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Glanzlos in die nächste Runde

Frankreich hat auch im zweiten WM-Spiel in Russland einen knappen und glanzlosen Sieg gefeiert. Die „Equipe Tricolore“ erreichte am Donnerstag vor 32.789 Fans in Jekaterinburg einen 1:0-Arbeitssieg gegen Peru und steht damit aber bereits als Aufsteiger ins Achtelfinale fest. Zum Matchwinner avancierte Kylian Mbappe, der in der 34. Minute den Siegestreffer erzielte.

Mit nun sechs Punkten ist Frankreich in Gruppe C nicht mehr von einem Aufstiegsplatz in die K.-o.-Phase zu verdrängen. Am letzten Spieltag (26. Juni) geht es im Duell gegen Dänemark noch um den Gruppensieg, wobei Frankreich bereits ein Remis reicht. Für Peru wird dagegen das erste WM-Abenteuer seit 36 Jahren nach der zweiten 0:1-Niederlage bereits mit dem abschließenden Spiel gegen Australien, das noch Aufstiegschancen hat, zu Ende gehen.

Frankreichs Siegestreffer durch Mbappe

Etwas glücklich, aber verdient geht Frankreich in Führung. Kylian Mbappe ist aus kurzer Distanz erfolgreich und sorgt für das entscheidende Tor (34.).

Deschamps ändert das System

Bei Frankreich gab es in der Startaufstellung im Vergleich zum Auftaktspiel gegen Australien Änderungen bei Personal und System. Olivier Giroud und Blaise Matuidi ersetzten Ousmane Dembele und Corentin Tolisso. Damit wechselte Coach Didier Deschamps von einer 4-3-3- zu einem 4-2-3-1-Formation. Bei Peru spielte Kapitän Paolo Guerrero wie erwartet diesmal von Beginn an als Solospitze. Überraschend setzte Peru-Coach Ricardo Gareca dafür mit Jefferson Farfan zunächst seinen zweiten Starspieler auf die Bank.

Die Franzosen stimmten sich wie üblich mit ihrer „Marseillaise“ auf die zweite Partie bei dieser WM ein. Bezüglich Leidenschaft beim Mitsingen der Nationalhymne stachen die Peruaner ihren Gegner aber schon einmal aus und nahmen den Schwung auch in die ersten Minuten der Partie mit. Paul Pogba und Kollegen wurden früh gestört und hatten wenig Zeit für einen kontrollierten Spielaufbau.

Lucas Hernandez

AP/Mark Baker

Die Peruaner machten den Franzosen mit viel Kampfgeist das Leben schwer

Frankreich mit kurzer Drangperiode

Die erste Chance war daher eher ein Zufallsprodukt. Von einem Peruaner kam der Ball zu Antoine Griezmann, der aber aus halbrechter Position vorbeischoss (11.). Die Gelegenheit war jedoch der Auftakt zu einer französischen Drangperiode. Kurz darauf setzte nämlich Pogba einen Weitschuss knapp neben das Tor (12.). Nach einem Eckball strich ein Kopfball von Raphael Varane an der Stange vorbei (14.). Griezmann platzierte einen Halbvolley zu zentral, Peru-Goalie Pedro Gallese war mit seinem Knie zur Stelle (16.).

Griezmann zieht in Minute 16 ab

Die Franzosen verzeichnen innerhalb weniger Minuten mehrere Chancen. Griezmann zeigt eine perfekte Schusstechnik, der Versuch ist aber zu zentral.

Die Peruaner konnten unterdessen ihre Stärke - das Umschaltspiel - nicht nach Wunsch ausspielen. Dafür fehlte die Präzision, weshalb Goalie Hugo Lloris lange ein ruhiges 100. Länderspiel für Frankreich bestritt. In der 31. Minuten wurde der Kapitän aber plötzlich richtig gefordert. Nach einem Stanglpass ließ Guerrero Samuel Umtiti aussteigen und stand alleine vor Lloris, schloss die Aktion aber zu unpräzise ab (31.).

Mbappe trifft aus kurzer Distanz

Besser machte es Frankreich. Zunächst konnte Mbappe eine Vorlage von Pogba mit dem Rücken zum Tor noch nicht verwerten (33.), kurz darauf war er aber zur Stelle. Pogba eroberte den Ball und spielte auf Giroud, dessen Schuss von Alberto Rodriguez so unglücklich abgefälscht wurde, dass er über Goalie Gallese ging. Mbappe musste den Ball nur noch über die Linie drücken (34.). Der 19-Jährige löste damit David Trezeguet, der 1998 20 Jahre und acht Monate alt war, als Frankreichs jüngster WM-Torschütze ab.

