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Klarer 3:0-Erfolg gegen Vizeweltmeister

Kroatien hat am Donnerstag mit einer Galavorstellung vorzeitig den Einzug ins Achtelfinale geschafft. Das Team von Coach Zlatko Dalic fertigte in Nischni Nowgorod Argentinien mit 3:0 (1:0) ab. Ante Rebic erzielte nach einem schweren Tormannfehler von Willy Caballero das 1:0 (53.). Tore von Luka Modric (80.) und Ivan Rakitic (91.) krönten die Vorstellung der Kroaten, die im Auftaktspiel in Gruppe D einen 2:0-Erfolg gegen Nigeria gefeiert hatten.

Während Kroatien zum ersten Mal seit 1998, als am Ende Rang drei erreicht wurde, wieder den Einzug in die K.-o.-Phase schaffte, steht der Vizeweltmeister erstmals seit dem Jahr 2002 vor dem Aus in der Gruppenphase. Die Argentinier, bei denen Superstar Lionel Messi erneut kaum Akzente setzen konnte, halten nach zwei Spielen bei nur einem Punkt. Sollten die Isländer am Freitag (17.00 Uhr, live in ORF eins) in Wolgograd gegen Nigeria nicht verlieren, dann hätten Messi und Co. ihr Schicksal nicht mehr in der eigenen Hand.

Caballeros Fehler als Anfang vom Ende

Mit einem schweren Patzer schenkt Argentinien-Goalie Willy Caballero den Kroaten das 1:0 durch Ante Rebic (53.).

Argentinien mit neuem Personal und Taktik

Argentiniens Teamchef Jorge Sampaoli sah sich nach dem bitteren 1:1 im Auftaktspiel gegen Island genötigt, Umstellungen personeller und taktischer Natur vorzunehmen. Marcos Rojo, Lucas Biglia und Angel di Maria wurden auf die Bank gesetzt. Außenverteidiger Gabriel Mercado sowie Marcos Acuna und Enzo Perez im Mittelfeld rückten in die Startelf, die Sampaoli in einem 3-4-3-System spielen ließ - mit Messi, Sergio Agüero und Maximiliano Meza im Angriff.

Bei den Kroaten gab es nur eine Änderung. Marcelo Brozovic spielte statt Andrej Kramaric. Kapitän Modric spielte etwas offensiver und agierte als Regisseur im offensiven Mittelfeld. Die Kroaten spielten frei von der Leber weg, hatten sie doch in der Partie nichts zu verlieren und bereits das Achtelfinale zu gewinnen. Die erste Chance hatte Ivan Perisic. Den Schuss des Inter-Legionärs lenkte Goalie Willy Caballero mit den Fingerspitzen über die Cornerlinie (5.).

Ivan Perisic (Kroatien) und Gabriel Mercado (Argentinien)

APA/AFP/Dimitar Dilkoff

Aggressivität und viele Zweikämpfe waren in der ersten Hälfte Trumpf

Es entwickelte sich eine temporeiche und emotional geführte Partie, in der sich beide Teams im Zweikampf nichts schuldig blieben. Bei den Argentiniern kam Messi nach Pass von Meza um einen Schritt zu spät (12.). Nach einer schnellen Aktion über Messi und Eduardo Salvio übernahm Meza den Pass in den Rückraum direkt, doch Dejan Lovren warf sich ohne Rücksicht auf Verluste in den Schuss (13.). Eine Flanke von Acuna senkte sich auf die Oberseite der Querlatte (21.).

Zwei Topchancen und viele Härteeinlagen

Nach knapp einer halben Stunde lagen dann zwei Tore förmlich in der Luft. Zuerst war die „Albiceleste“ an der Reihe. Nach einem Missverständnis in der kroatischen Abwehr kam Enzo Perez völlig frei stehend an den Ball. Der Rechtsverteidiger verfehlte allerdings das leere Tor und schoss rechts vorbei (30.). Nicht viel besser machte es Mario Mandzukic auf der Gegenseite. Nach einer Vrsaljko-Flanke kam der Juventus-Legionär ungehindert zum Abschluss, setzte den Kopfball aber aus kurzer Distanz neben das Tor (32.).

Perez vergibt kläglich

Im Strafraum kommt Enzo Perez zum Schuss, doch dem Argentinier gelingt das Kunststück, das leere Tor nicht zu treffen (30.).

Die Kroaten fuhren weiter keine zimperliche Gangart und trieben Sampaoli an der Seitenlinie zur Weißglut. Immer wieder beschwerte sich der argentinische Teamchef lautstark über die fiesen Fouls des Gegners. Die Argentinier blieben den Kroaten aber nichts schuldig und zahlten die Härteeinlagen mit barer Münze zurück. Dass es bis zur Pause vom usbekischen Referee Irmatow nur eine längst verdiente Gelbe Karte für Rebic gab, war mehr als verwunderlich.

