennenden Saudis fanden einfach nicht den Weg ins Tor, und am Ende stand achte 1:0 dieser WM.

Stimmen zum Spiel:

Oscar Tabarez (Teamchef Uruguay): „Es war sehr heiß auf dem Platz, die Spieler beider Mannschaften waren sehr müde. Deshalb habe ich Wechsel vorgenommen. Wir müssen noch an einigen Dingen arbeiten, jetzt wartet Russland. Luis Suarez ist ein entscheidender Spieler für uns. Er hat immer Druck und geht damit um. Er kämpft, er arbeitet nach hinten und ist uneigennützig. Das alles charakterisiert ihn als Fußballer.“

Luis Suarez (Torschütze Uruguay): „Wir hatten nach dem Auftaktspiel etwas auszubessern. Wir haben ein wenig gebraucht, um hineinzufinden, aber jetzt sind wir da. Wir stehen zum dritten Mal nacheinander im WM-Achtelfinale. Wir freuen uns sehr und genießen diesen Moment. Unser Ziel ist es, möglichst weit zu kommen. Wir tun alles dafür, dass es gelingt.“

Juan Antonio Pizzi (Teamchef Saudi-Arabien): „Es war nicht einfach, wir hatten viel Ballbesitz, aber der Gegner war einfach stärker und hat viel Druck auf uns ausgeübt. Da konnten wir einfach nicht dagegenhalten. Das Gegentor fiel unglücklich. Unser Gegner hat uns Respekt eingeflößt, und wir haben es nicht geschafft, den Ausgleich zu erzielen. Dieses Spiel macht mich ruhiger, aber wir können uns auf jeden Fall verbessern.“

Fußball-WM, Gruppe A

Mittwoch:

Uruguay - Saudi-Arabien 1:0 (1:0)

Rostow am Don, 42.700 Zuschauer, SR Turpin (FRA)

Tor: Suarez (23.)

Uruguay: Muslera - Varela, Gimenez, Godin, Caceres - Sanchez (82./Nandez), Vecino (59./Torreira), Betancur, Rodriguez (59./Laxalt) - Suarez, Cavani

Saudi-Arabien: Kwais - Buraik, Os. Hausawi, Bulaihi, Schahrani - Farradsch, Atif, Dschassim (44./Moghawi) - Bahbir (75./Kanu), Dausari - Muwallad (78./Sahlawi)

Gelbe Karten: keine

Beste Spieler: Gimenez, Godin bzw. Hausawi, Bulaihi

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