Jubel

APA/AFP/Jorge Guerrero

Antoine Griezmann gratuliert Matchwinner Kylian Mbappe zu seinem Siegestreffer

Pech für Peru nach Seitenwechsel

Lucas Hernandez vergab kurz vor Pause noch eine Chance (43.), womit es mit der knappen Führung für Frankreich in die Kabinen ging. Dort hatte Peru einiges zu besprechen, denn eine Niederlage war gleichbedeutend mit dem Aus. Coach Gareca reagierte und brachte für die zweite Hälfte mit Farfan einen weiteren Offensivspieler. Der Legionär von Lok Moskau passte auf Pedro Aquino, der aus gut 25 Metern abzog und das Lattenkreuz traf (50.). Für die Franzosen war das ein klarer Weckruf, hellwach zu bleiben.

Peru schrammt an Ausgleich vorbei

Peru ist knapp dran am Ausgleich. Ein herrlicher Weitschuss von Pedro Aquino geht aber ans Lattenkreuz (50.).

Die Peruaner zeigten weiter Herz und Leidenschaft und spielten sich in die Hälfte der Franzosen, dort agierten sie allerdings mit zu wenig Kreativität. Die klare Torchance blieb aber aus. Schüsse von Andre Carillo (61.) und Luis Advincula (68.) gingen über das Tor. Frankreich beschränkte sich weitgehend auf die Defensivarbeit und lauerte nur noch auf Konter. Gelegenheiten dazu ergaben sich aber nicht.

Peru kann keine Gefahr entwickeln

Die Minuten verstrichen. Peru brauchte mehr Bewegung im Angriffsspiel, um die Franzosen, für die der eingewechselte Ousmane Dembele eine Chance vergab (82.), in Bedrängnis zu bringen. Ein Freistoß von Guerrero landete in den Händen von Lloris (86.). Wirklich hektisch wurde es für die Franzosen in der Schlussphase nicht wirklich. Peru ließ auch in der vierminütigen Nachspielzeit das letzte Risiko, doch noch das 1:1 zu schaffen, vermissen und kann sich nach dem zweiten Spieltag bereits mit dem Heimflug beschäftigen.

Stimmen zum Spiel:

Didier Deschamps (Teamchef Frankreich): „Zweiter Sieg und für das Achtelfinale qualifiziert: Das war unser Ziel. Wir haben in der zweiten Halbzeit gelitten, konnten den Ball nicht halten. Jetzt werden wir das genießen, gut regenerieren und dann an das dritte Spiel denken. Natürlich ist jetzt der erste Platz das Ziel.“

Kylian Mbappe (Torschütze Frankreich): „Ich bin sehr zufrieden. Ich habe immer gesagt, dass die WM der Traum eines jeden Fußballers ist. Heute ist für mich ein Traum (durch das Tor, Anm.) in Erfüllung gegangen, und ich hoffe, dass noch weitere wahr werden.“

Ricardo Gareca (Teamchef Peru): „Wir haben alles gegeben. Unsere Erwartungen waren andere, aber ich kann meiner Mannschaft keine Vorwürfe machen. Wir wollen die WM bestmöglich zu Ende bringen. Wir haben sogar das Spiel kontrolliert. Das ist eine nützliche Lektion für uns.“

Pedro Gallese (Tormann Peru): „Ich möchte mich bei unseren unglaublichen Fans, hier in Russland und zu Hause, bedanken. Wir haben alles gegeben und gekämpft. Wir haben uns viel vorgenommen, aber jetzt haben wir nur noch eine Partie.“

Fußball-WM, Gruppe C

Donnerstag:

Frankreich - Peru 1:0 (1:0)

Jekaterinburg Arena, 32.789 Zuschauer, SR Mohamed (UAE)

Tor: Mbappe (34.)

Frankreich: Lloris - Pavard, Varane, Umtiti, Lucas Hernandez - Kante, Pogba (89./Nzonzi) - Mbappe (75./Dembele), Griezmann (80./Fekir), Matuidi - Giroud

Peru: Gallese - Advincula, Rodriguez (46./Santamaria), Ramos, Trauco - Yotun (46./Farfan), Aquino - Carrillo, Cueva (82./Ruidiaz), Flores - Guerrero

Gelbe Karten: Matuidi, Pogba bzw. Guerrero, Aquino

Die Besten: Varane, Pogba bzw. Aquino

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