Rebic nutzt schweren Fehler zur Führung

Rebic war nach insgesamt fünf Fouls schwer rotgefährdet, trotzdem nahm Kroatien-Coach Zlatko Dalic keinen Wechsel vor. Das Risiko zahlte sich aus, denn der Frankfurt-Legionär nutzte einen schweren Fehler von Caballero eiskalt aus. Der Argentinien-Goalie wollte einen Rückpass lässig klären. Der Versuch ging völlig schief und landete bei Rebic. Der fackelte nicht lange, übernahm den Ball volley und traf ins lange Eck (53.). Glatzkopf Caballero raufte sich die nicht vorhandenen Haare, brachte er doch sein Team schwer in Bedrängnis.

Willy Caballero (Argentinien)

Reuters/Ivan Alvarado

Argentinien-Goalie Willy Caballero war nach seinem Fauxpas fassungslos

Argentinien müht sich vergeblich

Für Rebic war die Partie unmittelbar danach beendet, für ihn kam Kramaric. Auch Sampaoli reagierte und brachte Gonazalo Higuain für Agüero sowie Cristian Pavon für Salvio. Messi versuchte, das Spiel immer mehr an sich zu reißen, scheiterte aber mit seinen Aktionen. In der 64. Minute hatten die Argentinier den Ausgleich auf den Füßen. Doch Meza scheiterte aus kurzer Distanz an Goalie Danijel Subasic. Auf der Gegenseite traf Mandzukic nur das Außennetz (66.).

Sampaoli zog seinen letzten Offensivjoker und brachte Paulo Dybala statt Perez (68.). In seiner ersten Aktion schoss der Juventus-Star über das Tor (72.). Der Argentinien-Coach bekam angesichts des Zwischenstandes schon Hitzewallungen und entledigte sich seines Sakkos. Sein Team sorgte nicht für Abkühlung, denn Chancen auf den wichtigen Ausgleich hielten sich in Grenzen. Zu fahrig und unpräzise agierten die Argentinier in ihren Offensivaktionen.

Modric-Traumtor sorgt für Entscheidung

Ein Fehler im Spielaufbau brachte Argentinien endgültig auf die Verliererstraße. Der Ball kam zu Modric, der von Nicolas Otamendi nicht konsequent genug attackiert wurde. Kroatiens Kapitän nutzte die Nachlässigkeit, zog aus gut 20 Metern ab und traf exakt neben der rechten Stange ins Tor (80.). Während die argentinische Ersatzbank und Fans inklusive eines erschütterten Diego Maradona das Geschehen fassungslos verfolgten, waren die kroatischen Anhänger längst in Partystimmung und feierten die Gala ihres Teams.

Modric macht das 2:0

Der Mittelfeldmotor der Kroaten zieht ab und trifft mit seinem Weitschuss sehenswert zur Vorentscheidung.

Für die Argentinier kam es allerdings noch schlimmer. Zunächst knallte Rakitic einen Freistoß ans Lattenkreuz (86.). In der ersten Minute der Nachspielzeit durfte sich der Barcelona-Legionär dann doch über einen Treffer freuen. Nach einem Konter konnte Caballero den Schuss von Rakitic parieren. Der Abpraller kam zum eingewechselten Mateo Kovacic, der erneut auf Rakitic ablegte. Der Rest war nur noch Formsache (91.) und setzte den Schlusspunkt hinter einen denkwürdigen Abend aus kroatischer Sicht.

Rakitic setzt den Schlusspunkt

Kurz vor dem Ende ist das Debakel für Argentinien perfekt. Ivan Rakitic erzielt nach einem Konter das 3:0 und setzt damit den Schlusspunkt.

Fußball-WM, Gruppe D

Donnerstag:

Argentinien - Kroatien 0:3 (0:0)

Nischni Nowgorod, 43.319 Zuschauer, SR Irmatow (UZB)

Torfolge:
1:0 Rebic (53.)
2:0 Modric (80.)
3:0 Rakitic (91.)

Argentinien : Caballero - Mercado, Otamendi, Tagliafico - Salvio (56./Pavon), Mascherano, Perez (68./Dybala), Acuna - Messi, Aguero (54./Higuain), Meza

Kroatien: Subasic - Vrsaljko, Lovren, Vida, Strinic - Rakitic, Brozovic - Rebic (57./Kramaric), Modric, Perisic (82./Kovacic) - Mandzukic (90./Corluka)

Gelbe Karten: Mercado, Otamendi, Acuna bzw. Rebic, Mandzukic, Vrsaljko, Brozovic

Die Besten: keine bzw. Modric, Rakitic, Rebic

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