Themenüberblick

Afrikanische Schützenhilfe für Argentinien

Nigeria hat am Freitag seine Hoffnungen auf den Aufstieg ins Achtelfinale gewahrt und gleichzeitig Argentinien wichtige Schützenhilfe geleistet. Die „Super Eagles“ setzten sich vor 40.904 Fans in Wolgograd gegen Island mit 2:0 (0:0) durch und sorgten dafür, dass in Gruppe D hinter Kroatien weiter alles offen ist. Zum Matchwinner avancierte Ahmed Musa, der nach der Pause mit einem Doppelpack (49., 75.) erfolgreich war.

Nigeria, das vor allem in Hälfte zwei eine klare Leistungssteigerung verzeichnete, hält nun bei drei Punkten. Im abschließenden Gruppenspiel am 26. Juni kommt es nun zum direkten Duell mit Argentinien um den Einzug ins Achtelfinale. Auch die Isländer, für die Gylfi Sigurdsson einen Elfmeter vergab (83.), haben noch Chancen auf den Aufstieg in die K.-o.-Phase, brauchen dafür aber unbedingt einen Sieg gegen Kroatien. Für Spannung ist in dieser Gruppe am letzten Spieltag jedenfalls gesorgt.

Ahmed Musa jubelt mit Teamkollegen über Tor

AP/Andrew Medichini

Ahmed Musa (Nummer sieben) hielt mit seinen Toren Nigerias Aufstiegschancen am Leben

Island setzt auf bekannte Stärken

Nigeria-Coach Gernot Rohr zog aus der mageren Vorstellung gegen Kroatien Konsequenzen. Die Offensivspieler Musa und Kelechi Iheanacho sowie Verteidiger Kenneth Omeruo kamen in die Startelf. Auf die Bank mussten Abdullahi Shehu, Alex Iwobi und Odion Ighalo. Bei den Isländern fehlte der verletzte Johann Berg Gudmundsson. Für den Stürmer spielte Jon Dadi Bödvarsson. Überdies gab Rurik Gislason sein WM-Debüt auf dem rechten Flügel im 4-4-2-System.

Die Ausgangslage war klar: Der Druck lag nach der Auftaktpleite ganz im nigerianischen Lager. Die Anfangsphase gehörte aber den Isländern, die wieder ihre bekannten Stärken mit langen Bällen und über Standardsituationen ausspielten und durch Gylfi Sigurdsson früh zu guten Chancen kamen. Bei einem Freistoß (3.) und einem Schuss (6.) des Everton-Legionärs nach einem Konter war Nigerias 19-jähriger Goalie Francis Uzoho aber zur Stelle.

Die Chancen von Sigurdsson

Kurz nach seinem Freistoß kommt Gylfi Sigurdsson zur nächsten Gelegenheit, sein Abschluss fällt aber zu schwach aus (6.).

Keine Gefahr durch Nigeria

Bei den „Super Eagles“ war von der von Coach Rohr angekündigten Offensive wenig zu sehen. Die Nigerianer hatten wie erwartet mehr Ballbesitz, die kompakten Isländer konnten sie mit ihrem zu ideenlosen Spiel aber nicht in Verlegenheit bringen. Chancen ergaben sich nur bei Standardsituationen und eigentlich nur für den EM-Viertelfinalisten. Ansonsten spielte sich das Spielgeschehen meistens mit wenig zielführenden Aktionen im Mittelfeld ab.

Erst in Minute 34 gab es wieder so etwas wie einen Torabschluss. Birkir Bjarnason traf aber den Ball nicht richtig, womit sein Schuss deutlich das Ziel verfehlte. Nigeria versuchte sein Glück mit hohen Bällen in den Strafraum. Die Flanken und Eckbälle waren - abgesehen davon, dass das gegen die großen Isländer kein probates Mittel ist - einfach schlecht. Island machte das wesentlich besser: Eine von Alfred Finnbogason mit der Hüfte verlängerte Freistoßflanke ging kurz vor der Pause knapp am Tor vorbei (45.).

Nigerianische und isländische Spieler im isländischen Strafraum

Reuters/Toru Hanai

Die Isländer kamen nach Standardsituationen immer wieder gefährlich vor das nigerianische Tor

Nigeria trifft kurz nach Seitenwechsel

Die Isländer kamen etwas unaufmerksam aus der Kabine. Zunächst konnte Oghenekaro Etebo ungehindert durch die gegnerische Hälfte laufen. Mit dem Schuss nach nur 15 Sekunden hatte Goalie Hannes Thor Halldorsson noch keine Probleme. Kurz darauf war er aber chancenlos. Nach einem Eckball lancierte Nigeria endlich einen Konter und kam damit zum Erfolg. Victor Moses passte zur Mitte, Musa manövrierte mit der perfekten Ballannahme Ragnar Sigurdsson aus und schoss wuchtig zur Führung ein (49.).

Musa legt für Nigeria vor

Ahmed Musa pflückt sich die Hereingabe von Victor Moses sehenswert herunter und schießt zum 1:0 für Nigeria ein (49.).

Beinahe wäre nur wenige Minuten später schon das 2:0 gefallen. Einen leicht abgefälschten Schuss von Wilfred Ndidi konnte Halldorsson mit den Fingerspitzen über die Latte drehen (57.). Die isländischen Fans spürten, dass ihre Mannschaft nun Unterstützung brauchte, und ließen ihr berühmtes „Huh“ von den Tribünen erschallen. In der 65. Minute musste Sigurdsson, der beim Tor der Nigerianer durch das Knie von Musa ein Cut am Hinterkopf erlitten hatte, durch seinen Rostow-Clubkollegen Sverrir Ingi Ingason ersetzt werden.

Musa schnürt den Doppelpack

Die Isländer mussten jedenfalls offensiver werden. Mit Björn Sigurdarson brachte Coach Heimir Hallgrimsson einen frischen Mittelstürmer (71.). Die Führung hatte den Afrikanern aber deutlich mehr Selbstvertrauen gebracht, sie hielten den Ball besser in den eigenen Reihen. Musa nahm sich ein Herz und hämmerte den Ball an die Latte (74.). Nur Sekunden danach war der Doppelpack aber geschnürt. Musa setzte sich im Laufduell gegen Kari Arnason durch, umkurvte auch noch Goalie Halldorsson und schoss ein (75.).

Der zweite Treffer von Musa

Wenige Augenblicke nach seinem Lattentreffer macht Ahmed Musa seinen Doppelpack gegen die Isländer mit einer tollen Aktion perfekt (75.).

Wenige Minuten danach bekamen die Isländer die Chancen auf ein mögliches Comeback. Tyronne Ebuehi legte im Strafraum und foulte Finnbogason. Der neuseeländische Schiedsrichter Matt Conger ließ das Spiel zunächst weiterlaufen, revidierte nach dem Videobeweis aber seine Entscheidung und gab Elfmeter. Gylfi Sigurdsson trat an, schoss aber über das Tor (83.). Island gab sich zwar noch immer nicht auf, kam aber nicht mehr wirklich gefährlich vor das Tor.

Stimme zum Spiel:

Gernot Rohr (Teamchef Nigeria): „Wir sind zurück. In der zweiten Hälfte haben wir ein sehr gutes Spiel gemacht, mit der ersten Hälfte war ich nicht zufrieden. Wir haben verstanden, dass wir kämpfen müssen. Wir mussten siegen, um weiterkommen zu können. Island ist sehr stark, sehr gut organisiert, das wussten wir. Dank der zweiten Hälfte haben wir den Sieg verdient. Wir haben sehr viel gearbeitet. Heute waren wir in der Verteidigung sehr präsent, waren auch auf der Seite besser und haben mit mehr Tempo gespielt.“

Heimir Hallgrimsson (Teamchef Island): „Es ist komisch, dass wir trotz der Niederlage noch im Rennen sind. Wir haben nicht gedacht, dass wir bei dieser WM ohne Niederlage bleiben würden. Aber Niederlagen sind immer schwer zu schlucken. Wir müssen jetzt nur Kroatien schlagen - doch das ist leichter gesagt als getan.“

Fußball-WM, Gruppe D

Freitag:

Nigeria - Island 2:0 (0:0)

Wolgograd, 40.900 Zuschauer, SR Conger (NZL)

Torfolge:
1:0 Musa (49.)
2:0 Musa (75.)

Nigeria: Uzoho - Omeruo, Ekong, Balogun - Mikel, Ndidi - Moses, Etebo (90./Iwobi), Idowu (46./Ebuehi), Musa - Iheanacho (85./Ighalo)

Island: Halldorsson - Saevarsson, Arnason, R. Sigurdsson (65./Ingason), Magnusson - Gislason, Gunnarsson (87./Skulason), G. Sigurdsson, Bjarnason - Bödvarsson (71./Siguradarson), Finnbogason

Gelbe Karten: Idowu

Die Besten: Musa, Ndidi bzw. Bjarnason

Links: